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Birte Pauls zu Top 23: Wer Angehörige pflegt, verdient unsere Unterstützung
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 17. September 2026Birte Pauls Wer Angehörige pflegt, verdient unsere Unterstützung TOP 23: Pflege und Beruf besser vereinbaren – pflegende Angehörige stärken (Drs.20/4772)In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Pflegebedürftigen von 2017 bis 2024 um rund 73 Prozent gestiegen, von etwa 105.000 auf über 180.000. Das ist nicht nur demographisch bedingt, sondern hat etwas mit der letzten Pflegereform zu tun. Mehr Menschen bekommen Leistungen aus der Pflegekasse. Nun kann man, wie aktuell in der Diskussion auf Bundesebene, sagen, wir erhöhen wieder die Zugänge zu den Leistungen. Dann sparen die Pflegekassen zwar an Ausgaben, aber der Unterstützungsbedarf der Menschen bleibt ja erhalten. Gerade der Zugang zum Pflegegrad 1, den wir hier ja schon ausführlich diskutiert haben, hätte erhebliche Auswirkungen auf diejenigen, die es eh schon sehr schwer haben z.B. im Bereich der Demenz. Sie hätten keinerlei Zugang zu entlastenden Leistungen mehr, es sei denn sie können es selber bezahlen. Wen meine ich? Die Pflegenden Angehörigen. In Schleswig-Holstein leisten über 200.000 An- und Zugehörige, aber auch Freunde, Nachbarn und Bekannte täglich Großartiges: Sie unterstützen, pflegen und begleiten einen pflegebedürftigen Menschen. Oft sind es die Ehepartnerinnen oder-partner die bis zur eigenen Erschöpfung rund um die Uhr zuständig sind. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinten an und das oft über Jahre. Ein Frisörbesuch, der Einkauf oder eine ärztliche Behandlung ist nur möglich, wenn jemand anderes die Versorgung übernehmen kann. Sie verdienen neben der selbstverständlichen Anerkennung und netten Sonntagsreden ein Sozialsystem, das sie tatsächlich unterstützt, das ihnen mit aufsuchendem Rat und Tat zur Seite steht. Was sie ganz und gar nicht brauchen, ist der augenblickliche Dschungel an Bürokratie. Der raubt ihnen noch die letzte Kraft, um das zu erhalten, was ihnen an Leistungen eigentlich zusteht. So werden viele Leistungen nicht abgerufen Pflegende Angehörige erfahren Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, jedenfalls wenn ein Pflegegrad anerkannt ist. 1 Und wie lange wir noch ausreichend Personal in den ambulanten Pflegediensten haben, wissen wir auch nicht. Das gesamte System würde zusammenbrechen, wenn die pflegenden Angehörigen ihre Arbeit einstellen würden. Der Sozialstaat wäre überhaupt nicht in der Lage all, die Menschen zu versorgen, die auf Hilfe angewiesen sind. Das unterscheidet uns übrigens maßgeblich von den skandinavischen Ländern, wo kaum ein Angehöriger seine berufliche Tätigkeit aufgibt oder reduziert, um die Eltern zu versorgen. Was ja auch wirtschaftlich gesehen eigentlich irre ist: Uns fehlen die Arbeitskräfte und die Frauen, meist sind es Frauen, reduzieren ihr ihre Arbeitszeit für die Pflege und damit ihr Einkommen, um später in die Altersarmut zu rutschen. Ihnen dann auch noch Rentenpunkte nehmen zu wollen, ist an Respektlosigkeit kaum zu überbieten. Diese Woche findet die Woche der pflegenden Angehörigen statt. Was sonst meist hinter den Gardinen geschieht und oft genug leider nicht von der direkten Umgebung bemerkt und erst recht nicht honoriert wird, wird in dieser Woche sichtbar gemacht. Es gibt erneut etliche Angebote im Land verteilt, die zum Mitmachen, Austauschen und Informieren einladen. Dafür herzlichen Dank an alle, die es mit organsiert haben, federführend der Verein „wir pflegen“. Wir haben als Opposition der Landesregierung in den letzten Monaten etliche Vorschläge zur Verbesserung der Situation der pflegenden Angehörigen unterbreitet. Passiert ist nichts. Wie in vielen anderen Bereichen der Landesregierung ist auch hier Stillstand angesagt. Sie verweisen nach Berlin, obwohl Sie gerade im Bereich Pflege doch einiges bewegen könnten. CDU und Grüne kommen mit Begrüßungsanträgen um die Ecke, die oft genug vom Ministerium vorgegeben sind und die eigentlich nur Stillstand bedeuten. Das Land hat mehr verdient und die pflegenden Angehörigen erst recht! 2