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22.03.24
12:41 Uhr
SPD

Martin Habersaat zu TOP 41: Der Staat muss sich für die Umsetzung der Ansprüche interessieren, die er formuliert – auch beim Schwimmen

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 22. März 2024
Martin Habersaat: Der Staat muss sich für die Umsetzung der Ansprüche interessieren, die er formuliert – auch beim Schwimmen TOP 41: Schriftlicher Bericht über die Schwimmfähigkeit der Schülerinnen und Schüler in der 4. Klassenstufe (Drs. 20/1611, 20/1855)
„Zunächst einmal möchte ich mich bei der Landesregierung für den schriftlichen Bericht bedanken. Für alle vier Seiten, wenn wir Deckblatt und Inhaltsverzeichnis einmal abziehen. Sieben Seiten kommen hinzu durch meine Kleine Anfrage mit Nachfragen zum Bericht. Ich kann verstehen, dass die Landesregierung ihre Ausführungen zu diesem Thema möglichst kurzhält. Denn auch an diesem Thema lässt sich verdeutlichen, was wir als Problem in dieser Woche schon an verschiedenen Stellen besprochen haben: Es ist blöd, wenn der Staat Ansprüche formuliert, die in der Praxis vor Ort nicht erfüllbar sind. Oder für deren Umsetzung er sich dann nicht interessiert. Das führt dazu, dass wir entweder die Ansprüche herunterschrauben oder dafür sorgen müssen, dass sie in der Praxis erfüllt werden können.
Die Landesregierung entscheidet sich allerdings recht häufig für einen dritten Weg: An den Ansprüchen wird festgehalten und es wird behauptet, dass sie vielleicht eines Tages doch erfüllt werden können. Und solange sehen wir nicht so genau hin.
Der Anspruch findet sich im Rahmenplan Sport. Gemäß den Fachanforderungen für die Primarstufe ist das Ziel des Sportunterrichts folgendes: Die Schülerinnen und Schüler kennen Möglichkeiten und Gefahren des Bewegungsraums Wasser, sie bewältigen eine Schwimmtechnik in der Grobform sicher. Als Inhalt des Unterrichts wird weiter „ausdauerndes Schwimmen zunehmend längerer Strecken“ genannt. Es wird aber nicht abgefragt, ob das in Klasse 4 geklappt hat. Immerhin wissen wir: 48 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben das Bronze-Abzeichen in Klasse 4 erworben. Jetzt kann man sagen, dass die Hälfte des Ziels schon geschafft ist und die Schulen ja noch bis zum Ende von Klasse sechs Zeit haben für die fehlenden 52 Prozent.
Man kann aber auch sagen: Die Kinder, deren Eltern das Schwimmen lernen privat organisiert haben oder deren Grundschulen ein gutes Konzept, die nötigen Lehrkräfte und ausreichend Hallenzeiten in der Region haben, sind in diesen 48 Prozent erhalten. Die schwierigeren Fälle finden sich bei den offenen 52 Prozent. Wenn das der Durchschnitt ist, liegt es auf der Hand, dass es in einzelnen Regionen oder Kreisen schlimmer aussieht.

1 Zur Umsetzung der Fachanforderungen Sport wurde 2023 in den Kreisen und kreisfreien Städten ein Monitoring zur Durchführung des Schwimmunterrichts eingeführt, teilt uns die Landesregierung im Bericht mit. Wie das Monitoring aussieht, erfahren wir nicht. Immerhin aber auf Nachfrage: „Alle Schulen, die im zweiten Quartal 2023 organisatorische Schwierigkeiten bei der Sicherstellung des Schwimmunterrichts hatten, konnten sich an die Schulämter bzw. den zuständigen Kreisschulsportbeauftragten wenden, um eine entsprechende Beratung zu erhalten. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden nicht erhoben.“
Aha. Und nun? „Herausforderung bleibt die flächendeckende Verfügbarkeit von Schwimmstätten in allen Kreisen. Es braucht eine ausreichende Anzahl an Schwimmstätten in erreichbarer Entfernung der Schulen, in den Schwimmstätten eine Priorität für die Belegung durch Schulen - insbesondere durch Grundschulen - und schließlich die Gewährleistung der Übernahme der Kosten für die Fahrtwege zu Schwimmstätten.“
Und wie lösen wir das? Im zweiten Quartal 2023 fand schulgesetzwidrig an 96 Grundschulen in Schleswig-Holstein kein Schwimmunterricht statt. ¼ der Grundschulen im Land! 13 im Kreis Rendsburg-Eckernförde, 21 im Kreis Segeberg. Schaltet sich die Landesregierung da ein? Anregungen finden Sie in Drucksache 20/824 von FDP, SSW und SPD. Vielleicht wären ein paar mehr Seiten Bericht doch keine schlechte Idee gewesen. Immerhin: In Kürze erwartet uns eine Fortsetzung, dann reden wir über Klasse 6.“



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