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Kianusch Stender zu Top 21: Jedes Kind soll schwimmen lernen – aber wo?
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 18.Juni 2026Kianusch Stender Jedes Kind soll schwimmen lernen – aber wo? TOP 21: Schwimmstätten in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4017, 20/4417)•400 m Schwimmen in höchstens 15 Minuten, davon 50 m kraulen, 150 m Brust und 200 m Rücken •300 m Schwimmen in Kleidung in höchstens 12 Minuten, anschließend im Wasser entkleiden •Ein Sprung aus 3 m Höhe •25 m Streckentauchen •dreimal Tieftauchen 3-5 m, zweimal kopfwärts und einmal fußwärts innerhalb von 3 Minuten, mit dreimaligem Heraufholen eines 5 kg Tauchrings •50 m Transportschwimmen in 1:30 Minuten •Befreiung aus Klammergriffen im Wasser •50 m Schleppen in höchstens 4 Minuten, beide Partner in Kleidung, •Einsatz eines Rettungsgerätes •kombinierte Übung, die eine Rettung symbolisiert, inkl. 3 Minuten Herz-Lungen- Wiederbelebung und dazu noch eine große Theorieprüfung.Das alles müssen wir Rettungsschwimmer alle zwei Jahre machen, um das Abzeichen „Rettungsschwimmer Silber“ zu erhalten, das man braucht, um als Rettungsschwimmer eingesetzt zu werden. Im letzten Jahr haben allein die DLRG-Rettungsschwimmer 1.154 Menschen das Leben gerettet. Ihnen und den vielen weiteren Rettungsschwimmer*innen, z.B. von der DRK- Wasserwacht, gebührt unser großer Dank. Und sie sind nicht nur für das Retten zuständig, an vielen Stellen bilden die Ehrenamtlichen auch im Schwimmen aus. Insgesamt sind 2025 in Deutschland rund 150.000 Schwimmabzeichen ausgegeben worden. Davon über 50.000 Seepferdchen und 45.000 Bronzeabzeichen – also genau die Abzeichen, die zum Schwimmen befähigen. 1 Wenn wir uns vor Augen führen, was das Ehrenamt in so einem essenziellen Bereich leistet, dann ist das schon ein krasser Mehrwert für unsere Gesellschaft. Wir stellen also fest, das Ehrenamt erfüllt ihren Teil im Bereich Schwimmen. Ich finde, das verpflichtet uns umso mehr, unseren Teil als Politik genauso zu tun. Und wie Sie wissen, sehen wir als SPD da noch erheblichen Nachholbedarf.Auch in Schleswig-Holstein gibt es ein Sterben von Schwimmstätten, denn Sanierung und Neubau sind teuer und für die Träger oft nicht allein zu stemmen. Dazu kommen hohe Betriebskosten, die durch die steigenden Energiepreise nochmal dramatischer zu Buche schlagen. Eine energetische Sanierung würde viele Kommunen bei den Betriebskosten entlasten, aber auch das muss erstmal bezahlt werden. Unterm Strich: Wer sich kommunalpolitisch mit Schwimmstätten beschäftigt, weiß, dass diese fast nie wirtschaftlich sind. Schwimmstätten sind aber essenziell, wenn wir wollen, dass unsere Kinder schwimmen lernen. Wenn wir wollen, dass Reha-Sport im Wasser durchgeführt werden kann. Wenn wir wollen, so wie Kanzler Merz es sagt, dass wir wieder mehr olympische Medaillen nach Deutschland holen wollen. In Schleswig-Holstein haben wir im Rahmen des Zukunftsplan Sportland Schleswig- Holstein umfassende Vorhaben im Bereich Schwimmen entwickelt. Da widmen wir uns dem Schwimmbereich sogar mit einem eigenen Kapitel. Dieser Plan ist vor meiner Zeit im Parlament entwickelt worden, deswegen reibe ich mir schon manchmal die Augen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit hier auseinandergehen. Ich bekomme das Gefühl, dass dieser Plan recht weit unten in der Schublade des Ministeriums liegt, deshalb zitiere ich mit Erlaubnis der Präsidentin einmal zur Erinnerung aus diesem Papier: „Das Erlernen von Schwimmfähigkeiten, egal in welchem Alter, setzt erreichbare und geeignete Schwimmsportstätten voraus, die im Idealfall ganzjährig nutzbar sind. […] Jeder Bewohnerin und jedem Bewohner Schleswig-Holsteins muss in einer zumutbaren Entfernung eine ganzjährig nutzbare und geeignete Schwimmsportstätte zur Verfügung stehen, um Schwimmen erlernen zu können.“ Und weiter „Durch eine gezielte Förderung durch die öffentliche Hand und / oder durch Dritte müssen Investitionsmaßnahmen vor allem in Gebieten mit einer Unterversorgung an ganzjährig nutzbaren Schwimmsportstätten unterstützt werden.“Als SPD-Fraktion haben wir letztes Jahr einen Antrag gestellt, in dem wir eine umfangreiche Bestandsanalyse im Land über den Zustand unserer Schwimmstätten gefordert haben, um sehen zu können, wo in Zukunft als erstes Geld fließen muss. Die DLRG unterstützt das Vorhaben nach einer zielgerichteten Förderung von Schwimmstätten ausdrücklich und hat das auf ihrem letzten parlamentarischen Abend auch nochmal klargemacht. Also, zurück zum Antrag: Wir haben das Thema einstimmig in den Ausschuss überwiesen, nur damit es dort in der ersten Sitzung von der Koalition abgesägt wird. Nicht mal eine Anhörung wollten Sie machen, weil Sie Sorgen hatten, dass dadurch Begehrlichkeiten in 2 den Kommunen geweckt werden würden. Und das ist, glaube ich, dann