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Martin Habersaat zu Top14: Schleswig-Holstein braucht eine wirksame Strategie gegen Mobbing
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 16.September 2026Martin Habersaat Schleswig-Holstein braucht eine wirksame Strategie gegen Mobbing TOP 14: Schleswig-Holstein braucht eine wirksame Strategie gegen Mobbing an Schulen (Drs. 20/4706)Mobbing beginnt manchmal mit einem Satz. Mit einem Lachen. Mit einem Foto. Mit einer Nachricht in einer Klassengruppe. Und irgendwann beginnt ein Kind, morgens Angst vor der Schule zu haben. Spätestens dann ist Mobbing kein Konflikt unter Kindern mehr. Dann ist es eine Aufgabe für uns Erwachsene. Und genau deshalb müssen wir über Mobbing an unseren Schulen sprechen. Die Zahlen aus PISA sind alarmierend. 2023 gaben 21 Prozent der 15-Jährigen an, mindestens ein paar Mal im Monat Opfer von Mobbing zu sein. 2026 sind es 31 Prozent. Das ist fast jede oder jeder Dritte. Zehn Prozentpunkte mehr. Das können wir nicht einfach als eine weitere Zahl in einer Studie zur Kenntnis nehmen. Hinter jedem Prozentpunkt stehen Kinder und Jugendliche. Kinder, die Angst haben. Kinder, die sich zurückziehen. Kinder, die morgens nicht mehr zur Schule wollen. Und Kinder, die möglicherweise irgendwann glauben, dass mit ihnen selbst etwas nicht stimmt. Mobbing ist niemals die Schuld des Opfers. Und Mobbing ist auch kein ganz normaler Streit, den Kinder untereinander schon irgendwie regeln werden. Ein Streit kann zwischen zwei Menschen entstehen und wieder beendet werden. Mobbing funktioniert anders. Es geht um Ausgrenzung, wiederholte Angriffe und ein Machtungleichgewicht. Und durch Cybermobbing endet die Sache nicht mehr am Schultor. Ein Foto kann innerhalb von Sekunden die ganze Schule erreichen. Eine Nachricht kann nachts auf dem Handy auftauchen.Deshalb brauchen wir eine klare Antwort. Wir brauchen eine wirksame Strategie gegen Mobbing an Schulen in Schleswig-Holstein. Unser Antrag ist dabei ausdrücklich kein Vorwurf an die Schulen. Im Gegenteil. 1 An unseren Schulen leisten viele Menschen jeden Tag hervorragende Arbeit. Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Schulpsychologie, Beratungsstellen und viele weitere engagierte Menschen. Aber sie brauchen Unterstützung. Deshalb wollen wir erstens, dass das landesweite Handlungskonzept gegen Mobbing und Cybermobbing aktualisiert und dem Landtag vorgelegt wird. Wir müssen wissen: Was funktioniert? Wo gibt es Lücken? Und was brauchen Schulen heute, was sie vor einigen Jahren noch nicht gebraucht haben? Zweitens wollen wir landesweite Interventionsteams. Denn wenn an einer Schule ein schwerer Mobbingfall eskaliert, kann die Situation innerhalb kürzester Zeit sehr komplex werden. Dann brauchen Schulen nicht irgendwann Unterstützung. Sie brauchen sie dann, wenn der Fall passiert. Ein spezialisiertes Team könnte Schulen beraten, Strukturen aufbauen und bei schwierigen Fällen unterstützen – gerade dort, wo eigene Erfahrungen oder Ressourcen fehlen. Drittens müssen wir die Qualifizierung verbessern. Die Prävention, Erkennung und Intervention bei Mobbing muss verbindlicher Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften werden. Denn die entscheidende Frage ist häufig: Wird Mobbing überhaupt frühzeitig erkannt? Und wissen alle Beteiligten, was dann zu tun ist? Viertens brauchen Schulen Unterstützung bei Schutzkonzepten. Nicht jeder Konflikt lässt sich verhindern. Aber jede Schule sollte wissen, wie sie reagiert, wenn es passiert. Fünftens wollen wir die Zusammenarbeit von Schule, Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe verbessern. Denn Mobbing endet nicht an Zuständigkeitsgrenzen. Ein Kind, das in der Schule gemobbt wird, braucht manchmal gleichzeitig pädagogische Unterstützung, psychologische Hilfe und Unterstützung des Elternhauses. Da dürfen wir nicht sagen: „Dafür ist jemand anderes zuständig.“ Das Kind braucht Hilfe – und das gelingt nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten. Und sechstens wollen wir, dass Schleswig-Holstein sich in der Kultusministerkonferenz für einen bundesweit einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Rahmen für Schutzkonzepte einsetzt. Denn der Schutz eines Kindes vor Mobbing darf nicht davon abhängen, in welcher Schule und in welchem Bundesland es zur Schule geht.Wir müssen den betroffenen Kindern zeigen: Du bist nicht allein. Wir sehen dich. Wir nehmen dich ernst. Und vor allem muss für Schülerinnen und Schüler klar sein: Es gibt Erwachsene, die hinschauen. Es gibt Erwachsene, die zuhören. Und es gibt Erwachsene, die handeln. 2 3