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Birte Pauls zu Top 50: Missunde III: Teuer, verspätet, unzuverlässig
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 19.Juni 2026Birte Pauls Missunde III: Teuer, verspätet, unzuverlässig TOP 50: Sicherstellung der Fährverbindung Missunde durch strategische Neuaus-richtung (Drs. 20/4521)Eine moderne, solarbetriebene Fähre für 2,5 Millionen Euro als Ersatz für die gealterte „Missunde II“ Klang super – dort hört es auf. Mit zweijähriger Verspätung und 1,4 Millionen Euro Mehrkosten kam ein überdimensionierter Koloss an der schmalsten Stelle der Schlei an. Gesamtkosten bis dato: 3,9 Millionen Euro. Dreimal so lang, und wir hätten eine Brücke gehabt, was angesichts der Situation an der Lindaunisbrücke eine echte Alternative gewesen wäre. Wer vergaß, dem Konstruktionsbüro zu sagen, dass an der Schlei Wind weht und an der engsten Stelle Strömung herrscht? Deshalb musste das Ding sofort wieder in die Werft. Für weitere 1,3 Millionen Euro wurden vier Querstrahlruder und extra Batterien nachgerüstet. Kosten bis dato: 5,2 Millionen Euro. Zwischenzeitlich musste die Landesregierung die alte „Missunde II“, die sie vorher für 17.000 Euro verscherbelt hatte, für über 100.000 Euro zurückkaufen und reaktivieren! Ostern sollte die Fähre den Betrieb aufnehmen. Mit vier Wochen Verspätung, ausgestattet mit einem vorläufigen Fährzeugnis, einer langen Mängelliste und Einschränkungen nahm sie am 29. April den Betrieb auf. Einen Plan B bräuchte es laut Staatssekretärin Henke auf meine Nachfrage im Ausschuss nicht. mDie Fähre würde fahren. Da fragt man sich, wozu die Missunde II noch im Eigentum des Landes ist. Ist sie nun eine Rückversicherung oder nicht? Das widerspricht sich. Keine vier Wochen später zu Pfingsten, bei bestem Ausflugswetter und einer Region voller Gäste, kam die nächste Hiobsbotschaft: Die Antriebsriemen hatten sich verabschiedet. Totalausfall mitten im Saisongeschäft. 1 Die anliegenden Gastronomen verzeichneten massive Umsatzeinbußen. Die Marina hatte weniger Kunden. Die Touristen, die wegen der gesperrten Lindaunisbrücke ohnehin im Kreis fahren, standen frustriert am Ufer und mussten weite Umwege in Kauf nehmen. Kosten bis dato: 6,5 Millionen Euro. Das ist kein Märchen, das ist Realsatire und hat es in das Schwarzbuch des Bund der Steuerzahler geschafft. Das Satire-Magazin Extra Drei und Mario Barth berichteten ebenso wie die überregionale Presse. Über die plötzliche Berühmtheit konnte sich vor Ort niemand freuen. Die Einschränkungen für die Menschen sind erheblich: Keine Verlässlichkeit und monatelange Umwege von 40 Kilometern waren neben dem Einnahmeausfall für den Pächter und anliegende Betriebe die teuren Folgen. Gleichzeitig wurde uns im Ausschuss von Minister Madsen erklärt, dass Umbaumaßnahmen, um die Missunde II wieder fahren zu lassen, Monate dauern würden. Die Experten vor Ort, die die alte Fähre kennen, sprechen von nur 14 Tagen. Die wären, hätte man seit dem Ausfall Pfingstsonntag pragmatisch gehandelt, vorbei. Übrigens: Ob die Wirtschaftlichkeit der Missunde III jemals richtig berechnet wurde, wissen wir nicht. Weil die Riesen-Solarfähre so schwer zu bändigen ist, braucht sie aus Sicherheitsgründen zwei Fährleute statt wie früher einen. Zudem braucht die Fähre doppelt so lange, um die Schlei zu überqueren. Kein Wunder, dass der Pächter in dritter Generation, Rüdiger Jöns, ankündigt: „Unter diesen Bedingungen rechnet sich das wirtschaftliche Risiko für mich nicht mehr.“ Übrigens, als wir das Thema der Missunde zuletzt im Ausschuss hatten, wurde noch groß verkündet, der Wirtschaftsminister wird diese Woche einen Vororttermin gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten durchführen. Denn der Ministerpräsident, immerhin auch Wahlkreisabgeordneter auf der Schwansener Seite der Schlei, hat sich bisher nicht vor Ort blicken lassen. Dass er auch dieses Mal entgegen der ursprünglichen Ankündigung nicht da war, ist keine gute Nachricht für die Region. Denn wenn ich eines aus den letzten Jahren gelernt habe: Nur wenn es zu 100% gute Nachrichten und nette Bilder gibt, lässt sich der MP blicken. Für mich steht daher zu befürchten: Der nächste Ausfall der Fähre steht wohl bevor. Die Kommunikation vor Ort miserabel, die Planung nicht gut genug, das bisherige Krisenmanagement fehlerhaft – all das führte nun zu Brandbriefen der regionalen Bürgermeister und der angekündigten Sammelklage. Und dann wundern wir uns, dass irgendwann die Rechten, so wie am Sonntag, auftauchen und das als Politikversagen deklarieren und für sich instrumentalisieren. Herr Minister Madsen Schluss mit der Dauer-Improvisation auf dem Rücken der Region. Machen Sie sich ehrlich! Wenn das Ding nicht demnächst vollbelastbar und verlässlich fährt, müssen Sie das Ruder herumreißen. 2