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08.10.26 , 10:55 Uhr
B 90/Grüne

Uta Röpcke zur Stärkung des zweiten Bildungswegs

Presseinformation Nr. 26.311 08.10.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 20 – Zweite Chance darf keine Frage des Geldbeutels sein – Zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein stärken
Dazu sagt die Sprecherin für Erwachsenenbildung der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Uta Röpcke:
Lebenslanges Lernen stärken Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg*innen,
Sie haben absolut recht: Weder das Alter noch der Wohnort, die Erwerbstätigkeit, familiäre Verpflichtungen oder die finanzielle Situation dürfen darüber entscheiden, ob jemand einen Schulabschluss hat oder nicht. Und auch richtig ist: Wer als Erwachsener einen Schulabschluss nachholen will, muss oft erst einmal viele andere praktische Fragen lösen, wie beispielsweise: Wie komme ich nach der Arbeit zum Kurs? Wer betreut in dieser Zeit mein Kind? Und wie bezahle ich die Vorbereitung?
In Pinneberg kostet ein Vorbereitungskurs auf den Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) in diesem Schuljahr 1.120 Euro, 50 Euro für Lernmaterial kommen noch hinzu. Für manche Menschen ist das allein schon die Antwort auf die Frage, ob sie es nochmal versuchen sollen, einen Schulabschluss zu machen: Viele können es sich schlichtweg nicht leisten. Genau aus diesem Grund teile ich grundlegend die Intention, beziehungsweise den Ausgangspunkt Ihres Antrags. Viele der Fragen, die sie stellen, sind auch aus meiner Sicht durchaus berechtigt: Ist das Beratungsangebot ausreichend? Warum gibt es eine Ungleichverteilung der Angebote über das Land? Haben tatsächlich alle einen barrierefreien Zugang? Warum ist das Abitur am Abendgymnasium kostenfrei, während Menschen für die Vorbereitung auf den Ersten Schulabschluss teils erhebliche Gebühren zahlen?
Gerade weil wir das Problem genauso ernst nehmen wie Sie, sollten wir erst einmal herausfinden, wie groß es eigentlich genau ist und wie wir wirklich effektiv und effizient darauf als Land reagieren können. Sie fordern flächendeckende Abendangebote, grundsätzliche Kostenfreiheit, verbindlichen Zugang zu beruflichen Schulen und zusätzliche personelle Mittel, Präsenzunterricht als Regelformat, Beratungsangebote, Unterstützungsstrukturen und eine landesweite Werbe- und Informationskampagne. Dass es Hürden gibt, steht außer Frage. Was wir nicht wissen, ist, wie viele Menschen eigentlich wo und warum an diesen Hürden scheitern. Ich finde es interessant, dass Sie diese ganzen Forderungen aufstellen, ohne wirklich zu wissen, wie groß das Problem eigentlich ist und ohne wirklich zu wissen, was die Umsetzung das Land kosten würde, geschweige denn wer sie eigentlich wie genau umsetzen soll. Aber genau das wäre aus meiner Sicht der entscheidende erste Schritt.
Als Koalition haben wir im Haushalt 2026 die Fördermittel für die Vorbereitung auf den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) sowie für den Mittleren Schulabschluss (MSA) um 100.000 Euro auf 200.000 Euro jährlich erhöht. Davon entfallen 120.000 Euro auf den ESA und 80.000 Euro auf den MSA. Zudem haben wir auch die Volkshochschulen trotz der Haushaltslage gestärkt und weitere Grundbildungszentren auf den Weg gebracht. Wir haben uns also auf den Weg gemacht und in diesem Bereich eindeutig einen politischen Schwerpunkt gesetzt!
Ihr Antrag sieht außerdem vor, AV-SH und AVflex für erwachsenengerechte Angebote zu nutzen. Das sollten wir prüfen, denn diese Bildungsgänge dienen bislang vor allem jungen Menschen auf dem Weg in Ausbildung und weiterführende Bildung. Für Erwachsene, die im Schichtdienst arbeiten oder Angehörige versorgen, braucht es andere Zeiten und möglicherweise andere Formen der Begleitung. Wenn wir passende Lösungen suchen, müssen die Volkshochschulen und andere Träger, die vielerorts bereits Schulabschlusskurse anbieten, dabei mit am Tisch sitzen. Damit beispielsweise auch so innovative Formate wie „FSJ Duo“ oder auch „Duales FSJ“ einen festen Platz in unserer Bildungslandschaft bekommen.
Gemeinsam mit Trägern sollten wir auch die Unterrichtsformate betrachten: Wir brauchen Unterrichtszeiten und Formate, die zum Leben der Teilnehmenden passen. Aber woher wissen Sie, dass „Präsenzunterricht als Regelformat“ tatsächlich für alle Bedarfe die beste Lösung ist. Persönliche Begegnungen und eine feste Lerngruppe sind für einige Menschen vielleicht wichtig, anderen helfen eher digitale Lernphasen, weil sie sonst wegen Fahrtwegen und Sorgearbeit möglicherweise gar nicht teilnehmen könnten. Entscheidend ist ja, wie wir am Ende mehr Menschen zum Abschluss bringen.
Wer als Erwachsener einen Schulabschluss nachholen will, braucht Mut und soll dafür eine echte Chance bekommen, unabhängig von Geldbeutel, Wohnort oder familiärer Situation. Dafür brauchen wir aber zuerst Transparenz über die bestehenden Lücken und Bedarfe. Erst darauf aufbauend können wir dann entscheiden, wo und wie wir gezielt Angebote ausbauen.
Vielen Dank!
*** Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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