Siegfried Lenz (1926-2014) wäre im März hundert Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums wurde gestern Abend (25. März) im Rahmen der Reihe „Kulturland Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) im Landeshaus die Ausstellung „Siegfried Lenz: Mein erlebtes und erzähltes Schleswig-Holstein“ offiziell eröffnet. Die Ausstellung geht auf die besondere Beziehung des Schriftstellers zum „Land zwischen den Meeren“ ein. Dabei trifft Erlebtes auf Erzähltes.
Landtagspräsidentin und Gastgeberin Kristina Herbst betonte in ihrer Eröffnungsrede, wie wichtig Kunst und Literatur für das Land und auch die Politik seien. „Selbstverständlich steht die Gestaltung der Realität im Mittelpunkt jeglicher parlamentarischen Arbeit“, sagte sie. „Zugleich benötigt jedes Gemeinwesen einen geistigen Überbau, eine gemeinsame Grundlage, auf die sich die Menschen, die in ihm leben, verständigen können.“ Das Land Schleswig-Holstein, das in diesem Jahr seinen 80. Jahrestag feiert, sei dafür ein sehr gutes Beispiel. „Schleswig-Holstein als Idee ist weitaus älter als 80 Jahre“, so Herbst. „Sie ging der Realität um über ein Jahrhundert voraus. Vor dem ‚Sein‘ war das ‚Bewusstsein‘ da.“ Daher seien der Abend und die Ausstellung auch mehr als passend: „Wir widmen uns der Realität und der Fiktion Schleswig-Holsteins im Leben und Werk von Siegfried Lenz eben seinem erlebten und erzählten Schleswig-Holstein“.
Comic als Idealform
Der Vorstandsvorsitzende der IB.SH, Erk Westermann-Lammers, unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung und Aktualität der Lenz-Ausstellung. Lenz stelle mit seinem Werk eine Frage, die heute vielleicht dringlicher sei als je zuvor: „Welche Welt hinterlassen wir kommenden Generationen?“
Im Anschluss folgte ein Podiumsgespräch mit Günter Berg (Siegfried Lenz Stiftung), Dr. Maren Ermisch (Kuratorin und Mitherausgeberin der Hamburger Ausgabe der Werke von Siegfried Lenz), Tim Eckhorst und Gregor Hinz (Comiczeichner vom Comic-Kollektiv „Pure Fruit“). Lenz habe als ruhig, freundlich und bescheiden gegolten habe, erzählte Berg: „Aber er war ein wacher, politischer, teilnehmender, die Komplexität der menschlichen Seele wahrnehmender Schriftsteller.“ Berg nannte die Comics eine zeitgemäße Umsetzung, die den richtigen Zugang zu Lenz schaffe. „Comic ist die ideale Form, wenn man verständlich Dinge erklären will“, ergänzte Eckhorst. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jan Martensen, Natalie Böttcher sorgte auf dem Akkordeon, dem Instrument des Jahres 2026, für die musikalische Untermalung.
Frischer Blick auf den Schriftsteller