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Sybilla Nitsch: Medienwirksames Radeln bringt wenig!
Presseinformation Kiel, den 07. Oktober 2026Es gilt das gesprochene WortSybilla Nitsch TOP 14 Die Radstrategie retten! Drs. 20/4741„Wenn auf der einen Seite die Strategie gut anläuft, man dann nicht am Ball bleibt und darüber hinaus noch die Mittel zusammenstreicht, dann springt doch irgendwo die Kette ab.“Das Fahrrad ist heute ein ganz normaler Teil unserer Mobilität. Das ist schon ein Wert für sich, bei der seit Jahrzehnten anhaltenden Dominanz des Autos. Und vor diesem Hintergrund hatte auch die von der Landesregierung im Jahr 2020 gestartete Radstrategie ihre Bedeutung. Die Ziele sind klar nämlich: 1. Mehr Leute aufs Rad zu bringen, 2. die Unfallzahlen zu verringern und zum Schluss noch Schleswig-Holstein unter die Top-3-Länder im Radtourismus zu platzieren. Die Frage ist natürlich: wo stehen wir heute? Dank der Halbzeit-Evaluierung haben wir schon einige Punkte beraten. Deshalb jetzt nur ganz kurz: In Sachen Radtourismus spielt Schleswig-Holstein auch ganz oben mit. Der Anteil derjenigen, die mit dem Rad zu uns kommen mag klein sein. Dafür ist aber das Fahrrad ein weit verbreitetes Urlaubsessential geworden. Insbesondere an den Küsten trifft man auf Urlauber auf dem Fahrrad und auf den Straßen und auf den Fähren sieht man vor allem ein Bild: Ein vollgepackter Fahrradträger. Hier ist die Strategie voll aufgegangen. Auch wissen wir, dass viele Menschen privat ins Radfahren investiert haben. Besonders seit dem Jahr 2020. 33,2% der Bevölkerung besitzt ein E-Bike. Bei den anderen beiden inhaltlichen Punkten der Radstrategie sieht das Bild jedoch anders aus. Bei den Unfall- und Todeszahlen gibt es keine Trendwende zu verzeichnen und auch die Zahlen der Menschen, die mit dem Rad pendeln stagnieren. In Schleswig-Holstein sind es nur rund 15 %. Hier stockt es sehr. Aber immerhin sind wir damit das Flächenland mit den meisten Radfahrerinnen und Radfahrern. So viel erstmal zum Status-quo. Man braucht kein Gutachten und auch keine Agentur, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es tatsächlich Ausdauer braucht, um die Ziele der Strategie zu erreichen. Hier lässt die Landesregierung jedoch an der entscheidenden Stelle, Luft aus dem Reifen. Wenn auf der einen Seite die Strategie gut anläuft, man dann nicht am Ball bleibt und darüber hinaus noch die Mittel zusammenstreicht, dann springt doch irgendwo die Kette ab. Gerade weil die Radstrategie politisch eine wirklich gute Wirkung in vielen Bereichen hatte, und gerade in den Kommunen wurden die Maßnahmen dankend angenommen. Auch der Minister ist 2immer fleißig medienwirksam auf dem Rad unterwegs. Bleibt der Erfolg jetzt einfach auf der Strecke liegen, Minister Madsen? Das Ziel von 30% Radverkehr von 2030 auf das Jahr 2040 zu verschieben hat vielleicht plausible Gründe, aber dann müssen meines Erachtens nach mehr Mittel in die Strategie und die Projekte fließen. Nur so kann man der Umsetzung Schritt für Schritt näherkommen. Die Koalition kommt mit "Nebelkerzen", denn der Impuls-Titel für Radwege sinkt in 2027 auf 8 Mio. Euro, und ja, 2 Mio. aus dem Sondervermögen kommen hinzu. Und dann so zu tun, als ob Sie über alle Maßen investieren, ist fragwürdig. Tatsächlichen Nachholbedarf sehe ich bei der Aufmerksamkeit in Bezug auf Mittelzentren. Es gibt eine Menge bedeutsame Pendelstrecken fürs Rad die in die Zentralorte und die Mittelzentren führen, ebenso wie in die kleineren Orte rundherum. Hier wäre ein zielgerichteter Ansatz für die Regionen möglich. Mobilitätsstationen und Schnellwege sind hier die Stichworte. Zu Letzterem haben wir vor drei Jahren einen entsprechenden Antrag erarbeitet und hier im Hohen Haus vorgestellt. Gemeinsam mit den zusätzlichen vier Millionen Euro im Landeshaushalt, wie von uns gefordert, wäre dies sicherlich ein nachhaltiger Beitrag, um mehr Menschen bei uns im Land, zum Umstieg aufs Fahrrad zu gewinnen. Auch braucht es mehr Unterstützung für die Kommunen, damit der Lückenschluss von Radwegen gelingt. Alles in allem sind Mobilität, Teilhabe, gleichwertige Lebensverhältnisse sowie Bewegung und Erholung in vorm vom Tourismus sind wichtige Säulen für unser Land, die sich alle in der Radstrategie wiederfinden. Entscheidend ist es nun, dass die Radstrategie wieder Fahrt aufnimmt. Der Zielpfad bis 2040 muss nun konsequent gegangen werden, um die vielen kleineren Zwischenziele zu erreichen. Nichts weniger erwarte ich von der Landesregierung. Wir helfen gerne bei der Rettung.Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/