
Mit Gebärdendolmetscherin: Kristina Herbst begrüßt die Gäste zur Veranstaltung.
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Zum vierten Mal hat Landtagspräsidentin Kristina Herbst am gestern Abend (14. April) zur Veranstaltungsreihe „Politik trifft Sport“ in den Landtag eingeladen. Rund 100 Gäste aus Politik, Sport und Gesellschaft folgten der Einladung von Landtagspräsidentin Kristina Herbst in den Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses, um über die Frage zu diskutieren, welchen Beitrag der Sport für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe leisten kann. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Thema Inklusion – ein zentrales gesellschaftspolitisches Anliegen, das sowohl im Sport als auch darüber hinaus eine immer größere Rolle spielt. Ziel der Reihe ist es, den Austausch zwischen Politik und organisiertem Sport zu stärken und gemeinsame Perspektiven für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.
In ihrer Begrüßung betonte Landtagspräsidentin Kristina Herbst die grundlegende Bedeutung des Themas: „Inklusion ist ein Menschenrecht und seit vielen Jahren fest in unserer Verfassung verankert. Sie betrifft nicht nur eine kleine Gruppe, sondern einen erheblichen Teil unserer Gesellschaft“, unterstrich Herbst. Gerade im Sport werde deutlich, wie vielfältig Menschen sind – und wie selbstverständlich sie zusammenkommen können. „Der Sport zeigt uns, was möglich ist, wenn wir Vielfalt als Stärke begreifen. Er steht für Zusammenhalt und für Begegnungen auf Augenhöhe. Dabei geht es nicht darum, Menschen nur mitzunehmen, sondern sie von Anfang an einzubeziehen. Echte Teilhabe bedeutet, dass alle ganz selbstverständlich dazugehören. Der Sport kann hier Brücken bauen und Vorurteile abbauen. Deshalb sollten wir auch in der Politik die bestehenden Strukturen immer wieder hinterfragen und weiterentwickeln, damit sie für alle Menschen gerecht sind“, schloss die Landtagspräsidentin.
Wichtiger Beitrag auf dem Weg in eine inklusivere Gesellschaft
Auch der Vizepräsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein (LSV), Matthias Hansen, hob die herausragende Rolle des Sports hervor: „Sport – und besonders der organisierte Sport im Verein – bringt Menschen zusammen. Er bietet gute Voraussetzungen für Inklusion und Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft. Und er zeigt auch, was möglich ist, wenn Vielfalt selbstverständlich gelebt wird“, führte Hansen aus. Dabei spiele er eine wichtige gesellschaftliche Rolle als Motor für Inklusion, sensibilisiere die Menschen und leiste einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer noch inklusiveren Gesellschaft. „In der Sportlandschaft Schleswig-Holsteins gibt es bereits viele gelungene Beispiele, die weiter ausgebaut werden sollten. Klar ist aber auch, dass die Umsetzung von Barrierefreiheit und geeigneten Angeboten zur Teilhabe dem eigentlichen Bedarf noch nicht gerecht wird“, unterstrich der Vizepräsident des LSV.
Im Anschluss an die Grußworte folgten zwei Gesprächsrunden, in denen Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Verbänden und aktivem Sport unterschiedliche Facetten von Inklusion und Teilhabe beleuchteten. In der ersten Runde diskutierten die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Michaela Pries, der Präsident des Rehabilitations- und Behinderten-Sportverbandes Schleswig-Holstein, PD Dr. Thorsten Schmidt, der stellvertretende Athletensprecher Special-Olympics Christian Heesch sowie die Landestrainerin Para-Taekwondo Martina Lüdders unter der Moderation des Journalisten Andreas Käckell. Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragen: Wie gut funktionieren Inklusion und Teilhabe in unserem Land und wie gut im Sport? Wie sehen Alltag und Sport mit einer Behinderung aus? Welche Hilfestellungen gibt es durch Verbände, Politik, Interessenvertretungen?
Gespräch zur praktischen Umsetzung von Inklusion im Sport
Um den Zugang zu Sportstätten zu verbessern, forderte Michaela Pries eine Verbesserung der Barrierefreiheit. Pries schlug vor: „Wenn Gebäude energetische saniert werden müssen, sollten bei diesen Baumaßnahmen die bauliche Barrierefreiheit obligatorisch sein.“ Christian Heesch erzählte von seiner Arbeit im Athletenrat. Sein Ziel sei es, „die Sichtbarkeit der Special Olympics durch Auftritte im Radio oder TV zu verbessern“. Sein Trainer Jens Meyer (Sportlehrer in den Wohn- und Werkstätten Eiderheim) unterstrich: „ Die Werkstätten haben oft einen eigenen Sportbereich und übernehmen damit in einem Flächenland wie in Schleswig-Holstein eine wichtige Aufgabe in der Inklusion.“ Thorsten Schmidt und Martina Lüdders betonen beide, wie wichtig es sei, dass Menschen eine Wahlmöglichkeit zwischen Breitensport, Para-Sport, Rehasport und Leistungssport haben.
Die zweite Gesprächsrunde richtete den Blick stärker auf die praktische Umsetzung von Inklusion im Sport. Hier diskutierten die mehrmalige Paralympics-Siegerin im Schwimmen und LSV-Vorstandsmitglied Kirsten Bruhn, die Rollstuhl-Basketballerin und Aktivensprecherin des Deutschen Behindertensportverbandes, Mareike Miller, sowie der Präsident von Special Olympics Schleswig-Holstein, Joachim Lehmann, mit dem Moderator Andreas Käckell unter anderem über die Bedeutung des Leistungssports für den Breitensport sowie die Rolle von sportlichen Großereignissen und überregionalen Wettbewerben für den Fortschritt von Inklusion und Teilhabe.
Sichtbarkeit verbessern
Im Mai soll Kirsten Bruhn für ihr Engagement im Sport und ihre sportlichen Erfolge als Ehrenbürgerin von Schleswig-Holstein geehrt werden. Bruhn betonte, dass die Ernennung die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung erhöhe. Sie appellierte: „Man soll Menschen mit Behinderung nicht unterschätzen und ihnen mehr zumuten.“ Um die Barrieren in den Köpfern der Menschen zu überwinden, schlug Mareike Miller vor, dass an den Schulen Berührungspunkte mit dem Para-Sport geschaffen werden. „Para-Sport in den Schulsport zu integrieren, zum Beispiel durch Sitzvolleyball, zeigt Kindern und Jugendlichen, dass Para-Sport Teil des Sports ist und keine separate Kategorie.“
Die Veranstaltung machte deutlich, dass bereits viele erfolgreiche Projekte und Initiativen existieren, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Gleichzeitig besteht weiterhin Handlungsbedarf – etwa bei barrierefreien Sportstätten, inklusiven Angeboten und der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Die Reihe „Politik trifft Sport“ wird seit 2023 im Schleswig-Holsteinischen Landtag durchgeführt und widmet sich jährlich wechselnden Schwerpunkten an der Schnittstelle von Sport und Gesellschaft.
Zum Abschluss bekamen alle Gesprächsteilnehmer eine Yogamatte aus Kork überreicht.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers