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Anne Riecke zu TOP 20 "Zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein stärken"
08.10.2026 | BildungAnne Riecke zu TOP 20 "Zweiten Bildungsweg in Schleswig- Holstein stärken" In ihrer Rede zu TOP 20 (Zweite Chance darf keine Frage des Geldbeutels sein – Zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein stärken) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP- Landtagsfraktion, Anne Riecke:„Was entscheidet darüber, welche Möglichkeiten ein Mensch im Leben bekommt? Für uns Freie Demokraten darf es nicht die Herkunft sein. Nicht der Wohnort. Nicht das Einkommen der Familie. Und auch nicht die Frage, ob jemand mit 16 Jahren den geradlinigen Bildungsweg gegangen ist. Gute Bildung ist die beste Vorbereitung auf ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb ist der Zweite Bildungsweg für uns ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit. In Schleswig-Holstein verlassen rund 9,7 Prozent eines Jahrgangs die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss. 2024 waren das 2.713 junge Menschen. Hinter diesen Zahlen stehen unterschiedliche Lebensgeschichten. Aber eines darf daraus nicht folgen: Dass damit die Bildungschancen für den Rest des Lebens festgelegt sind. Ein fehlender Schulabschluss darf keine lebenslange Grenze sein. Und genau hier kommt die berufliche Bildung ins Spiel.Wir sprechen zu Recht über den Fachkräftebedarf in Schleswig-Holstein. Wir brauchen Nachwuchs im Handwerk, in der Industrie, im Mittelstand und in vielen anderen Bereichen. Dann müssen wir auch diejenigen erreichen, die beim ersten Anlauf keinen Schulabschluss geschafft haben. Der Zweite Bildungsweg kann hier eine wichtige Brücke sein: Ein nachgeholter Abschluss kann den Weg in eine Ausbildung öffnen. Und eine Ausbildung kann der Start in ein selbstständiges Berufsleben sein. An den beruflichen Schulen holen jedes Jahr etwa 1.700 Menschen ihren ESA nach. Das zeigt: Diese Möglichkeit wird gebraucht. Aber sie muss auch tatsächlich erreichbar sein. Für Vorbereitungskurse zum nachträglichen Erwerb eines Schulabschlusses können – abhängig vom Angebot und vom Wohnort – bis zu etwa 1.700 Euro anfallen, zusätzlich können weitere Kosten entstehen. Für Menschen mit geringem Einkommen kann das eine erhebliche Hürde sein. Deshalb ist der Grundgedanke des Antrags richtig: Nicht nur die Prüfung selbst muss zugänglich sein. Auch der Weg dorthin darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Denn was bringt ein kostenloser Prüfungsweg, wenn sich jemand die notwendige Vorbereitung nicht leisten kann?Bildungsgerechtigkeit bedeutet deshalb auch: Die notwendigen Bildungsangebote zum Nachholen eines Schulabschlusses müssen ohne finanzielle Hürden erreichbar sein. Und auch der Wohnort darf nicht über Bildungschancen entscheiden. Wir brauchen verlässliche Angebote in den Regionen und müssen die vorhandenen Strukturen von Berufsschulen, RBZ und Volkshochschulen sinnvoll nutzen. Dazu gehören auch Abendangebote. Wer arbeitet, Kinder betreut oder andere Verantwortung trägt, kann nicht einfach jeden Vormittag die Schulbank drücken. Das ist keine Frage mangelnder Motivation. Das ist Lebensrealität. Deshalb müssen Bildungsangebote zum Leben der Menschen passen – mit Abendkursen, Teilzeitangeboten und digitalen Möglichkeiten, die den Präsenzunterricht sinnvoll ergänzen.Und ich möchte den Begriff der zweiten Chance noch weiter fassen. Es geht nicht nur darum, einen fehlenden Abschluss nachzuholen. Vielleicht hat jemand bereits einen Abschluss und entscheidet sich Jahre später: Ich möchte noch einen weiteren Abschluss machen. Ich möchte mich weiterqualifizieren. Ich möchte beruflich etwas Neues beginnen. Auch dafür müssen unsere Bildungswege offenstehen. Denn Bildung ist kein einmaliger Vorgang, der irgendwann abgeschlossen ist. Es ist nie zu spät, in Bildung zu investieren.Wenn Bildung eine Landesaufgabe ist, müssen wir diese Aufgabe ernst nehmen. Für uns ist klar: Bei Bildung darf nicht gekürzt werden. Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht, dass jeder Mensch am gleichen Punkt startet. Aber sie bedeutet, dass wir faire Möglichkeiten schaffen, aus den eigenen Fähigkeiten etwas zu machen. Nicht Herkunft soll entscheiden. Nicht der Geldbeutel. Nicht der Wohnort. Sondern die Möglichkeit, den eigenen Weg zu gehen. Aufstieg durch Bildung beginnt nicht erst beim Meister. Er beginnt mit der Möglichkeit, überhaupt den nächsten Bildungsweg einschlagen zu können. Wir fördern später die berufliche Weiterbildung und unterstützen den Weg zum Meister. Aber was ist mit dem Menschen, der noch gar nicht an diesem Punkt angekommen ist? Was ist mit dem jungen Menschen, der zunächst seinen Schulabschluss nachholen muss, bevor er den nächsten Schritt in Ausbildung und Beruf gehen kann? Auch dort müssen wir ansetzen. Deshalb darf der Zugang zur notwendigen Vorbereitung nicht am Geldbeutel scheitern. Leistung muss endlich eine Chance bekommen. Deshalb unterstützen wir diesen Antrag. Denn die erste Bildungsentscheidung eines Menschen darf nicht seine letzte sein.“Sperrfrist Redebeginn!Es gilt das gesprochene Wort. Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. PressesprecherinTel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.deFDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de