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27.08.26 , 15:59 Uhr
FDP

Annabell Krämer zu TOP 24 "Entlastung des Ehrenamtes – Ehrenamtspauschale anheben"

27.08.2026 | Finanzen
Annabell Krämer zu TOP 24 "Entlastung des Ehrenamtes – Ehrenamtspauschale anheben" In ihrer Rede zu TOP 24 (Entlastung des Ehrenamtes – Ehrenamtspauschale anheben) erklärt die stellvertretende Vorsitzende und finanzpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Annabell Krämer:
„Über eine Million Bürgerinnen und Bürger engagieren ich in Schleswig-Holstein ehrenamtlich – in Sport und Kultur, Bildung und Erziehung, in sozialen Einrichtungen, im Gesundheitswesen, im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, in den Feuerwehren und in den Gemeinden vor Ort. Über die Bedeutung des Ehrenamtes herrscht in diesem Haus vermutlich große Einigkeit. Häufig wird betont, wie wichtig Vereine, Feuerwehren, Kulturinitiativen, soziale Einrichtungen oder die Jugendarbeit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind. Und das stimmt auch. Denn ohne die vielen Menschen, die freiwillig Verantwortung übernehmen, würde vieles in unserem Land schlicht nicht funktionieren. 
Aber zwischen den Sonntagsreden über das Ehrenamt und den tatsächlichen Rahmenbedingungen klafft inzwischen eine immer größere Lücke. Denn die Anforderungen an ehrenamtlich Tätige steigen seit Jahren kontinuierlich an. Wer heute Verantwortung in einem Verein oder Verband übernimmt, organisiert längst nicht mehr nur Veranstaltungen oder kümmert sich um das Vereinsleben. Datenschutzrechtliche Vorgaben müssen eingehalten werden. Fördermittel müssen beantragt und abgerechnet werden. Haftungsfragen müssen geklärt werden. Dokumentationspflichten müssen erfüllt werden. Und immer neue bürokratische Anforderungen kommen hinzu. Mit anderen Worten: Viele Ehrenamtliche übernehmen heute Aufgaben, die früher nicht notwendig waren. Sie investieren nicht nur Zeit, sondern tragen auch erhebliche Verantwortung.
Genau deshalb brauchen wir mehr als warme Worte. Wir brauchen konkrete Maßnahmen, die ehrenamtliches Engagement stärken und wertschätzen. Eine solche Maßnahme ist die Anhebung der Ehrenamtspauschale. Und ich möchte ausdrücklich betonen: Die Ehrenamtspauschale ist keine Bezahlung des Ehrenamtes. Niemand engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder in der Jugendarbeit, um Geld zu verdienen. Aber das Geld, das sie verdienen, müssen sie noch versteuern. Die Ehrenamtspauschale ist vielmehr ein steuerliches Anerkennungsinstrument. Anerkennung der Arbeit, die Menschen dort ehrenamtlich leisten. Anerkennung der Zeit, die sie investieren. Und eine Anerkennung auch der Aufwendungen, die sie durch das Ehrenamt haben.
Die letzte Anhebung der Ehrenamtspauschale war zwar richtig. Sie wird den tatsächlichen Belastungen vieler Ehrenamtlicher inzwischen aber nicht mehr gerecht. Denn auch Ehrenamtliche spüren die Folgen der Inflation. Fahrtkosten sind gestiegen. Kommunikations- und Sachkosten sind gestiegen. Und gleichzeitig nimmt der organisatorische Aufwand weiter zu. Die reale Entlastungswirkung der Ehrenamtspauschale ist dadurch deutlich gesunken.
Gleichzeitig stehen viele Vereine und Organisationen vor einem weiteren Problem. Es wird zunehmend schwieriger, Menschen für verantwortungsvolle Funktionen zu gewinnen. Vorstände, Kassenwarte, Jugendleiter oder andere Funktionsträger zu finden, wird vielerorts immer schwieriger. Wer Verantwortung übernimmt, übernimmt heute oft nicht nur eine ehrenamtliche Aufgabe. Er übernimmt auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen: Was können wir tun, um diejenigen zu unterstützen, die bereit sind, diese Verantwortung zu tragen? Eine höhere Ehrenamtspauschale allein wird dieses Problem nicht vollständig lösen. Aber sie kann ein wichtiges Signal sein. Ein Signal der Anerkennung. Ein Signal der Wertschätzung. Und ein Signal dafür, dass Politik die Herausforderungen des Ehrenamtes ernst nimmt. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für eine Anhebung der Ehrenamtspauschale auf mindestens 2.400 Euro jährlich einzusetzen. Das entspricht 200 Euro im Monat. Das wäre eine spürbare Verbesserung für viele Menschen, die sich Tag für Tag für andere einsetzen.
Wenn wir wollen, dass sich auch künftig Menschen engagieren, dann dürfen wir ihre Leistungen nicht nur loben. Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern. Wer die Bedeutung des Ehrenamts immer wieder betont, muss sich deshalb auch daran messen lassen, wie ernst die tatsächliche Entlastung der Engagierten genommen wird. 
Der SSW ergänzt unsere Forderung um einen sehr umfangreichen Forderungskatalog. Auch wenn wir die Forderungen grundsätzlich unterstützen, bleiben sie noch zu unkonkret. Wir haben unseren Antrag bewusst präzise gehalten: Wir wollen eine konkrete Verbesserung erreichen, die auch eine realistische Chance auf eine Mehrheit hat.
Die von der SPD vorgeschlagene Dynamisierung halte ich dagegen für sinnvoll. Sie ersetzt aus unserer Sicht aber nicht die notwendige Anhebung des Betrags. Lassen Sie daher gerne im Ausschuss über einen gemeinsamen Weg sprechen um das Ehrenamt tatsächlich zu stärken.
Ich bitte daher um Ausschussüberweisung.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort. Annabell Krämer Sprecherin für Finanzen, Haushalt, Sport, Tierschutz, Tourismus, Frauen, Gleichstellung


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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