Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Jasper Balke zur häuslichen Versorgung bei lebensverkürzenden Erkrankungen
Presseinformation Nr. 26.321 09.10.2026Es gilt das gesprochene Wort!TOP 31 – Häusliche Versorgung und Selbstbestimmung junger Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen in Schleswig-Holstein stärkenDazu sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Jasper Balke:Familien brauchen Raum für einen gemeinsamen Alltag Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,lebensverkürzende Diagnosen sind immer schlimm, kommen manchmal plötzlich, manchmal deuten sie sich über einen längeren Zeitraum an, aber wie auch immer diese kommen, sie bedeuten immer einen unvorstellbaren Kraftakt für An- und Zugehörige. Während Unsicherheiten, Sorgen und medizinische Fragen den Alltag bestimmen, stellt sich gerade in Familien die Frage: Wie schaffen wir das eigentlich als Familie?Und gleichzeitig bleibt die betroffene Person ein Mensch und wenn eine Diagnose ein Kind trifft, dann bleibt dieses auch weiterhin ein Kind. Mit eigenen Wünschen, mit Freude, mit dem Bedürfnis nach Nähe, Freundschaft und Selbstständigkeit. Eine schwere Erkrankung darf nicht dazu führen, dass wir einen Menschen nur noch durch seine Diagnose betrachten, deshalb geht es bei Kinder- und Jugendhospizarbeit um die Begleitung des Lebens. Häufig über viele Jahre. Es geht darum, Beschwerden zu lindern, Teilhabe zu ermöglichen und eine Familie so zu unterstützen, dass zwischen Pflege, Behandlung und Sorge auch Raum für gemeinsamen Alltag bleibt.Dazu gehören Eltern, die Entlastung brauchen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Dazu gehören Geschwister, deren Bedürfnisse manchmal in den Hintergrund geraten. Und dazu gehört eine Begleitung, die auch in der Trauer verlässlich bleibt.Liebe Kolleg*innen,dass diese Familien frühzeitig Unterstützung benötigen und verschiedene Hilfen gut ineinandergreifen müssen, beschreiben Sie in Ihrem Antrag zu Recht. Dieses Anliegen teilen wir ausdrücklich. In Schleswig-Holstein können wir dabei auf engagierte Menschen und gewachsene Strukturen aufbauen: auf ambulante Kinder- und Jugendhospizdienste wie „Die Muschel“, auf spezialisierte ambulante pädiatrische Palliativversorgung und auf Kooperationen mit stationären Angeboten wie der Sternenbrücke.Der Hospiz- und Palliativverband Schleswig-Holstein bringt diese Erfahrungen zusammen. Seine geförderte Landeskoordinierungsstelle unterstützt Vernetzung, Qualifizierung und Beratung auch für uns als Politik. Auch für Aus- und Fortbildung sowie Supervision ehrenamtlich Engagierter bestehen Fördermöglichkeiten. Denn ehrenamtliche Begleitung leistet eine unverzichtbar wertvolle Arbeit, die verlässliche Rahmenbedingungen und zugleich eine professionelle medizinische und pflegerische Versorgung an ihrer Seite braucht.Dass Strukturen vorhanden sind, beantwortet allerdings noch nicht die Frage, ob jede Familie die Unterstützung erhält, die sie tatsächlich braucht. Denn gerade im ländlichen Raum muss die Erreichbarkeit gewährleistet sein und wir müssen Familien selbst fragen, wo Hilfe fehlt, wo Übergänge scheitern und wo sie mit der Organisation ihrer Versorgung allein bleiben. Damit sind wir bei einer Herausforderung, die weit über die Kinderhospizarbeit hinausreicht.Wir hatten es bereits in unserer gestrigen Debatte zu Pflege: Unser Gesundheits- und Pflegesystem verfügt über viele spezialisierte Leistungen. Aber die Menschen, die sie benötigen, erleben ihr Leben als Ganzes. Für eine Familie gehören Krankenhausbehandlung, häusliche Pflege, psychosoziale Unterstützung und Teilhabe unmittelbar zusammen, auch, wenn sich die Zuständigkeiten dafür auf verschiedenste Sozialgesetzbücher mit unterschiedlichen Antragsanforderungen und Zuständigkeiten auf unterschiedliche Stellen verteilen.Wenn Familien und Eltern diese Verbindungen selbst herstellen müssen, wird aus einem Unterstützungsangebot schnell eine zusätzliche Aufgabe. Deshalb muss sich jede politische Maßnahme daran messen lassen, ob sie diesen Alltag erleichtert. Ein neues Modellprojekt kann sinnvoll sein, wenn es eine konkrete Lücke schließt und einen tragfähigen Weg in die dauerhafte Versorgung eröffnet. Seine Einrichtung allein gewährleistet das aber noch nicht. Auch zusätzliche Angebote brauchen Personal, Abstimmung und eine verlässliche Perspektive.Wie Sie wissen, bin ich ein großer Befürworter zur Ausweisung von Modellregionen und der Einführung von Regionalbudgets, insbesondere, um die sich im System befindenden Gelder besser über Sektoren- und SGB-Grenzen hinweg einzusetzen, Übergänge besser zu gestalten und dadurch auch bislang unnötig für Bürokratie- oder Personalkapazitäten aufgewendete Mittel einzusparen oder die Versorgung selbst zu stärken. Dies wird aber nicht nur für einzelne, spezifische Gruppen funktionieren, für die zusätzliche Mittel aufgewendet werden müssen, die dann woanders in der direkten Versorgung fehlen.Deshalb sollten wir weiter auf Vereinfachung und Niedrigschwelligkeit für Unterstützungsleistungen setzen, erreichbare ambulante Hilfen stärken, Zusammenarbeit und Koordination durch den Hospiz- und Palliativverband ermöglichen und weitere Entwicklungsoptionen in Schleswig-Holstein mit den beteiligten Akteuren auszuwerten.Unser Anspruch muss sein, dass Hilfe verlässlich zusammenwirkt und dauerhaft trägt, denn die Kraft dieser Familien sollte ihrem gemeinsamen Leben gehören. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie möglichst wenig davon für die Organisation ihrer Unterstützung aufbringen müssen.Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! *** Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 KielT 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de