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09.10.26 , 12:51 Uhr
FDP

Annabell Krämer zu TOP 29 "Anbindehaltung von Rindern in Schleswig-Holstein beenden"

09.10.2026 | Tierschutz
Annabell Krämer zu TOP 29 "Anbindehaltung von Rindern in Schleswig-Holstein beenden" In ihrer Rede zu TOP 29 (Tierschutz stärken – Anbindehaltung von Rindern in Schleswig-Holstein beenden und bundesweit abschaffen) erklärt die stellvertretende Vorsitzende und tierschutzpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Annabell Krämer:
„Es gibt politische Debatten, bei denen man lange darüber diskutieren kann, ob ein Antrag richtig, falsch, zu weitgehend oder nicht weitgehend genug ist. Und dann gibt es Anträge mit Fragen, bei denen man irgendwann einfach ganz ehrlich sein muss. Wollen wir, dass ein Rind dauerhaft angebunden steht? Meine Antwort darauf ist klar: Nein. Deshalb können wir dem Antrag der SPD- Fraktion heute zustimmen.
Aber ich möchte folgendes dazu noch sagen. Wenn wir die Anbindehaltung beenden wollen, dann müssen wir das gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten tun und nicht gegen sie. Wer Tiere hält, trägt Verantwortung für ihr Wohlergehen. Tierschutz ist kein Nice-to-have oder Add-on, er ist unsere Pflicht und er steht ausdrücklich in unserer Landesverfassung. Artikel 11 sagt: ‚Die Tiere stehen unter dem besonderen Schutz des Landes.‘ Das ist für uns nicht nur ein schöner Satz, das ist ein Auftrag. Deswegen haben wir Freie Demokraten in den vergangenen Jahren auch immer wieder deutlich gemacht, dass Tierwohl nicht davon abhängen darf, ob ein Tier im Wohnzimmer oder im Stall lebt. Wir haben uns gegen Qualzucht eingesetzt und das auch ausdrücklich bei Nutztieren. Und wir haben für bessere Haltungsbedingungen gekämpft. Unser Anspruch an Tierschutz lautet: Nicht wegsehen. Nicht schönreden. Sondern hinschauen und handeln. Ein Rind ist kein Möbelstück, das man in die Ecke stellt und dort stehen lässt. Ein Rind bewegt sich. Es läuft. Es legt sich hin. Es steht auf. Es pflegt soziale Kontakte. Es hat ein ausgeprägtes Sozial- und Bewegungsverhalten. Wenn ein Tier nun über lange Zeiträume auf einen sehr kleinen Bewegungsradius reduziert wird, dann schränkt das zentrale, arteigene Verhaltensweisen ein. Und deswegen müssen wir raus aus der dauerhaften Anbindehaltung.
Uns ist bewusst, dass das nicht von heute auf morgen passieren kann. Die SPD berücksichtigt das in ihrem Antrag: Unterschiedliche Formen der Anbindehaltung und entsprechend angemessene Übergangsfristen sollen vorgesehen werden. Denn ein kleiner Familienbetrieb, der seit Jahrzehnten mit seinen gewachsenen Strukturen arbeitet, braucht möglicherweise eine andere Übergangsfrist als ein Großbetrieb. Das halten wir für vernünftig. Ebenso halten wir es für vernünftig, bundeseinheitliche Regelungen zu schaffen und unterstützen daher ausdrücklich den Vorstoß der SPD für eine Bundesratsinitiative. Wir brauchen einen verbindlichen, langfristigen Rahmen, auf den sich unsere Landwirtschaft verlassen kann.
Ich möchte zum Abschluss meiner Redezeit einen Appell an die Landesregierung richten: Wenn wir die Anbindehaltung beenden wollen, dann machen wir daraus bitte kein Bürokratiemonster. Wir brauchen einfache Genehmigungsverfahren und praktikable Förderprogramme. Wir müssen Investitionen in tiergerechte Ställe endlich ermöglichen und zwar ohne, dass Landwirte jahrelang auf Genehmigungen warten müssen! Denn manchmal scheitert Tierwohl nicht am fehlenden Willen des Landwirts, sondern am fehlenden Platz, am fehlenden Geld oder an fehlender Planungssicherheit. Und das muss sich ändern.
Ich komme noch einmal zurück auf die eingangs von mir gestellte Frage, ob wir wollen, dass ein Rind dauerhaft angebunden steht. Nein. Wir wollen, dass Tiere artgerecht gehalten werden. Und dazu gehört meiner Meinung nach der schrittweise Ausstieg aus der Anbindehaltung, mehr Tierwohl, verlässliche Übergangsfristen, weniger Bürokratie und bundesweit einheitliche Regelungen.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Annabell Krämer Stellvertretende Vorsitzende


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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