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16.09.26 , 16:59 Uhr
FDP

Heiner Garg zu TOP 17 "Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerziehender initiieren"

16.09.2026 | Kita
Heiner Garg zu TOP 17 "Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerziehender initiieren" In seiner Rede zu TOP 17 (Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerziehender initiieren) erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer und kitapolitische Sprecher, Heiner Garg: 
„Eine Pflegekraft, gleichzeitig alleinerziehende Mutter. Frühdienst beginnt um 6 Uhr, die Kita öffnet um 7 Uhr. Sie hat einen Betreuungsplatz, sie hat einen Arbeitsplatz, sie will arbeiten, und trotzdem funktioniert es nicht. Nicht, weil sie nicht arbeiten will, sondern weil unsere Betreuungszeiten und ihre Arbeitszeiten einfach nicht zusammenpassen. Ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung hilft wenig, wenn die Betreuung dann geschlossen ist, wenn die Mutter zur Arbeit muss. Das ist kein Randproblem. Das betrifft etwa 101.000 Alleinerziehende in Schleswig- Holstein, also fast jede vierte Familie. 83 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Gerade bei ihnen, also bei den 83 Prozent Frauen, entscheidet Kinderbetreuung sehr unmittelbar über Erwerbstätigkeit, Einkommen, berufliche Entwicklung, wirtschaftliche Selbstständigkeit. Wir reden ständig über Fachkräftemangel. Gleichzeitig leisten wir uns ein Betreuungssystem, das Menschen daran hindert, ihre Fachkraft anzubieten.
Wir können nicht Pflege rund um die Uhr erwarten und Kinderbetreuung ausschließlich in Bürozeiten denken. Eines ist mir besonders wichtig bei beiden Anträgen, bei den Modellprojekten, die die SPD vorschlägt und beim Modell, das der SSW vorschlägt. Kinder brauchen Verlässlichkeit und feste Bezugspersonen. Betreuung darf nicht zum beliebig verfügbaren Rund-um-die-Uhr- Service werden. Angesichts des Fachkräftemangels wäre es absurd, jetzt einfach Kitas überall länger öffnen zu wollen. Deshalb finde ich den Gedanken, der in beiden Anträgen steckt, der ergänzende Betreuung, schlicht spannend. Nicht statt Kita, sondern genau dort, wo Kita und Ganztag zeitlich schlicht und ergreifend nicht reichen.
Ich glaube, wenn ich mir den SPD-Antrag ergänzend zum SSW-Modell anschaue, dann geht es um ergänzende Kindertagespflege, Betreuung im eigenen Haushalt, Hohl- und Bringdienste, gegebenenfalls besondere Öffnungsmodelle. Das dann anschließend evaluieren, was funktioniert, was ist bezahlbar und was lässt sich übertragen. Ein Punkt muss dabei immer glasklar sein, nämlich die Qualität. Ein Pool von Betreuungspersonen klingt zunächst klasse unkompliziert, ist es aber beim genauen Hinschauen nicht ganz so. Wer darf dort hinein? Mit welcher Qualifikation? Welche Zuverlässigkeitsprüfung ist erforderlich? Welche Aufsicht? Welche Vertretungsstruktur? Wer vermittelt und wer trägt die Verantwortung? Vor allem, wie gewährleisten wir das Kindeswohl? Und genau deshalb gefällt mir das Berliner MoKiS-Modell (Mobiler Kinderbetreuungsservice) in einem Punkt ganz besonders: nicht einfach nur Geld bereitstellen, sondern Vermittlungsstruktur, geprüfte Betreuungspersonen und Beratung wird dort zusammengedacht.
Es gibt den § 20 SGB VIII. Der ist wichtig, aber er ist aus meiner Sicht nicht die Lösung. Er definiert nämlich echte Notlagen. Dafür ist dieser § 20 SGB VIII. Ich will aber sehr deutlich sagen, die am Anfang erwähnte Pflegekraft mit Frühdienst ist kein Notfall, der Nachtdienst ist kein Notfall, die Wochenendarbeit ist kein Notfall. Das sind planbare Realitäten unserer Arbeitswelt. Genau dafür brauchen wir reguläre, verlässliche Lösungen. Eine Krankenschwester, die jeden zweiten Samstag Dienst hat, befindet sich nicht jeden zweiten Samstag in einem Notfall. Sie hat schlicht einen Dienstplan und braucht verlässliche Betreuungszeiten.
Die beste Familienpolitik gibt Familien nicht vor, wie sie leben sollen. Sie ermöglicht es ihnen, so zu leben, wie es zu ihrem Leben passt. Jetzt würde ich gern Schwarz-Grün an den eigenen Worten messen. In Ihrem Koalitionsvertrag steht: Betreuung soll sich an den jeweiligen Bedürfnissen der Kinder orientieren. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen verbessert werden. Aufsuchende Unterstützungsangebote sollen geprüft werden. Prima, Sie haben heute gleich zweimal die Gelegenheit, aus diesen Sätzen praktische Politik zu machen, und zwar nicht durch einen weiteren Prüfauftrag und auch nicht durch ein Konzeptpapier, sondern einfach durch Ausprobieren, Evaluieren und Lernen. Kollegin Hildebrand, der Hinweis z.B. für Berufstätige im ambulanten Pflegedienst auf eine Betriebskita hilft allerdings an dieser Stelle nicht weiter. Wir werden beiden Anträgen zustimmen.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Heiner Garg Sprecher für Soziales, Gesundheit, Familie, Kita, Jugend, Senioren, Sucht, Europa Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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