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Martin Habersaat zu Top 16: Müssen Hausaufgaben eigentlich sein?
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 07.Oktober 2026Martin Habersaat Müssen Hausaufgaben eigentlich sein? TOP 16: Lernen besser organisieren – Hausaufgaben und Lernzeiten zeitgemäß gestalten (Drs. 20/4795)Die FDP stellt mit ihrem Antrag eine Frage, die vermutlich Generationen von Schülerinnen und Schülern beschäftigt hat: Müssen Hausaufgaben eigentlich sein? Die Antwort ist – wie so oft in der Bildungspolitik – komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein. Hausaufgaben sind nicht automatisch gut, nur weil wir sie schon immer hatten. Und sie sind nicht automatisch schlecht, nur weil Kinder lieber etwas anderes machen.Die entscheidende Frage lautet: Was hilft beim Lernen? Und eine zweite Frage gehört für uns zwingend dazu: Wo soll dieses Lernen eigentlich stattfinden?Denn Hausaufgaben haben ein grundsätzliches Problem: Mit ihnen verlagern wir einen Teil der schulischen Arbeit aus der Schule hinein in sehr unterschiedliche Elternhäuser. Das eine Kind kommt nach Hause und findet einen eigenen Schreibtisch, Ruhe, einen Laptop und Eltern, die bei Mathematik, Englisch oder Deutsch helfen können.Das andere Kind findet all das nicht. Und wenn der Lernerfolg davon abhängt, ob nachmittags jemand daneben sitzen kann, dann verstärkt Schule Unterschiede, statt sie auszugleichen.Deshalb sage ich seit Langem: Bildungserfolg darf kein Erbe sein. Und deshalb finde ich einen Satz im Antrag der FDP besonders wichtig: Hausaufgaben dürfen keine verdeckte Verlagerung schulischer Verantwortung in die Familien sein. Da sind wir uns einig.Eltern sollen sich dafür interessieren, was ihre Kinder lernen. Sie sollen vorlesen, nachfragen, ermutigen, gemeinsam entdecken. Aber Eltern sind keine Hilfslehrkräfte. 1 Und wer Unterricht am Vormittag so organisiert, dass er nur funktioniert, wenn am Nachmittag Eltern erklären, üben und kontrollieren, der hat ein Problem nicht gelöst, sondern es nach Hause geschickt.Genau deshalb eröffnet der Ganztag eine große Chance. Wenn Kinder länger in der Schule sind, können Lern-, Übungs- und Vertiefungszeiten stärker in den Schultag integriert werden. Dort, wo Fachleute erreichbar sind. Dort, wo Kinder gemeinsam lernen können. Dort, wo Unterstützung nicht davon abhängt, welchen Bildungsabschluss die Eltern haben. Und dort, wo nach dem Schultag irgendwann auch wirklich Feierabend sein kann. Dort, wo die Aufgaben erledigt werden können und zu Hause wirklich Feierabend sein kann.Aber, meine Damen und Herren von CDU und Grünen: Dazu muss man Ganztag als Bildungsangebot verstehen und nicht lediglich als Betreuungsversprechen. Und genau an dieser Stelle beginnt das Problem mit Ihrer Bildungspolitik. Sie wollen Basiskompetenzen stärken. Sie wollen individuelle Förderung. Sie wollen eigenverantwortliches Lernen. Sie wollen bessere Leistungsergebnisse. Alles richtig. Nur gleichzeitig haben Sie Unterrichtsstunden gekürzt. Besonders an den Gemeinschaftsschulen wurden Stunden gestrichen. Auch die Gymnasien mussten Stunden abgeben.Und jetzt sollen Schulen zusätzlich Lernzeiten organisieren, individuell fördern, diagnostizieren, digitale Kompetenzen vermitteln, KI sinnvoll einbinden und nebenbei noch die Folgen des Unterrichtsausfalls auffangen.Wer Schulen immer neue Aufgaben gibt und ihnen gleichzeitig Zeit nimmt, betreibt keine Qualitätsoffensive. Wir haben in Schleswig-Holstein inzwischen eine bemerkenswerte bildungspolitische Arbeitsteilung: Die Landesregierung beschreibt, was Schulen alles leisten sollen. Und die Schulen überlegen anschließend, wann und mit wem sie das eigentlich machen sollen. Auch deshalb ist der FDP-Antrag interessant. Er sagt: Schauen wir hin, welche Aufgaben sinnvoll sind.Wir wissen bereits ziemlich viel darüber, was unsere Schulen brauchen. Sie brauchen Zeit. Sie brauchen ausreichend Lehrkräfte. Sie brauchen multiprofessionelle Teams. Und sie brauchen einen Ganztag, in dem Bildung und Betreuung tatsächlich zusammengedacht werden. 2 Über Hausaufgaben kann man wunderbar Grundsatzdebatten führen. Für uns ist die entscheidende Frage aber eine andere: Wie organisieren wir Lernen so, dass jedes Kind eine faire Chance hat? Unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Unabhängig davon, ob zu Hause jemand Integralrechnung beherrscht oder englische Vokabeln abfragen kann.Wer stärkere Schulen will, darf sie nicht gleichzeitig schwächen. Wer weniger Abhängigkeit vom Elternhaus will, muss mehr Unterstützung in der Schule organisieren. Das ist unsere Aufgabe, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgabe erledigen können: aufwachsen, lernen, sich entwickeln. 3