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16.09.26 , 11:06 Uhr
FDP

Anne Riecke zu TOP 1 "Aktuelle Stunde 'PISA - Bildung braucht Priorität'"

16.09.2026 | Bildung
Anne Riecke zu TOP 1 "Aktuelle Stunde 'PISA - Bildung braucht Priorität'" In ihrer Rede zu TOP 1 (Aktuelle Stunde „PISA - Bildung braucht Priorität“) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:
„Die neuen PISA-Ergebnisse sind da. Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften – schlechter war Deutschland noch nie. Und was passiert? Es folgen Kommissionen, Ankündigungen, Maßnahmen. Und dann wird es wieder still. Nur für die Kinder wird es nicht still.
Besonders bemerkenswert finde ich deshalb die Aussage der Bundesbildungsministerin Karin Prien, Eltern würden Bildung offenbar nicht wichtig genug nehmen. Ich sage ganz ehrlich: Dafür schäme ich mich. Dass eine Bundesbildungsministerin in dieser Situation überhaupt auf die Idee kommt, Familien mangelndes Interesse an der Bildung ihrer Kinder vorzuwerfen, ist für mich schlicht unbegreiflich. Denn diese Eltern sitzen doch nicht untätig am Küchentisch und sagen: Bildung interessiert uns nicht. Sie versuchen, alles gleichzeitig zu schaffen. Und vielleicht ist das, was wir als mangelndes Interesse interpretieren, manchmal schlicht Resignation. Resignation vor einem System, das kompliziert und undurchsichtig ist. In dem Förderung oft erst kommt, wenn Probleme über Jahre dokumentiert, Gutachten erstellt und Zuständigkeiten geklärt sind. Bis die Hilfe kommt, hat das Kind längst wertvolle Lernzeit verloren.
Und wir wissen doch: Kinder starten nicht mit denselben Voraussetzungen ins Schulleben. Das eine Kind hat Bücher zu Hause, Eltern mit Zeit und Bildungswissen und vielleicht Nachhilfe. Das andere hat das nicht. PISA zeigt: Zwischen Kindern aus armen und wohlhabenden Familien liegen inzwischen ungefähr vier Schuljahre. Vier Schuljahre! Das ist kein individuelles Problem. Das ist ein strukturelles Problem. 
Und jetzt schauen wir nach Schleswig-Holstein. Der aktuelle Bildungsmonitor zeigt: Wir sind von Platz acht auf Platz neun zurückgefallen. Aber ich höre schon: ‚Wir machen doch so viel!‘ Ja. Das stimmt. Sie machen Programme, Strategien, Modellprojekte und Pressemitteilungen. Wenn man Pressemitteilungen in Bildungserfolg umrechnen könnte, wären wir vermutlich längst PISA- Weltmeister. Frau Prien war acht Jahre Bildungsministerin hier im Land. Frau Stenke war ihre Staatssekretärin und ist heute Ministerin. Der Wechsel wurde als ‚Stabilität und Kontinuität‘ verkauft. Ich sage: Das war kein Versprechen. Das war eine Warnung. Denn wenn Kontinuität bedeutet, dieselben Probleme mit denselben Rezepten weiterzubearbeiten, dann brauchen wir keine Kontinuität. Wir brauchen einen Kurswechsel.  Wir wollen, dass Menschen mehr arbeiten. Gleichzeitig erwarten wir von Familien, dass sie zu Hause noch einen Teil unseres Bildungssystems übernehmen. Das passt nicht zusammen. Und es ist nicht gerecht. Bildung darf nicht davon abhängen, was am heimischen Küchentisch möglich ist. Ein Kind kann sich nicht aussuchen, in welches Elternhaus es geboren wird. Aber wir als Politik können entscheiden, wie viel diese Herkunft über seine Zukunft bestimmt. Und wenn nach all den Jahren immer noch vier Schuljahre zwischen Arm und Reich liegen, dann ist das nicht das Versagen der Kinder. Dann ist es unser politischer Auftrag – und bisher leider auch unser politisches Versagen.
Deshalb brauchen wir weniger Selbstlob und mehr Wirkung. Nicht entscheidend ist, was wir ankündigen. Entscheidend ist, was beim Kind ankommt. Und deshalb sage ich: So wie bisher geht es nicht weiter.“  
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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