Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada steht an, und viele Sportbegeisterte in Deutschland fragen sich, wie sie mit dem Großereignis umgehen sollen. Kann man über Tore und Siege jubeln, wenn sich die US-Regierung wenig gastfreundlich präsentiert und Fans astronomische Ticketpreise stemmen müssen? Die Onlineredaktion hat den sportpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen zwei Fragen gestellt:
- Sollte Deutschland es nicht schaffen – wem würden Sie den WM-Titel gönnen?
- Es ist eine WM in einem schwierigen politischen Umfeld. Können Sie das Turnier trotzdem genießen?
Kianusch Stender, SPD:
Frage 1: „Ich drücke natürlich der deutschen Nationalmannschaft die Daumen. Wer in den letzten Turnieren aber immer mit tollem Fußball und toller Fankultur aufgefallen ist, sind afrikanische Teams wie die Elfenbeinküste, Ghana oder Senegal, aber auch südamerikanische Staaten wie Uruguay und Paraguay. Denen würde ich das auf jeden Fall gönnen!“
Frage 2: „Ich habe dazu vor kurzem mit Ingo Zamperoni sprechen können, der mit ‚Spielfeld der Macht‘ eine tolle Doku zu dieser Frage rausgebracht hat. Wir sind uns einig: Diese WM ist vor dem Hintergrund der politischen Lage der USA keine normale WM. Ich freue mich vor allem auf die Spiele in Mexiko und Kanada.“
Martin Balasus, CDU:
Frage 1: „Curaçao – denn: Small is beautiful, und je weiter die kommen, desto peinlicher ist es für die großen Teams. Man erinnere sich an Griechenland bei den Europameisterschaften 2004.“
Frage 2: „Natürlich genieße ich – und erlaube es mir auch. Denn leider hat es noch niemals eine Zeit des vollkommenen Glücks und Friedens gegeben und wird es wohl auch nie geben. Wenn man also überhaupt Fußball oder Olympia oder einen neuen Kinofilm oder etwas anderes Schönes genießen können möchte, ist der Zeitpunkt einerlei. Dementsprechend ist es unmöglich, Freude am Genuss an Ereignissen festzumachen, die man nicht beeinflussen kann.“
Jasper Balke, Grüne:
Frage 1: „Norwegen.“
Frage 2: „Zwei korrupte Präsidenten in kaputter FIFA und den politisch aufgeheizten USA erschweren den einfachen Genuss des Fußballs sehr. Ich freue mich auf die Spiele der Deutschen Nationalmannschaft und wünsche mir nach der WM eine öffentliche internationale Debatte, die eine grundlegende Reform der FIFA zur Voraussetzung für die nächste WM macht.“
Annabell Krämer, FDP
Frage 1: „Ich würde mich über einen sehr über einen richtigen Außenseitersieg freuen.“
Frage 2: „Leider bin ich kein großer Fan der Fußball-WM. Die Kommerzialisierung und die fragwürdigen Vergabeverfahren haben meine Leidenschaft sehr erlöschen lassen. Sicherlich, der Veranstalter und die FIFA dürfen auch ein Gewinnerzielungsinteresse verfolgen, aber durchschnittliche Ticketpreise von über 500 Dollar lassen mich kopfschüttelnd zurück. Sportliche Großereignisse sollten auch ganzen Familien zugänglich sein. Von einem FIFA-Präsidenten, der sämtliche Mitgliedsländer vertritt, erwarte ich zudem politische Neutralität. Dieses ist bekanntermaßen bei Infantino mehr als zweifelhaft. Nationalspieler sind die Helden unserer Kinder. Insofern befremdet es mich, dass der DFB bei der Nominierung das Verhalten der Spieler auf und neben dem Platz nicht immer hinreichend berücksichtigt. Hierzu zählen aus meiner Sicht respektvoller Umgang mit Fans, Medien, Mitspielern und Gegnern.
Ich freue mich auf den Bundesligastart am 28. August mit meinen Schalkern.“