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27.08.26 , 11:11 Uhr
B 90/Grüne

Jasper Balke zum Hitzeschutz

Presseinformation Nr. 26.247 27.08.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 43 – Hitzeschutz aktiv gestalten – Bevölkerung schützen Dazu sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke:
Hitzeschutz rettet Leben Sehr geehrte Frau Präsidentin,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit ist, weiß die Weltgesundheitsorganisation schon seit mehreren Jahren. Und obwohl manche auch heute noch der Meinung sind, man hätte den Schutz vor dieser Bedrohung in den vergangenen Jahren überbetont, zeigt uns dieser Sommer doch einen Teil ihres Ausmaßes ziemlich eindrücklich.
Wir erleben Hitzeperioden und Temperaturen in einem Ausmaß, das wir so bisher nicht kannten. Und im Zusammenhang mit diesen Hitzeperioden sprechen wir in Deutschland laut RKI von 14.500 Menschen, die an Hitzefolgen gestorben sind. Denn Hitze ist eben nicht nur unangenehm. Extreme Hitze macht krank und Hitze tötet. Sie belastet unser Herz-Kreislauf-System, erhöht das Risiko für Nierenversagen, verschärft bestehende Erkrankungen und erhöht die Sterblichkeit, und sie trifft auch eben nicht alle Menschen gleich. Und das können wir auch schön beobachten, denn in jeder Hitzeperiode erleben auch wir in Deutschland einzelne Politiker*innen, Parteien und Medienhäuser, die bei 37 Grad emsig Nachforschungen betreiben, ob es solche Temperaturen oder gar Dürren auch schon einmal in den 1950er Jahren gegeben haben könnte. Das zeigt natürlich nicht nur, wie wenig Verständnis für komplexere klimatische Zusammenhänge dort vorhanden ist, sondern auch, wie privilegiert diese Blase sein muss.
Denn wer in einer aufgeheizten Dachgeschosswohnung sitzt und nicht auf ein klimatisiertes Haus oder gar einen Arbeitsort ausweichen kann, wer körperliche Arbeit bei extremer Hitze und Sonneneinstrahlung verrichten, wer als Eltern Sorge um den Säugling hat oder wer bei 35 Grad in einem Krankenhaus Patient*innen pflegen und therapieren muss, den interessiert nicht, ob es irgendwann früher vielleicht auch mal heiß war. Diese Personen realisieren die neue Lebensrealität und wünschen sich konkrete, aber auch politische Antworten für ihre jetzige Lebenssituation. Und genau um diese Menschen, vulnerable Gruppen und solche, die nicht genug Geld haben, um sich in Hitzeperioden Kälte einfach zu kaufen, muss es uns politisch doch gehen, und deshalb haben wir diese als Landtag bereits in unseren vergangenen Beschlüssen besonders in den Blick genommen und auch die Landesregierung in ganz konkreten Maßnahmen berücksichtigt: Mit unserer Klimaanpassungsstrategie betrachten wir die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels ressortübergreifend. Wir verbessern Information und Warnung, unterstützen Kommunen und Einrichtungen beim Hitzeschutz. Die Landesregierung erarbeitet im Rahmen der Städtebauförderung Maßnahmen wie „Grün- und Belüftungstrassen, Schattenplätze, Flächen- und Dachbegrünung“, die dem Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung dienen.
Wir wollen Klimaanpassung stärker in der Krankenhausplanung verankern und entwickeln im Rahmen von BeyondExpediency unser neues Standardraumprogramm gemeinsam mit der TH Lübeck für die Krankenhausinfrastruktur der Zukunft, in der Resilienz, Nachhaltigkeit und Hitzeschutz mitgedacht werden. Wir wollen Hitzeschutzmaßnahmen für Soziale Einrichtungen über die Richtlinie über das Sondervermögen aus dem Sozialministerium fördern, Pflegeeinrichtungen weiterhin unterstützen und über den Hitze-Service Personal schulen und beraten.
Und wir müssen darüber reden, wie wir gerade vulnerable Menschen in Dachgeschosswohnungen und älterem Gebäudebestand besser auch mit Fördermaßnahmen schützen können. Denn eines ist klar: Dieser Sommer ist für uns außergewöhnlich heiß. Für junge Menschen und für Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, wird er aber vermutlich einer der kühlsten Sommer ihres Lebens gewesen sein. Und darauf müssen wir uns vorbereiten und gleichzeitig anerkennen, dass Klimaschutz die kostengünstigste Maßnahme ist, um diese radikale Verschärfung an Gesundheitsrisiken und übrigens auch volkswirtschaftlichen Schaden in Form von hitze- und gesundheitsbedingten Produktivitätsverlusten wenigstens abzumindern.
In anderen Ländern mit ähnlichen Sommern ist längst klar, dass bei extremer Trockenheit nicht jeder Rasen grün bleiben kann. Dass körperlich schwere Arbeit in der größten Mittagshitze angepasst werden muss, dass Städte Schatten brauchen und Wasser speichern müssen und sich das tägliche Leben in den späten Abend verlagern wird. Wir alle müssen Klimaanpassung deshalb nicht nur in Form von Förderrichtlinien oder Meldeketten verstehen, sondern vor allem auch als Gesellschaft eine Anpassung an diese für uns neue Lebensrealität vornehmen.
Denn dass der menschengemachte Klimawandel längst zum klimagemachten Menschenwandel geworden ist, das muss eine Gesellschaft auch erst einmal in seiner ganzen Tragweite begreifen.
In Schleswig-Holstein sollte uns dieses Bewusstsein deshalb weiterhin leiten.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
*** Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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