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Thomas Hölck zu Top 20: Fischerei braucht Zukunft: Probleme beschreiben reicht nicht
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 17.Juni 2026Thomas Hölck Fischerei braucht Zukunft: Probleme beschreiben reicht nicht TOP 20: Zukunft und Existenzsicherung der Fischerei in Schleswig-Holstein unter Berücksichtigung aller Sektoren (Drs. 20/3883)die Große Anfrage des SSW zur Lage der Fischerei in Schleswig-Holstein zeichnet ein umfassendes Bild. Und dieses Bild ist alles andere als beruhigend. Denn die Antworten der Landesregierung zeigen deutlich: Die Fischerei in Schleswig- Holstein steht vor gewaltigen Herausforderungen. Das gilt für die Nordsee, ganz besonders aber für die Ostsee. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe ist angespannt. Die Zahl der Fischerinnen und Fischer geht zurück. Die Flotte altert. Die Nachfolge in den Betrieben wird schwieriger. Und die Fangmöglichkeiten in der Ostsee sind so stark eingeschränkt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das alles beschreibt die Landesregierung selbst sehr ausführlich. Aber genau deshalb stellt sich eine andere Frage umso dringlicher: Wie sieht denn die Zukunft der Fischerei in Schleswig-Holstein nun eigentlich aus? Denn wer die Antworten aufmerksam liest, findet viele Beschreibungen der Probleme. Schauen Sie sich die Frage 5 der Großen Anfrage mal exemplarisch an. Klipp und klar fragt der SSW dort „Welche konkreten strategischen Ziele verfolgt die Landesregierung bis 2030, um die Fischereiwirtschaft in Schleswig-Holstein zukunftsfähig zu gestalten und das Handwerk als kulturelles Gut zu erhalten?“ Anschließend beschreibt die Landesregierung viel, doch konkret wird sie nicht. Und das ist aus unserer Sicht die eigentliche Leerstelle. Diese Landesregierung hat keine Gesamtstrategie. Doch das bräuchte es, denn die Herausforderungen sind nicht überall gleich. An der Ostsee erleben wir eine existenzielle Krise der Küstenfischerei. Die Landesregierung verweist selbst darauf, dass die Ursachen längst nicht mehr allein in der Fischerei liegen. Klimawandel, Sauerstoffmangel, Nährstoffeinträge und Veränderungen im Ökosystem setzen den Beständen massiv zu. Wissenschaftlich wird inzwischen sogar die Frage 1 aufgeworfen, ob insbesondere der westliche Ostseedorsch in absehbarer Zeit überhaupt wieder Bestandsgrößen erreichen kann, die eine wirtschaftliche Nutzung ermöglichen. An der Nordsee stellt sich die Lage anders dar. Dort zeigen die Krabbenfischerei und die Muschelwirtschaft, dass Fischerei auch künftig ein wichtiger Bestandteil regionaler Wertschöpfung sein kann. Aber auch dort stehen die Betriebe unter Druck – durch steigende Kosten, Flächenkonkurrenzen und die zunehmende Nutzung des Meeresraums. Eine Strategie, die den unterschiedlichen Bedingungen gerecht wird, aber ein gemeinsames Ziel verfolgt: den Erhalt der fischereilichen Strukturen an unseren Küsten – das fehlt. Doch die Küstenfischerei ist mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie prägt unsere Küstenregionen. Sie gehört zur Identität Schleswig-Holsteins. Sie schafft regionale Wertschöpfung und ist für viele Orte an Nord- und Ostsee ein prägender Bestandteil des öffentlichen Lebens. Diese Bedeutung haben wir hier im Landtag bereits häufig anerkannt, zuletzt fraktionsübergreifend vor knapp 1 ½ Jahren. Und auch die jüngsten Vereinbarungen zwischen Land und Fischerei zeigen, dass die Herausforderungen gesehen werden und Unterstützung geleistet werden soll. Das ist richtig. Aber Einzelprogramme allein ersetzt noch keine Zukunftsstrategie. Wie stellen wir sicher, dass Fischerei auch künftig Fischerei bleibt? Wie sichern wir Ausbildung, Nachfolge und Infrastruktur? Und wie schaffen wir die Brücke zwischen der heutigen Krise und einer hoffentlich besseren Zukunft? Denn eines ist doch klar: Wenn Betriebe heute aufgeben, wenn Kutter verkauft werden und wenn sich keine Nachfolger mehr finden, dann hilft uns eine mögliche Bestandserholung in einigen Jahren nur noch wenig. Dann sind die Strukturen, die wir eigentlich erhalten wollen, längst verloren. Auf diese Fragen bleibt die Landesregierung nach unserer Auffassung Antworten schuldig. Wir als SPD sagen deshalb klar: Schleswig-Holstein braucht auch künftig eine starke Fischerei an Nord- und Ostsee. Dafür müssen wir die vorhandenen Strukturen erhalten, bevor sie verschwinden. Denn wenn die letzte Generation von Küstenfischern aufgibt, dann verlieren wir weit mehr als einen Wirtschaftszweig. Dann verlieren wir ein Stück Schleswig-Holstein. 2