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21.03.24
19:02 Uhr
B 90/Grüne

Nelly Waldeck zum Güterverkehr

Presseinformation

Rede zu Protokoll gegeben! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 12 – Güterverkehrskonzept für Schleswig-Holstein erstellen Pressesprecherin Claudia Jacob Dazu sagt die mobilitätspolitische Sprecherin der Landeshaus Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Nelly Waldeck: Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh-gruene-fraktion.de
Nr. 119.24 / 21.03.2024

Die Verkehrswende im Güterverkehr gehört zu einer modernen Industriepolitik Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,
ohne Gütertransport funktioniert bei uns nichts. Wir brauchen Güterverkehr, für unsere Ernährung, die Energiewende, die Industrie - unseren Konsum. Er macht aber auch viele Probleme: Lärm, Schadstoffe, Unfälle und rund ein Drittel der Treibhausgase im Verkehr.
Dennoch wird es weiterhin viel Güterverkehr geben und für den gilt: Fossilen Sprit gibt es in Deutschland nur noch 15 bis maximal 20 Jahre. Das erfordert bei Pkw bereits eine herausfordernde Transformation, auch wenn eineinhalb Millionen E-Autos schon den Weg zeigen - aber bei Lkw ist das noch sehr viel schwieriger.
Und welcher Antrieb sich auch immer bei Lkw durchsetzen wird: Er wird immer deut- lich weniger effizient sein als die Verlagerung auf Schiff oder Schiene. Jeder Lkw, der fährt und damit 4 bis 5 mal so viel Energie verbraucht wie selbiger Transport auf der Schiene, steht im Energiebedarf in Konkurrenz mit anderen Sektoren wie Haushalten, Wärme oder Industrie.
Die nötige Verlagerung bietet aber im Prinzip große Chancen: Weniger Lkw heißt we- niger Lärm, Schadstoffe und Unfälle. Die Staus auf Autobahnen werden reduziert und auch der Fachkräftemangel wird kleiner, denn jeder Güterzug, der fährt, ersetzt bis zu fünfzig Lkw.
Und: Unternehmen wie Northvolt fordern eine funktionierende Schiene ein. Das zeigt doch ganz deutlich, dass die Verkehrswende im Güterverkehr ebenfalls zu einer mo- dernen Industriepolitik gehört.
Seite 1 von 2 Der Wechsel vom LKW auf die Bahn ist aber so schwierig geworden, dass viele Unter- nehmen sich nicht einmal vorstellen können, ihre Logistik irgendwann auf der Schiene abzuwickeln. Die Gründe sind immer dieselben: Unzuverlässigkeit, kaputte Infrastruk- tur, zu wenige Verladeterminals. Und selbst mit erheblicher Förderung für einen Gleis- anschluss schrecken Geschichten, wie die von BAT Agrar in Ratzeburg, die ganze 5 Jahre für Genehmigung und Bau eines einzelnen Gleisanschlusses brauchten, ab.
Das alles macht den Wechsel sehr herausfordernd, aber nicht weniger nötig oder sinn- voll. Deswegen wollen wir viele dieser Themen angehen. Die Infrastruktur muss in Zu- sammenarbeit mit der Deutschen Bahn besser werden und unser Netz resilienter. Wir brauchen Ausweichgleise und traglastfähige Strecken.
Besondere Relevanz hat dabei die Strecke Neumünster - Bad Oldesloe. Denn jedes Mal, wenn es auf der Strecke Flensburg - Neumünster - Elmshorn zu Störungen kommt, wirkt sich das im gesamten System aus und der Verkehr steht still. Deswegen muss der Ausbau dieser Strecke mit besonderer Geschwindigkeit vorangehen. Genau diesen Weg gehen wir.
In den allermeisten Fällen kann die Schiene allerdings nicht die Gesamtstrecke abde- cken. Die Zukunft ist der Kombinierte Verkehr. Das heißt: Von der Fabrik per Lkw zum nahen Terminal, per Zug zum Terminal nahe des Ziels und per Lkw zur anderen Fab- rik. Das lohnt sich ab etwa 250 Kilometern, was dreiviertel der Verkehrsleistung aus- macht. Die Hälfte der Verkehrsleistung liegt sogar über 400 Kilometern. Da ist viel zu holen.
Dazu braucht es eben aber auch moderne Verladeterminals. Wir können nicht erwar- ten, dass jede Spedition diese für sich selbst baut. Daher ist die Koordinierung der Be- darfe und Auslastung bestehender Angebote so bedeutsam. Und genau deshalb freue ich mich auch, dass wir trotz herausfordernder Haushaltslage noch Geld für die Unter- stützung eines Railcoaches bei der IHK einstellen konnten. Wir bitten heute die Lan- desregierung, die Gespräche für die Einrichtung mit der IHK zu starten.
Ich danke dem SSW also für den Aufschlag, aber habe mich doch gefragt, was das Ziel Ihres Güterverkehrskonzeptes sein soll. Das letzte Güterverkehrskonzept dieser Landesregierung wurde 2020 beauftragt und war immerhin 116 Seiten lang. Welche Erkenntnisse dort fehlen, habe ich zumindest noch nicht verstanden.
Wir brauchen klare Schritte für neue Schienen, Ladeinfrastruktur und Terminals, um an der Dekarbonisierung und der Verlagerung zu arbeiten. An einem Konzept ohne Zielsetzung fehlt es nicht.
Vielen Dank!
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