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07.10.26 , 18:05 Uhr
FDP

Anne Riecke zu TOP 16 "Lernen besser organisieren"

07.10.2026 | Bildung
Anne Riecke zu TOP 16 "Lernen besser organisieren" In ihrer Rede zu TOP 16 (Lernen besser organisieren – Hausaufgaben und Lernzeiten zeitgemäß gestalten) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:
„Wenn wir über Schule sprechen, sprechen wir über Unterricht, über Leistung, über Bildungsstandards und darüber, wie wir unseren Kindern die besten Chancen für ihre Zukunft geben. Aber manchmal müssen wir auch auf die ganz alltäglichen Dinge schauen. Zum Beispiel auf die Hausaufgaben.
Viele Eltern und Schülerinnen und Schüler kennen die Situation: Nach einem langen Schultag geht es zu Hause weiter. Mathematik, Vokabeln, Arbeitsblätter, Vorbereitungen für den nächsten Tag. Für manche Kinder funktioniert das gut. Für andere wird der Nachmittag zur zweiten Schulschicht. Und deshalb sollten wir uns eine ganz einfache Frage stellen: Ist die klassische Hausaufgabe tatsächlich immer noch der beste Weg, Lernen zu organisieren?
Ich möchte dabei eines ganz klar sagen: Unser Antrag richtet sich nicht gegen Leistung und nicht gegen Lernen. Im Gegenteil. Wir wollen, dass Lernzeit wirksam genutzt wird. Wir wollen, dass Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Und wir wollen, dass Schulen die Möglichkeit haben, auf neue Herausforderungen angemessen zu reagieren. Denn die Lebensrealität von Familien hat sich verändert. Eltern arbeiten, teilweise im Schichtdienst. Kinder haben unterschiedliche Voraussetzungen. Nicht jedes Kind hat zu Hause einen ruhigen Arbeitsplatz oder jemanden, der bei den Hausaufgaben helfen kann. Damit ist die Frage der Hausaufgaben auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.
Und gleichzeitig verändert sich unsere Welt. Künstliche Intelligenz ist inzwischen Teil des Alltags unserer Schülerinnen und Schüler. Aufgaben, die früher zu Hause mühsam erarbeitet werden mussten, können heute innerhalb von Sekunden von einer KI bearbeitet werden. Das bedeutet nicht, dass wir auf Üben, Schreiben, Rechnen oder eigenständiges Denken verzichten können. Es bedeutet aber, dass wir noch genauer überlegen müssen, welche Aufgaben wir geben – und wo Lernen am wirksamsten stattfindet. Wenn eine Aufgabe zu Hause einfach von einer KI erledigt werden kann, dann müssen wir uns fragen: Hat das Kind dadurch tatsächlich etwas gelernt?
Vielleicht ist es deshalb sinnvoller, bestimmte Lernprozesse stärker in die Schule zu holen – dorthin, wo eine Lehrkraft unterstützen, Fragen beantworten und direkt Rückmeldung geben kann. Und genau hier setzt unser Antrag an. Wir sehen bereits Schulen in Schleswig-Holstein, die neue Wege gehen. Die Grundschule Nortorf beispielsweise hat die klassischen Hausaufgaben abgeschafft und nutzt die Schulzeit stärker zum Üben und Vertiefen. Das ist kein Modell, das wir jetzt für jede Schule vorschreiben wollen. Aber es zeigt: Es gibt Schulen, die neue Wege gehen. Einzelne Schulen sollten diesen Weg nicht allein gehen müssen – wir müssen diese Herausforderung gemeinsam annehmen und ihnen dabei den Rücken stärken. Und diese Erfahrungen sollten wir ernst nehmen.
Auch die Wissenschaft gibt uns dabei wichtige Hinweise – aber keine einfache Schwarz-Weiß- Antwort. Eine Studie des DIPF (Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) mit 301 Schülerinnen und Schülern hat gezeigt, dass Lernzeiten unter anderem bei Belastung und Wohlbefinden Vorteile haben können. Gleichzeitig gab es beim mathematischen Lernzuwachs auch einen Nachteil. Die Wissenschaft sagt also nicht: Hausaufgaben sind schlecht. Sie sagt uns vielmehr: Wir müssen genauer hinschauen, wie Lernzeit organisiert wird. Wie können wir Kinder entlasten und gleichzeitig Leistung sichern? Wie können wir Selbstständigkeit fördern und gleichzeitig sicherstellen, dass tatsächlich gelernt wird? Und wie können wir neue Formen nutzen, ohne bewährte Methoden vorschnell über Bord zu werfen?
Genau deshalb geht es in unserem Antrag nicht darum, Kinder zu Versuchskaninchen zu machen. Wir wollen keine Experimente auf dem Rücken von Schülerinnen und Schülern. Wir wollen, dass Schulen, die bereits gute Erfahrungen mit alternativen Lernzeiten gemacht haben, diese Erfahrungen weitergeben können. Wir wollen, dass Schulen innerhalb klarer pädagogischer Rahmenbedingungen eigene Konzepte entwickeln können. Und wir wollen, dass diese Konzepte fachlich begleitet und ausgewertet werden, damit wir wissen, was funktioniert – und was vielleicht nicht funktioniert. 
Das ist für mich verantwortungsvolle Bildungspolitik. Denn wir stehen vor großen Herausforderungen. Die PISA-Ergebnisse zeigen, dass wir mit den Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler nicht zufrieden sein können. Unsere Antwort darauf darf aber nicht einfach sein: mehr Aufgaben, mehr Arbeitsblätter, mehr Belastung. Unsere Antwort muss sein: Wie schaffen wir mehr wirksame Lernzeit? Wie können Kinder in der Schule konzentriert üben? Wie können Lehrkräfte gezielter unterstützen? Wie können wir Selbstständigkeit und Eigenverantwortung stärken? Und wie können wir gleichzeitig dafür sorgen, dass Kinder nach der Schule auch noch Zeit für Familie, Freunde, Bewegung und Erholung haben?
Darum geht es in unserem Antrag. Nicht um weniger Lernen. Nicht um weniger Leistung. Sondern darum, Lernen besser zu organisieren und Schule an die Realität des Jahres 2026 anzupassen. Wir sollten nicht an Strukturen festhalten, nur weil wir sie schon immer so gemacht haben. Aber wir sollten Veränderungen genauso wenig um ihrer selbst willen beschließen. Wir sollten hinschauen, Erfahrungen nutzen, gute Modelle unterstützen und daraus gemeinsam lernen. Unsere Schulen brauchen dafür nicht weniger Verantwortung, sondern mehr Vertrauen und mehr Gestaltungsspielraum. 
Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen. Für eine Schule, die Leistung erwartet, Kinder aber nicht unnötig belastet. Für eine Schule, die digitale Entwicklungen wie KI nicht ignoriert, sondern pädagogisch klug mit ihnen umgeht. Und für eine Schule, in der Lernzeit dort stattfindet, wo sie Kindern tatsächlich am meisten bringt. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Antrag.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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