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18.06.26 , 12:19 Uhr
FDP

Annabell Krämer zu TOP 21 "Schwimmstätten in Schleswig-Holstein"

18.06.2026 | Sport
Annabell Krämer zu TOP 21 "Schwimmstätten in Schleswig- Holstein" In ihrer Rede zu TOP 21 (Schwimmstätten in Schleswig-Holstein) erklärt die stellvertretende Vorsitzende und sportpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Annabell Krämer:
„Es ist erschreckend: Die Landesregierung verfügt 2026 über keine belastbare aktuelle Übersicht über die Schwimmbäder im Land. Auf Seite fünf räumt sie selbst ein, dass die Datenlage ‚nicht auskömmlich‘ ist und aktualisiert werden muss. Grundlage sind noch Erhebungen aus 2016 und 2019. Wie heißt es doch auf Seite sechs: ‚Insgesamt wurden nur 82 Schwimmstätten erfasst, darunter 25 Hallenbäder und 19 Lehrschwimmbecken. Von den 19 Lehrschwimmbecken sind lediglich 6 öffentlich zugänglich, 13 dagegen nur eingeschränkt oder gar nicht.‘
Wie kann es sein, dass nur von 82 Schwimmstätten eine Rückmeldung eingeholt wurde? Gemäß der Drucksachen 20/960, 20/2669 und 20/2279 haben im Jahr 2022 172 Schwimmstätten die Förderkriterien des FAGs erfüllt, im Jahr 2023 waren es 166 und im Jahr 2024 169. Wo sind die Antworten von über 50 Prozent der Schwimmstätten? Warum hat das Land nicht nachgefasst? Auf Seite 18 der Großen Anfrage erfahren wir, dass viele Hallen- und Freibäder aus den 1960er bis 1980er Jahren stammen. Größere Investitionen ab 250.000 Euro wurden aber nur in etwa 40 bis 50 Prozent der Einrichtungen umgesetzt. Insofern weisen mehrere Schwimmstätten sehr hohe Sanierungsbedarfe auf:
Pinneberg ca. 33 Mio. Euro, Reinbek ca. 15-18 Millionen Euro, inklusive energetischer Sanierung, Glückstadt ca. 11 Mio. Euro und Wyk auf Föhr ca. 96 Mio. Euro für einen Neubau (Fundstellen: S. 39–41).
Die Landesregierung erkennt selbst an, dass sie den Zustand und die künftige Erhaltungswürdigkeit der Schwimmsportstätten nicht datenbasiert bewerten kann. In der Antwort auf Seite 67 heißt es ausdrücklich, eine datenbasierte Antwort sei mangels umfänglich vorhandener Daten nicht möglich. Warum wurden die Daten nicht eingefordert? Warum wurde die Große Anfrage nicht ernst genommen? Es wird der Eindruck erweckt, die Landesregierung hat Angst vor dem Erkenntnisgewinn eines desolaten Zustands.
Zumindest rudimentär erfahren wir diese desolaten Zustände: Auf Seite 25 erfahren wir, dass seit 2016 bereits mehrere Schwimmstätten dauerhaft geschlossen wurden – unter anderem in Kiel, Südtondern und Flensburg. Beim Freibad Weiche in Flensburg wurden starke bauliche Mängel und nicht mehr einhaltbare Hygieneanforderungen genannt. Weitere Schwimmstätten sind konkret von dauerhafter Schließung bedroht, darunter Brunsbüttel, Enge-Sande, Erlebnisbad Leck, Schwimmhalle Augustinum in Mölln, Freizeitbad Reinbek, Glückstadt und Aquaföhr/Wyk auf Föhr. Die Gründe hierfür sind unter anderem Sanierungsbedarf, Finanzierung, Gebäudetechnik, Brandschutz und Gesundheitsauflagen. In mehreren Schwimmstätten ist der Betrieb bereits eingeschränkt. In Brokstedt ist wegen Sanierungsstaus fraglich, ob 2026 überhaupt Badebetrieb stattfindet. In Büdelsdorf ist der Betrieb wegen unbesetzter Stellen nicht im vorgesehenen Umfang möglich. 
Die Barrierefreiheit ist vielerorts nicht gewährleistet. Genannt werden unter anderem das Freibad Brunsbüttel, Bargteheide, Süderbrarup, mehrere Bäder im Amt Kellinghusen, Wentorf und das Amt Langballig. Beim Schulschwimmen gibt es erhebliche Einschränkungen. Im Schuljahr 2023/24 meldeten 61 Schulen Einschränkungen oder vollständigen Ausfall. Im Schuljahr 2024/25 waren es 56 Schulen, davon 43 mit komplett eingestelltem Angebot. Das bedeutet, in fast 75 Prozent der Schwimmstätten gab es im Schuljahr 2023/24 Einschränkungen, im Schuljahr 2024/25 gab es in 68 Prozent Einschränkungen und in über 50 Prozent wurde das Angebot für Schulschwimmen komplett eingestellt. Verharmlosend wird dies von der Landesregierung als ‚weiße Flecken‘ bei der Schwimmausbildung zugestanden.
Das Neubauprogramm Schwimmsportstätten umfasst 25 Millionen Euro, während einzelne kommunale Projekte bereits zweistellige Millionenbeträge benötigen. Ich bleibe dabei: Schwimmen ist keine Nebensache, sondern eine elementare Lebenskompetenz. Schwimmen zu lernen und es sicher zu beherrschen, sollte für jedes Kind möglich sein. Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Dass jedes zweite Kind in der vierten Klasse nicht schwimmen kann, ist eine skandalöse Nachricht! Das Bädersterben wird dazu führen, dass noch weniger Kinder schwimmen lernen.
Schwimmen muss endlich fester Bestandteil des Sportunterrichts werden. Das Erreichen der 100- prozentigen-Schwimmfähigkeit ist kein FDP-Fetisch, sondern muss unser aller Ziel sein. Schwimmbäder als Orte für Unterricht, Freizeit, Vereinssport sowie sozialer Teilhabe müssen erhalten bleiben. Seit Jahren fordere ich, die Mittel im Vorwegabzug gemäß § 24 FAG in Höhe von 7,5 Millionen Euro endlich aufzustocken. Es darf nicht sein, dass wir noch eine einzige Schwimmstätte verlieren, weil sich die Kommune die Betriebskosten nicht mehr leisten kann.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort. Annabell Krämer Sprecherin für Finanzen, Haushalt, Sport, Tierschutz, Tourismus, Frauen, Gleichstellung


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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