Seit 1870 hat Schleswig-Holstein ein zentrales Archiv für politisch, juristisch und gesellschaftlich wertvolle Dokumente. Das damalige preußische Staatsarchiv war der Vorgänger des 1947 ins Leben gerufenen Landesarchivs. Zum 150. Jubiläum – wegen der Corona-Pandemie um zwei Jahre verspätet – haben Politiker und Archivare bei einer Podiumsdiskussion im Landeshaus über die aktuelle Bedeutung und über künftige Herausforderungen debattiert. Am Ende gab es drei wesentliche Erkenntnisse.
1. Archive sind wichtig für die Demokratie
Archive seien Tore zur Vergangenheit und stellten Transparenz her, sagte Landtagsvizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber in ihrer Eröffnungsrede. Damit seien sie in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft Garanten dafür, dass tendenziöse Geschichtsinterpretation nicht als Waffe nationalistischer Machtansprüche missbraucht werden könnten. „Wie hochaktuell das ist, erleben wir leider gerade, wenn nicht weit von Deutschland entfernt, auch unter Berufung auf die Geschichte, Grenzen mit militärischer Macht verschoben werden sollen und Krieg gerechtfertigt wird“, betonte Eickhoff-Weber mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine.
Johannes Rosenplänter vom Verband Schleswig-Holsteinischer Kommunalarchivarinnen und -archivare wies darauf hin, dass nicht nur das Land, sondern auch Kommunen, Ämter und Kreise Archive unterhielten: „Das zeigt, wie unsere Demokratie aus den Gemeinden erwächst.“
2. Die Digitalisierung macht vieles komplizierter
Seit Kommunikation weitgehend digital verläuft, sei die Menge an Informationen rasant angestiegen, merkte CDU- Fraktionschef Tobias Koch an: „Einen Brief zu schreiben war früher viel aufwändiger als heute eine E-Mail.“ Zudem sei es schwieriger, auf dem Mobiltelefon oder dem PC gespeicherte elektronische Daten zu sichten als bei einem traditionellen Papierarchiv.
Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Eka von Kalben, sah „Luft nach oben“ bei der persönlichen Archivierung - etwa bei Instagram-Posts. Und Christopher Vogt (FDP-Fraktionsvorsitzender) rief dazu auf, die digitalen Dateien „sehr gewissenhaft zu pflegen“. Die Politik müsse „dafür sorgen, dass das Großhirn des Landes besser aufbereitet wird“.
3. Auch die Politik kann mithelfen
Manche Dokumente, etwa interne Absprachen über politische Initiativen oder Gesetzesvorhaben, seien „heikel, aus der Hand zu geben“, so von Kalben. Martin Habersaat (SPD) verwies auf Absprachen am Rande von Koalitionsverhandlungen: „Wer archiviert das, und wer ist für die Übergabe zuständig?“ Der Leiter des Landesarchivs, Prof. Rainer Hering, rief die Politik auf, diese Dokumente trotz der Bedenken an die Archivare zu übergeben: „Wir können Diskretion gewährleisten, und es wäre ein großer Verlust, wenn diese Unterlagen verloren gehen würden.“
Auch Lars Harms, Vorsitzender des SSW im Landtag, appellierte, heute schon an künftige Generationen zu denken, und den Menschen in 50 Jahren zu zeigen, „wie das Leben damals im Landtag war“. Harms, seit 2000 im Parlament, nannte ein Beispiel: „Mein erster Abgeordnetenausweis, ein kleines graues Heft“.