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16.09.26 , 12:01 Uhr
B 90/Grüne

Lasse Petersdotter zu den Ergebnissen der PISA-Studie

Presseinformation Nr. 26.275 16.09.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP Aktuelle Stunde – PISA-Studie Dazu sagt der Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Lasse Petersdotter:
PISA ist wichtig – aber PISA ist nicht alles Alle drei Jahre erleben wir wieder einen PISA-Schock. Die Ergebnisse werden breit diskutiert, gerade in Deutschland. Das ist nicht neu. Schon bei der ersten PISA-Studie 2001 waren wir schockiert – oft allerdings auch deshalb, weil wir Deutschland für besser gehalten haben, als es tatsächlich war. Auch das gehört zur Analyse.
Ich denke, wir müssen die aktuelle Debatte an einigen Stellen besser ins Verhältnis setzen. Erstens wird gesagt, es werde zu wenig Geld für Bildung ausgegeben. Das stimmt, weil man eigentlich nie genug Geld für Bildung ausgeben kann. Und nichtsdestotrotz zeigt die PISA-Studie auch: Geld allein löst das Problem nicht. Deutschland liegt bei den Ausgaben je Schüler*in auf Platz 12. Luxemburg liegt mit 28.000 Dollar je Schüler*in auf Platz 1, im Ranking aber deutlich hinter Deutschland. Das zeigt: Nicht jeder Euro führt sofort zu einer Verbesserung. Es kommt auch darauf an, wie das Geld ausgegeben wird.
Zweitens werden die PISA-Ergebnisse oft auf kurzfristige bildungspolitische Entscheidungen zurückgeführt. Das greift zu kurz. Wenn wir immer sagen, dass die gesamte Bildungsbiografie und die frühkindliche Bildung so wichtig sind, dann müssen wir auch das in Relation setzen. Die Schüler*innen, die bei PISA geprüft wurden, haben ganz unterschiedliche Regierungsphasen und Konstellationen erlebt – von der Krippe über die Kita bis in die weiterführende Schule. Wer aus den Ergebnissen schnelle parteipolitische Schuldzuweisungen ableitet, macht es sich zu einfach.
Drittens ist auch die Aussagekraft für Schleswig-Holstein begrenzt. An der PISA-Studie, über die wir jetzt diskutieren, sind 9 schleswig-holsteinische Schulen beteiligt gewesen. Neun. Und auch dort nur ein Bruchteil der jeweiligen Schüler*innen. Wir reden also über die Stichprobe einer Stichprobe. Das muss Teil der Diskussion sein, wenn wir versuchen wollen, aus den gesamtdeutschen Zahlen abzuleiten, wo Schleswig-Holstein ganz exakt steht. Nicht nur Deutschland erlebt gerade Herausforderungen. Viele Ergebnisse überraschen. Dass sich Großbritannien etwa so verbessert, hätten wenige erwartet. Gleichzeitig hat sich der komplette skandinavische Raum deutlich verschlechtert. Dänemark erlebt den größten Einbruch seiner PISA-Geschichte. Schweden hat die schlechtesten Ergebnisse seit Messbeginn. Finnland, lange Zeit das Vorzeigeland von PISA, fällt seit zehn Jahren beständig ab. Norwegen hat die zweitschlechteste Entwicklung aller Teilnehmerländer. Das zeigt: Wir erleben einen internationalen Trend, in dem Deutschland gar nicht so sehr hervorsticht, wie es teilweise diskutiert wird.
Trotzdem sind die Ergebnisse wichtig. Wir müssen darauf aufbauend Politik machen. Die Forschung zeigt uns deutliche Aufgaben auf: Kinder frühzeitig fördern, Basiskompetenzen stärken, Lernstände systematisch erfassen und Schulen in besonders sozial belasteten Regionen besonders unterstützen. Und in Schleswig- Holstein passiert einiges. Mit der Kita-Reform, mit EVi, mit Lernausgangslageerhebungen, mit dem Screening in der ersten Klasse, mit dem Leseband in Klasse 5 und 6, mit mehr Deutsch und Mathe in den Grundschulen, mit dem Ganztag und mit den Perspektivschulen haben wir wichtige Schritte unternommen.
Im Kern bleibt es für mich richtig, Schule so unabhängig vom Elternhaus zu machen, wie irgendwie möglich. Denn wenn Bildungsgerechtigkeit das ist, was passiert, wenn man unabhängig vom Elternhaus Erfolg haben kann, dann ist es natürlich nur logisch, auch die Schule möglichst unabhängig vom Elternhaus zu machen. Das stärkt Bildungsgerechtigkeit.
Und zugleich gilt: PISA ist eben auch nicht alles. Kreativität wird nicht getestet. Kunst und Kultur werden nicht getestet. Demokratiebildung wird nicht getestet. Es wird nicht getestet, wie Menschen Freude an anderen Fächern erleben. All das ist uns ebenfalls wichtig. Deswegen gilt für mich: PISA ist ein Anlass für eine breite bildungspolitische Debatte. Aber PISA ist nicht alles.
*** Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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