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26. März 2026 – Ausstellung

„Wir widmen uns dem erlebten Schleswig-Holstein von Lenz“

Ohne das Meer, die Küste und die Menschen in Schleswig-Holstein sind die Romane von Siegfried Lenz kaum denkbar. Eine Sonderausstellung im Landtag kombiniert Informationen über das Leben und die Erzählungen des Autors mit Zeichnungen von lokalen Comic-Künstlern.

Ausstellungseröffnung 100 Jahre Siegfried Lenz
Landtagspräsidentin Kristina Herbst: „Jedes Gemeinwesen benötigt einen geistigen Überbau, eine gemeinsame Grundlage, auf die sich die Menschen, die in ihm leben, verständigen können.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Siegfried Lenz (1926-2014) wäre im März hundert Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums wurde gestern Abend (25. März) im Rahmen der Reihe „Kulturland Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) im Landeshaus die Ausstellung „Siegfried Lenz: Mein erlebtes und erzähltes Schleswig-Holstein“ offiziell eröffnet. Die Ausstellung geht auf die besondere Beziehung des Schriftstellers zum „Land zwischen den Meeren“ ein. Dabei trifft Erlebtes auf Erzähltes.

Landtagspräsidentin und Gastgeberin Kristina Herbst betonte in ihrer Eröffnungsrede, wie wichtig Kunst und Literatur für das Land und auch die Politik seien. „Selbstverständlich steht die Gestaltung der Realität im Mittelpunkt jeglicher parlamentarischen Arbeit“, sagte sie. „Zugleich benötigt jedes Gemeinwesen einen geistigen Überbau, eine gemeinsame Grundlage, auf die sich die Menschen, die in ihm leben, verständigen können.“ Das Land Schleswig-Holstein, das in diesem Jahr seinen 80. Jahrestag feiert, sei dafür ein sehr gutes Beispiel. „Schleswig-Holstein als Idee ist weitaus älter als 80 Jahre“, so Herbst. „Sie ging der Realität um über ein Jahrhundert voraus. Vor dem ‚Sein‘ war das ‚Bewusstsein‘ da.“ Daher seien der Abend und die Ausstellung auch mehr als passend: „Wir widmen uns der Realität und der Fiktion Schleswig-Holsteins im Leben und Werk von Siegfried Lenz ­eben seinem erlebten und erzählten Schleswig-Holstein“.

Comic als Idealform

Der Vorstandsvorsitzende der IB.SH, Erk Westermann-Lammers, unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung und Aktualität der Lenz-Ausstellung. Lenz stelle mit seinem Werk eine Frage, die heute vielleicht dringlicher sei als je zuvor: „Welche Welt hinterlassen wir kommenden Generationen?“

Im Anschluss folgte ein Podiumsgespräch mit Günter Berg (Siegfried Lenz Stiftung), Dr. Maren Ermisch (Kuratorin und Mitherausgeberin der Hamburger Ausgabe der Werke von Siegfried Lenz), Tim Eckhorst und Gregor Hinz (Comiczeichner vom Comic-Kollektiv „Pure Fruit“). Lenz habe als ruhig, freundlich und bescheiden gegolten habe, erzählte Berg: „Aber er war ein wacher, politischer, teilnehmender, die Komplexität der menschlichen Seele wahrnehmender Schriftsteller.“ Berg nannte die Comics eine zeitgemäße Umsetzung, die den richtigen Zugang zu Lenz schaffe. „Comic ist die ideale Form, wenn man verständlich Dinge erklären will“, ergänzte Eckhorst. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jan Martensen, Natalie Böttcher sorgte auf dem Akkordeon, dem Instrument des Jahres 2026, für die musikalische Untermalung.

Frischer Blick auf den Schriftsteller

Ausstellungseröffnung 100 Jahre Siegfried Lenz
Bei einer Mitmachstation angeln Besucher nach Zitaten von Siegfried Lenz.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

In Kooperation mit der Siegfried Lenz Stiftung sowie „Pure Fruit“ und 14 weiteren Comic-Zeichnerinnen und Zeichnern aus Schleswig-Holstein werden in der Ausstellung die Lebensstationen von Lenz und die Schauplätze seiner Werke präsentiert. Im nördlichsten Bundesland fand der Schriftsteller Schauplätze für existenzielle Erfahrungen, heitere Begegnungen und eindringliche Beobachtungen. In der Schau werden Fotos, Texte und Objekte aus dem Nachlass von Lenz gezeigt, unter anderem seine Reiseschreibmaschine und seine Gummistiefel. Kombiniert werden diese Zeitzeugnisse mit Bildern und gezeichneten Geschichten der Comic-Künstler. 

Die Ausstellung ist vom 26. März bis 10. Mai 2026, täglich von 10 bis 18 Uhr, geöffnet. Für den Zutritt zum Landeshaus wird ein amtlicher Lichtbildausweis benötigt. Der Eintritt ist kostenlos. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Sonderheft der Comic-Reihe „Pure Fruit“.

Siegfried Lenz Austellung 2026
Schnappschuss aus der Ausstellung: Eine Pappaufsteller von Siegfried Lenz und eine originale Reiseschreibmaschine.
Foto: Landtag, Lea Becher

Infobox

Siegfried Lenz (1926–2014) zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Für sein vielfältiges Werk wurde er mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Seine Erzählungen, Romane, Essays und Theaterstücke kreisen um gesellschaftliche Fragen, immer wieder beteiligte er sich mit Reden und Stellungnahmen auch an politischen Auseinandersetzungen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Deutschstunde (1968), Heimatmuseum (1978) und Arnes Nachlaß (1999). Siegfried Lenz wurde im ostpreußischen Lyck geboren. Er lebte in Hamburg und viele Monate im Jahr auch in Tetenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg), wo er ein Ferienhaus besaß. Am 2. Dezember 2004 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft Schleswig-Holsteins verliehen.

Ausstellungseröffnung 100 Jahre Siegfried Lenz
Ausstellungseröffnung 100 Jahre Siegfried Lenz
Ausstellungseröffnung 100 Jahre Siegfried Lenz
Siegfried Lenz Ausstellung 2026