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Kianusch Stender zu Top 20: Nicht abtauchen beim Schwimmunterricht!
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 27.August 2026Kianusch Stender Nicht abtauchen beim Schwimmunterricht! TOP 20: Schwimmunterricht an Schulen in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4038, 20/4459)Ich war heute morgen vor der Plenarsitzung im Hörnbad schwimmen und hab darauf herumgedacht, wie ich die Rede heute wohl beginnen könnte. Im Kopf hatte ich natürlich die gravierende Zahl, dass mehr als jedes vierte Kind nach der 6. Klasse immer noch nicht schwimmen kann. Oder dass die Landesregierung erneut, wie schon bei unserer Großen Anfrage zu Schwimmstätten in SH, zugeben musste, dass sie an viele Orten im eigenen Land gar keinen Überblick und keine Daten hat. Ich habe mich aber am Ende entschlossen, anders zu beginnen, und zwar mit einem Zitat. Ich habe mich vorhin im Hörnbad noch mit Bjarne unterhalten. Bjarne ist Fachkraft für Bäderbetriebe und absoluter Experte, wenn es um dieses Thema geht. In Kiel sind es unter 70% der Siebtklässler, die sicher schwimmen können. Und Bjarne meinte zu mir, dass er das Gefühl bekommt, schwimmen wird zu einem Luxusgut. Immer mehr Schwimmstätten werden geschlossen, immer weniger Kinder können sicher schwimmen. Und am Nachmittag sieht er immer weniger Kinder-Freundesgruppen, die zusammen im Wasser spielen. Und er hat uns heute einen klaren Wunsch mitgegeben: Wir sollen diesen Trend aufhalten! Frau Ministerin, die Zahl ist wirklich dramatisch und ich habe in Ihrer Rede den klaren Fahrplan vermisst, wie Sie die Lage ernsthaft verändern wollen. „Jedes Kind in Schleswig- Holstein muss schwimmen können“ höre ich von der CDU in letzter Zeit nicht mehr so laut. Ich hoffe, wir sind hier im Haus immer noch alle auf derselben Linie. Wenn dem aber so ist, müssen Sie mehr tun. Mehr als jedes vierte Kind kann nicht schwimmen. Das ist ein unhaltbarer Zustand! Als Sozialdemokrat sehe ich in den Antworten auf die Große Anfrage auch einen weiteren sozialen Aspekt: An den Gymnasien können 11,8% nach Klasse sechs nicht sicher schwimmen, an den Gemeinschaftsschulen sind es 37,3%, also fast 4 von 10 Kindern. Wie Sie wissen, haben Gemeinschaftsschulen in SH einen höheren Sozialindex. Die Schüler*innen kommen also öfter aus Haushalten mit weniger Geld. Und dieser Befund wird auch gestützt durch eine forsa-Umfrage aus 2022, die die DLRG in Auftrag gegeben 1 hat. Darin heißt es – Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: „Die Hälfte (49%) der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro kann nicht schwimmen. Hingegen sind es bei einem Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 Euro nur zwölf Prozent." Hier wäre dann spätestens der Hinweis für Sie, Frau Ministerin, wo Sie dringend ansetzen müssen: Jede Gemeinschaftsschule muss die personellen und infrastrukturellen Kapazitäten haben, Ihre Schüler*innen ausreichend zu beschulen. Wenn Schwimmen eine „Voraussetzung für sichere Teilhabe“ ist, so wie Sie es in ihrer Antwort schreiben, darf die Frage, ob ein Kind sicher schwimmen kann, nicht so stark mit seiner Schulart und damit mittelbar mit seinem sozialen Hintergrund zusammenhängen! Und jetzt wird es absurd: Die Landesregierung weiß nicht: • wie viele Schwimmstunden tatsächlich erteilt werden • wie viele Schüler*innen tatsächlich teilnehmen • wie viele Schwimmstunden ausfallen • welche Regionen besonders vom Ausfall betroffen sind • welche Schulen ausgefallenen Unterricht nicht nachholen konnten • welche Schwimmbäder tatsächlich für wie viele Unterrichtsstunden genutzt werden Die Landesregierung kann uns sagen, dass mehr als jedes vierte Kind am Ende der sechsten Klasse nicht sicher schwimmen kann. Wie bitte schön soll man dann aber das Problem lösen, das man nicht einmal vernünftig erfasst? Und wäre das alles nicht schlimm genug, wenden Sie hier eine Strategie an, die ich schon vom Welcome-Center kenne: Da wo es nicht läuft, erheben Sie zukünftig keine Daten mehr. Die Landesregierung schreibt – zur Sicherheit gleich zweimal, auf Seite 3 und Seite 29: „Landesweite Datenerhebungen zur Durchführung des Schwimmunterrichts sind zukünftig nicht geplant.“ Das steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zur Problemlage. Man hat gerade festgestellt: • 27,2 % Nichtschwimmer*innen nach Klasse 6. • 37,3 % an Gemeinschaftsschulen. • Regional massive Unterschiede. • Dutzende Schulen ohne Schwimmunterricht.Und die Konsequenz lautet: Wir hören mit der landesweiten Erhebung auf. Dann gibt es auch keine schlechten zahlen mehr. Dieses Wegducken von Verantwortung lassen wir Ihnen aber nicht durchgehen, Frau Ministerin. Darauf können Sie sich verlassen! 2