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Jette Waldinger-Thiering: Der Zweite Bildungsweg muss grundsätzlich kostenfrei sein!
Presseinformation Kiel, den 08.10.2026Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-Thiering TOP 20 Zweite Chance darf keine Frage des Geldbeutels sein - zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein stärken Drs. 20/4857„Der Zugang darf nicht von individuellen Fördermöglichkeiten abhängen. Erwachsene müssen verbindlich Zugang zu geeigneten Bildungsgängen erhalten – nicht nur, wenn zufällig Plätze frei sind. Flächendeckende und kostenlose Bildungsangebote zur Vorbereitung auf einen nachzuholenden ESA oder MSA sind eine wichtige Maßnahme, die zur Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in unserem Land führen.“Bildungswege verlaufen individuell und sind von vielen Faktoren abhängig. Manchmal passt der vorgegebene Zeitablauf des Bildungssystems nicht zum Lebensweg. Aber das Recht auf Bildung endet nicht mit der Schulpflicht, sie besteht ein Leben lang. Wir müssen allerdings feststellen, dass das Recht auf lebenslanges Lernen, nur eingeschränkt in Schleswig-Holstein umgesetzt werden kann. Besonders Erwachsene, die im späteren Verlauf ihres Lebens den ESA oder den MSA nachholen möchten, erleben erschwerte Bedingungen aufgrund zu hoher Kosten, ungünstigen Unterrichtszeiten oder generell fehlenden Angeboten in ihrer Umgebung. Die Erwachsene, die aus unterschiedlichen Gründen ihren Schulabschluss nicht während der Schulpflicht gemacht haben, müssen ihren Lebensalltag in nicht wenigen Fällen mit Auslastungen wie einem Vollzeitjob, einer chronischen Krankheit oder Familie mit zu betreuenden Kindern oder zu pflegenden Angehörigen gut organisieren, um Zeit und Energie für den gewünschten Schulabschluss aufzubringen. Wenn dann noch hohe Kosten, weite Wege und ungünstige Unterrichtszeiten dazukommen, dann ist die Hürde zu hoch, um den Schulabschluss anzustreben. Dabei ist es Bildung und erfolgreiche Schulabschlüsse, die die Lebensqualität und Jobzufriedenheit erheblich steigern. Außerdem brauchen wir diese motivierten Menschen auf dem Arbeitsmarkt, es herrscht Fachkräftemangel und nachgeholte Schulabschlüsse bereiten den Weg zur Fachausbildung. Außerdem bedeuten nachgeholte Schulabschlüsse und höherer Ausbildung auch erhöhte gesellschaftliche Teilhabe und finanzielle Unabhängigkeit von staatlicher Unterstützung. 2Wir müssen die Lebensrealität der Menschen ernst nehmen. Wer tagsüber arbeitet, kann nicht einfach seinen Arbeitsplatz aufgeben. Wer Kinder betreut, kann nicht beliebig Unterrichtszeiten verschieben. Und wer nach Jahren oder Jahrzehnten wieder in Bildung einsteigt, braucht häufig mehr als nur einen Stundenplan: Er braucht Beratung, Unterstützung und verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Digitale Lernangebote können dabei helfen. Sie können Unterricht ergänzen, Wege verkürzen und mehr Flexibilität schaffen. Aktuell sind es die beruflichen Schulen in unserem Land die das Hauptangebot an Vorbereitungskursen für nachzuholende Schulabschlüsse vorhält. Aber müssen das wirklich alles die Schulen schaffen? Bedarfsgerechte und niedrigschwellige Angebote für Erwachsene anzubieten kann nicht nur Aufgabe der beruflichen Schulen sein. Die Schulen meistern bereits jetzt viele Herausforderungen, um die heutigen Jugendlichen erfolgreich zum Abschluss zu führen und gestärkt in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Vielmehr sollten wir unsere Volkshochschulen stärken, damit sie ihr Angebot erweitern können. Die Volkshochschulen sind gut aufgestellt in Schleswig-Holstein und gut vernetzt. In Schleswig-Holstein ist es aktuell an 13 Volkshochschulen möglich, ein Vorbereitungskurs für den ESA zu belegen- und an zehn Standorten kann man einen Kurs zu Erreichung des MSA buchen. Es müssen aber auch die kleinen Standorte fachlich so ausgestattet werden das sie kostenlose Vorbereitungskurse für die Schulabschlüsse des ESA und MSA anbieten können. Denn je nach Förderung, liegen die Kosten durchschnittlich bei circa 100-250 € im Monat je nach Anbieter und Fördermaßnahme. Da können ein, zwei Jahre schon sehr teuer werden. Die Kosten sind einfach zu hoch und unfair in Hinblick auf die kostenlosen Kurse an den Abendgymnasien, um das Abitur nachzuholen. Der Zweite Bildungsweg muss grundsätzlich kostenfrei sein. Der Zugang darf nicht von individuellen Fördermöglichkeiten abhängen. Erwachsene müssen verbindlich Zugang zu geeigneten Bildungsgängen erhalten – nicht nur, wenn zufällig Plätze frei sind. Flächendeckende und kostenlose Bildungsangebote zur Vorbereitung auf einen nachzuholenden ESA oder MSA sind eine wichtige Maßnahme, die zur Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit in unserem Land führen.Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/