Katz kehrte 1946 aus dem Exil nach Deutschland zurück und wirkte als Jurist und schleswig-holsteinischer Justizminister am Aufbau der Demokratie mit. „Die Geschichte dieser jüdischen Remigranten, für die Katz mit seinem Leben und Lebenswerk steht, ist so gut wie vergessen“, sagte der Jurist Klaus-Detlev Godau-Schüttke in seiner Gedenkrede vor 150 Gästen.
Es wirke aus heutiger Sicht befremdlich, dass Katz im Nachkriegsdeutschland Seite an Seite mit seinen früheren Verfolgern gearbeitet und deren Integration bejaht habe. Zugleich sei dadurch ein demokratischer Neuanfang ermöglicht worden, betonte Godau-Schüttke. Katz prägte das Grundgesetz maßgeblich, war in Schleswig-Holstein als Justizminister von 1947 bis 1950 für den personellen Aufbau von Staatsanwaltschaften und Gerichte zuständig und traf später als Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts wichtige Entscheidungen mit.
Schlie: „Wir dulden keinen Antisemitismus“
Landtagspräsident Klaus Schlie erinnerte in seinem Grußwort unter anderem an die „seelischen Verletzungen der Generation von Überlebenden“ und ihrer Nachfahren bis in die Gegenwart. Zudem ging er auf aktuelle Fälle von Antisemitismus ein und betonte: „Ich möchte mit aller Deutlichkeit sagen, dass wir jede Form des Antisemitismus, offen oder versteckt geäußert, nicht dulden – weder von Deutschen noch von Migranten“.
Gebete und Klezmermusik
Im Anschluss an die Gedenkrede sprachen der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region, Igor Wolodarski, und Bischof Gothart Magaard Gebete. Die Klezmerband „Mischpoke“ aus Hamburg begleitete die Feierstunde musikalisch.
Der 27. Januar ist seit vielen Jahren einer der wichtigsten Gedenktage für die Opfer des Nationalsozialismus. Er erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Mit Rücksicht auf den jüdischen Feiertag Schabbat fand die Gedenkstunde in diesem Jahr bereits am 26. Januar statt. Der Landtagsflaggen wehten auf Halbmast.
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