Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Jette Waldinger-Thiering: Lernstandserhebungen zum richtigen Zeitpunkt einsetzen!
Presseinformation Kiel, den 17.8.2026Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-Thiering TOP 19 Lernstanderhebungen wissenschaftlich evaluieren Drs. 20/4716„Die Frage ist doch, wie können wir die Ergebnisse der Erhebung schnell und effektiv nutzen, um bei Bedarf gegenzusteuern? Wenn wir hier keine entsprechenden Maßnahmen schaffen- sind die Erhebungen nutzlos für die jetzige Schülergeneration.“Der Antrag gibt uns die Gelegenheit, generell über die Lernstandserhebungen in Schleswig- Holstein zu sprechen. Sie sollen über die nächsten Jahre als Meta-Daten für die Schulpolitik verwendet werden sollen. Dass wir in einigen Jahren nach entsprechenden Langzeitreihen wissen, woran es heute hapert, kann aber nicht unser Ziel sein. Die Lernstandserhebung sollte jetzt für die Schülerinnen und Schüler und vor allem für die Lehrkräfte nutzbar sein. Und zwar unmittelbar nach der Erhebung. Das wäre ein Feedback für die Unterrichtsqualität und ein wunderbares Instrument zur Selbstevaluation. Die Lernstandserhebungen werden acht Wochen nach Beginn des Schuljahres erhoben. Darüber müssen wir sprechen. Ich frage mich als Pädagogin, welche Konsequenzen acht Wochen nach den Ferien gezogen werden können? Die Erstklässler haben sich gerade an die ersten Routinen gewöhnt und dann werden die Erhebungen gemacht. Wie aussagekräftig kann das sein? Überlagern nicht gerade bei den ABC-Schützen die Übergangserfahrungen ihre Kompetenzen in allen Bereichen? Bei den Sechstklässlern liegt keine Eingewöhnung vor; dennoch steht hier die Untersuchung am Beginn und eben nicht am Ende eines Schuljahres. Mir erscheint der Zeitpunkt allein den organisatorischen Rahmenbedingungen der Schule geschuldet. Ich würde mir wünschen, wenn die Kinder stattdessen in den Mittelpunkt gerückt werden würden. Die Lernstanderhebung wäre kurz vor Ende des Schuljahres optimal. Dann könnte über die Ferien hinweg ein Begleitkonzept, eine Rückversetzung oder eine Neuorientierung der Unterstützung mit allen Beteiligten besprochen werden. Und zwar in aller Ruhe. Das ist zu Schuljahresbeginn nicht möglich. Aus diesen Gründen sollte eine zeitliche Verschiebung der Lernstandserhebung für die Zukunft in Betracht gezogen werden. Unabhängig vom vorliegenden Antrag sehe ich die Lernstandserhebungen als eine gute Rückmeldung für die Lehrkräfte. Übrigens ein weiteres Argument, die Erhebung zu verschieben. Denn erst am Ende des Schuljahres lassen sich damit auch Rückschlüsse auf die Treffsicherheit 2pädagogischer Maßnahmen stellen. Der Wunsch nach entsprechender Selbstevaluation kommt von den Lehrkräften selbst, denen kaum die Möglichkeit gegeben wird, zu schauen, wie es um das Niveau und die Qualität ihres Unterrichts steht. Der Lernstand einer Schülerin oder eines Schülers sind abhängig von der pädagogischen Vermittlung der Lerninhalte. Und da ist die Schlüsselfigur die Lehrkraft. Langweiliger Unterricht ohne die Berücksichtigung unterschiedlicher Lernmethoden haben nicht bei allen, aber doch bei den meisten Schülerinnen und Schülern einen direkten Einfluss auf den Lernstand. Aber auch der Einsatz der Methoden lassen sich mit den Erhebungen bewerten. Ich denk, das zeigt, dass eine Lernstandserhebung ganz unerwartete Konsequenzen nach sich ziehen kann. Sie stellt infrage. Und dann hat sich der Aufwand doch gelohnt. Die Frage ist doch, wie können wir die Ergebnisse der Erhebung schnell und effektiv nutzen, um bei Bedarf gegenzusteuern? Wenn wir hier keine entsprechenden Maßnahmen schaffen- sind die Erhebungen nutzlos für die jetzige Schülergeneration. Die Lernstandserhebungen können mehr sein als ein Lackmustest, wenn wir zum richtigen Zeitpunkt einsetzen und wenn wir die Ergebnisse zugänglich machen.Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/