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07.05.26 , 13:14 Uhr
B 90/Grüne

Sebastian Bonau zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten

Presseinformation Nr. 26.140 07.05.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 16 – Mündlicher Bericht zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten Dazu sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sebastian Bonau:
Fossile Energieträger machen uns abhängig, finanzieren anti-demokratische Regime und zerstören unsere Umwelt
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen, seit dem 24. Februar 2022 steht unser politisches Handeln unter den Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Kein Wahlprogramm war darauf ausgelegt, in eine Energiekrise zu rutschen und niemand hatte die Absicht, eine Legislaturperiode im Sparmodus anzugehen. Jetzt, gut vier Jahre später, setzen wir uns mit den Auswirkungen eines Angriffs der USA auf Iran auseinander. Dies zeigt einmal mehr: Die Welt ist unsicherer geworden. Multiple Krisen prägen unseren Alltag und lieb gewonnene Gewissheiten sind zerbrochen. Diese Welt wird durch den Angriff auf Iran keine friedlichere oder sicherere werden. Es gibt jedoch Erkenntnisse, die uns solche Zeiten nochmal verdeutlichen: Wir müssen unabhängiger werden. Ich wiederhole mich an dieser Stelle gerne: Wir müssen die Energiewende noch energischer vorantreiben. Das beinhaltet neben der Elektrifizierung von Heizen und Mobilität sämtliche Bereiche des Lebens. Ja, wir müssen zu einem Staat werden, der elektrische Energie in den Fokus nimmt. In Schleswig-Holstein sind wir als Land bereits Vorreiter. Dies betrifft nicht nur den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, auch im Ausbau der Batteriespeicher gehen wir voran. Denn die Sonne scheint nicht in der Nacht und der Wind weht auch bei uns nicht immer. Aber: 100 Prozent erneuerbare Energien sind möglich und notwendig, nicht nur in Schleswig-Holstein. Wir sehen es gerade wieder mit voller Wucht: Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien. Niemand muss ein anderes Land angreifen, um den Zugriff auf Sonne oder Wind zu erhalten. Daher gehe ich vielleicht sogar noch einen Schritt weiter, denn aus meiner Sicht sind erneuerbare Energien auch Friedensenergien! Bei Öl, sei es in Form von Benzin, Diesel oder Heizöl, spüren es die Verbraucher*innen derzeit extrem. Und auch das Gas wird absehbar teurer werden. Denn rund 20 Prozent des globalen Transits von LNG und Öl muss durch die Straße von Hormus. Dauert die derzeitige Sperrung an, werden die Preise weiter steigen, mit extremen Folgen. Andere Routen durch den Suez-Kanal oder das Rote Meer sind auch keine Alternative. Diese Routen werden durch die Huthi-Miliz bedroht. Der Iran hat die Welt als Geisel. Es muss also endlich ein Umdenken stattfinden: Fossile Energieträger sichern uns keine stabilen Preise, sie machen uns abhängig von globalen Lieferketten, finanzieren anti-demokratische Regime und zerstören unsere Umwelt. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, bei dem wir die Auswirkungen des Iran- Krieges auf die schleswig-holsteinische Wirtschaft spüren: Auch im digitalen Raum verbessert sich die Lage durch einen weiteren Konflikt nicht. Der Handel und die Ausnutzung sogenannter Zero-Day-Exploits macht alle Unternehmen angreifbar, die ebenjene Hard- und Software mit Sicherheitslücken einsetzen. Angriffe oder Rückschläge im digitalen Raum finden zudem selten sehr gezielt statt. Bereits nach dem völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine wurden wahllos tausende Satellitenmodems außer Betrieb gesetzt, darunter auch Modems von Windkraftanlagen in Deutschland. Die Folgen waren nicht nur technische Probleme, sondern ein reales wirtschaftliches Risiko für die Betreiber*innen. Solche Cyberangriffe können Lieferketten unterbrechen, Produktionsanlagen stilllegen oder kritische Infrastruktur treffen, vom Hafenbetrieb über Logistikunternehmen bis hin zu Energieanlagen. Gerade für ein exportorientiertes und stark vernetztes Wirtschaftsland wie Schleswig-Holstein bedeutet das: Digitale Sicherheit ist längst ein Standortfaktor geworden. Im Rahmen der Landesverwaltung haben wir uns bereits auf den Weg zur digitalen Souveränität gemacht. Nun muss auch die Wirtschaft die Zeichen der Zeit erkennen. Das kann nicht nur, es muss unter einem geeinten Europa geschehen. Ein Europa, das sich unabhängig macht von fossilen Energieträgern und proprietären Hard- und Softwarelösungen. Gemeinsam sind wir stark und gemeinsam können wir Schleswig-Holstein, Deutschland und Europa zu einem klimaneutralen Industrieland machen. Liebe Kolleg*innen, meine Gedanken sind bei allen Menschen in Iran und sonst wo auf der Welt, die sich für die Demokratie einsetzen. Wir können nur hoffen, dass die brüchige Waffenruhe zu einem echten Frieden wird. Dieser völkerrechtswidrige Krieg hätte nie begonnen werden dürfen! Lassen Sie uns zusammen alles geben, dass Menschen nicht weiter unter Kriegen leiden müssen. Kriege, die wir durch unseren Energiebedarf oder unseren sonstigen Konsum befeuern. Vielen Dank! *** Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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