auch das Eingeständnis, dass Sie ganz genau wissen, dass das Lagebild kritisch ist. Alle hatten dieses Einsehen, außer der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Herr Balasus. Der verkündete im Ausschuss, es habe in den letzten 10 Jahren keine nennenswerten Schließungen im Land gegeben. Lieber Herr Balasus, erklären Sie das bitte den Menschen beim Freibad Flensburg-Weiche, dem Sportland Flensburg, dem Bad in Aventoft, dem in Dagebüll, Laboe usw. – alles Bäder, die schließen mussten.So, nachdem nun die Erhebung abgelehnt worden ist, haben wir sie kurzerhand selbst angestoßen, und zwar mit unserer Großen Anfrage zu Schwimmstätten in Schleswig- Holstein. Und als erstes muss ich sagen, dass das Ergebnis uns als Parlament in keinster Weise zufrieden stimmen kann. Die Daten sind dramatisch – dazu komme ich gleich – aber vor allem sind sie viel zu wenig. Sie schreiben es in Ihrer Antwort ja selbst: Sie haben in den drei Monaten Beantwortungszeit einfach eine Abfrage bei den Kommunen gemacht und die Antworten dann „copy-paste“ in die Große Anfrage gekippt. Keine eigene Erhebung. Keine Nachfragen bei den Kommunen, die nichts eingeliefert haben – einfach eine unvollständige Zusammenfassung. 34 Verwaltungseinheiten haben Ihnen geantwortet. Zu dem Rest schweigen Sie. Damit kann man nicht arbeiten! Und weil Sie ja gleich sagen werden, dass Sie die FAG-Abfrage Ende des Jahres machen – Sie konnten uns auf Frage 1 noch nicht mal beantworten, wie viele Bäder es in Ihrem eigenen Bundesland zurzeit gibt! Wie soll man denn da eine vernünftige Sportstättenförderung implementieren? Zum Vergleich: Im Jahr 2016 stellte die damalige CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier eine Große Anfrage zur Situation und Förderung des Schwimmsports in Schleswig-Holstein. Damals wurde das Innenministerium von Stefan Studt (SPD) geleitet. Mit den Fragen rund um die Infrastruktur und das dazugehörigen Zahlenwerk wurde dann das Statistikamt Nord beauftragt. Zusätzlich wurden unter Beteiligung der Kommunalen Landesverbände die 4 kreisfreien Städte, 83 Ämter, 88 amtsfreie Gemeinden und 12 private Betreiber um eine freiwillige Beteiligung an der Erhebung gebeten. Die Rücklaufquote lag bei 99,3 Prozent. Das zeigt ganz gut, wie wir mit der Beantwortung von solchen Anfragen umgehen und wie Sie es tun. Im Jahr 2017 gab es in SH laut Antwort auf die damalige Anfrage der CDU 293 Schwimmstätten. Wie viele es heute gibt, weiß die Landesregierung nicht. Die jährlich gemeldeten Wasserflächen für das FAG belaufen sich auf 168 Schwimmstätten, die Sportstättenerhebung von 2019 nennt 113 Schwimmstätten. Wie viel haben wir heute? Keine Ahnung. Noch weniger weiß die Landesregierung, wie der bauliche und energetische Sanierungsbedarf der bestehenden Anlagen ist. Diese Übersicht wäre jedoch Voraussetzung für eine effektive Förderung und sinnvolle Verteilung der Fördermittel. Die aktuellen FAG-Mittel und die 25 Schwimmbad-Millionen aus dem Sondervermögen reichen nicht ansatzweise aus, um die Kommunen bei der Begegnung des bestehenden 3 Sanierungs- und Neubaubedarfs zu unterstützen. Die Große Anfrage zeigt, dass alleine bei den 82 eingegangenen Schwimmstätten ein mittlerer dreistelliger Millionenbedarf für Sanierung und Neubau besteht. Zusätzlich zur baulichen Sanierung kommt der elementare Punkt der energetischen Sanierung der Schwimmstätten. Die große Mehrheit der Schwimmstätten in SH werden durch fossile Brennstoffe beheizt, die aufgrund der steigenden CO2-Bepreisung deutlich höhere Betriebsausgaben haben. Ohne erhebliche Unterstützung durch Land und Bund werden gerade die Anlagen, die sich ohnehin in einem gefährdeten Zustand befinden, dauerhaft nicht mehr finanziert werden können. Hierfür bedarf es einer Perspektive. Aus meiner Sicht verschließt die Landesregierung ihre Augen vor einem offensichtlichen Problem: dem Bädersterben. Wer nicht einmal weiß, wie es um die Schwimmstätten- Landschaft bestellt ist, kann nicht gezielt dort unterstützen, wo Fördermittel am dringendsten benötigt werden. Die Ergebnisse der Großen Anfrage weisen darauf hin, dass es einen Milliardenbetrag bräuchte, um alle Schwimmstätten im Land baulich wie energetisch zu sanieren, damit ein langfristiger Betrieb durch die Kommunen finanziell gewährleistet werden kann.Für uns als SPD-Fraktion ist deshalb klar: 1. Die Landesregierung muss ein Schwimmstätten-Kataster einrichten, um eine Übersicht über aktuelle und zukünftige „weiße Flecken“ in der Versorgung zu erlangen. 2. Die Landesregierung muss einen Pfad skizzieren, wie die Schleswig-Holsteinischen Schwimmstätten saniert werden sollen. 3. Das Ziel muss weiterhin bleiben: Jedes Kind in Schleswig-Holstein muss Schwimmen lernen können. Wir bekräftigen das hier zwar immer wieder alle miteinander, aber das Regierungshandeln muss auch dazu passen, und das tut es derzeit nicht. 4