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16.09.26 , 10:32 Uhr
CDU

Tobias Koch: Aktuelle Stunde: Der richtige Kurs ist bereits gesetzt

PISA-Ergebnisse | 16.09.2026 | Nr. 278/26
Tobias Koch: Aktuelle Stunde: Der richtige Kurs ist bereits gesetzt Es gilt das gesprochene Wort!
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren,
die PISA-Ergebnisse 2025 sind ein wirklich ernstes Warnsignal: Viel zu viele Jugendliche in Deutschland haben Probleme mit grundlegenden Fähigkeiten. Beim Lesen und in Mathematik verfehlt rund jeder Dritte das Mindestniveau, in den Naturwissenschaften sind es 27 Prozent.
Das alles ist beunruhigend, denn es geht doch letztendlich um die Frage, ob junge Menschen später eine Ausbildung bewältigen, ein Studium aufnehmen und vor allem darum, ob sie eigenverantwortlich ihr Leben gestalten können. Die Befunde aus der PISA-Studie dürfen deshalb weder relativiert werden, aber genauso wenig sollten sie vorschnell politisch vereinnahmt werden.
Ich sage das auch als Vater von zwei Kindern. Wer Kinder hat, weiß, wie sehr einen die Frage beschäftigt, ob sie gute Chancen haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Als Politiker kommt eine weitere Verantwortung hinzu: Wir entscheiden mit darüber, welche Bedingungen Schulen haben und wie gut Kinder lernen und ihr Potenzial entfalten können.
Ich erinnere mich noch gut an den PISA-Schock im Jahr 2001. Danach war die Hoffnung groß, dass Politik und Gesellschaft verstanden haben, was zu tun ist. Vieles wurde angepackt und tatsächlich stiegen die Ergebnisse bis 2012 beziehungsweise 2015 kontinuierlich an. Seitdem sinken die Leistungen aber wieder. Ernüchternd müssen wir heute feststellen, dass die Ergebnisse von 2025 sogar noch unter denen aus dem Jahr 2001 liegen.
Notwendig ist zunächst, argumentativ sauber zu bleiben: PISA ist eine internationale Vergleichsstudie. Das veröffentlichte Ergebnis ist ein Ergebnis für Deutschland. Es ist deshalb falsch, aus PISA unmittelbar eine Bilanz der schleswig-holsteinischen Bildungspolitik abzuleiten.
Aber diese Feststellung darf keine Ausrede sein: Wenn Deutschland bei grundlegenden Kompetenzen so deutlich zurückfällt, dann müssen auch wir in Schleswig-Holstein genau hinschauen.



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Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Klar ist: Es gibt nicht die eine Ursache. Wer eine einzige Erklärung anbietet, der macht es sich zu einfach.
Ein Punkt ist die stark veränderte Zusammensetzung unserer Schülerschaft. In Schleswig-Holstein hatten 2024 rund 19,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Zehn Jahre zuvor waren es 8,5 Prozent. Der Anteil hat sich damit innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt.
Meine Damen und Herren, das ist jetzt keine Wertung und erst recht keine Schuldzuweisung. Diese Zahlen verdeutlichen aber eine reale zusätzliche Aufgabe für die Schulen. Viele Kinder kommen mit sehr geringen Deutschkenntnissen in KiTa und Schule. Manche haben unterbrochene Bildungsbiografien, manche Flucht und Krisen erlebt.
Deutschland hat seit 2015 in erheblichem Umfang humanitäre Zuwanderung aufgenommen – und dabei gerade nicht danach ausgewählt, welche schulischen oder beruflichen Voraussetzungen Menschen mitbringen, sondern denen geholfen, bei denen die Not am größten war.
Deshalb lohnt an dieser Stelle ein Vergleich mit Kanada: Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland und schneidet bei PISA deutlich besser ab. Aber das kanadische Einwanderungssystem ist in weit stärkerem Maße auf qualifikations- und arbeitsmarktbezogene Zuwanderung ausgerichtet. 2024 entfielen dort 58 Prozent der dauerhaften Zuwanderung auf wirtschaftliche Zuwanderung und nur rund 20 Prozent auf Flüchtlinge und humanitäre Katastrophen.
Migration führt also nicht zwangsläufig zu schlechteren Bildungsergebnissen, aber die Ausgangsvoraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Entscheidend sind Sprachkenntnisse, Bildungsbiografien und die Fähigkeit eines Bildungssystems, vorhandene Unterschiede möglichst früh auszugleichen.
Ein früher Spracherwerb ist dafür absolut zentral. Wer nicht ausreichend Deutsch versteht und spricht, der kann dem Unterricht nicht folgen. Und wer schon in Klasse 1 bei einfachen Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum bis 20 nicht mitkommt, dem fehlen später auch die Grundlagen für Biologie, Physik oder Chemie.
Ein zweiter Punkt – denn es gibt wie gesagt nicht die eine Ursache – sind die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den Elternhäusern. Nicht jedes Kind wächst in einem Umfeld auf, in dem viel gesprochen, vorgelesen oder gemeinsam gelernt wird. Nicht jedes Kind bekommt bei Hausaufgaben Unterstützung. Nicht jedes Kind lernt früh, sich zu konzentrieren und bei einer Aufgabe zu bleiben.
Schule muss diese Unterschiede so gut wie möglich ausgleichen. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Bildung beginnt nicht erst am ersten Schultag. Hier sind auch die Eltern gefordert und wir müssen die Zeit in der KiTa nutzen, um bei Defiziten frühzeitig gegenzusteuern.
Drittens müssen wir über die Gefahren des modernen Medienkonsums sprechen.


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Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Viele Kinder und Jugendliche verbringen täglich unzählige Stunden am Smartphone. Kurze Videos, dauernde Reize und permanente Erreichbarkeit machen etwas mit Aufmerksamkeitsspannen und Konzentration. Lernen braucht aber Konzentration und darum dürfen wir diesen Zusammenhang nicht ignorieren.
Es war deshalb genau richtig, die private Handynutzung an unseren Schulen bis einschließlich Klasse 9 klar zu verbieten. Und es ist und bleibt genauso richtig, dass wir uns als CDU für strengere Altersgrenzen für die Sozialen Medien einsetzen.
Meine Damen und Herren, die Ergebnisse von PISA sind nicht überraschend. Auch andere Bildungsstudien der letzten Jahre haben gezeigt, dass grundlegende Fähigkeiten, etwa im Lesen, Schreiben und Rechnen, nachlassen. Deshalb haben wir in Schleswig-Holstein bereits lange vor PISA 2025 begonnen, gegenzusteuern.
Ein Schwerpunkt ist die Unterrichtsversorgung, denn Unterricht muss stattfinden! Wir haben die Unterrichtsversorgung in den letzten Jahren auf über 100 Prozent erhöht und stabilisiert. Trotz einer mehr als angespannten Haushaltslage haben wir mit der Bildungsoffensive Anfang des Jahres noch einmal 200 zusätzliche Stellen für Vertretungsunterricht geschaffen. Die Unterrichtsversorgung steigt damit im Schuljahr 2026/27 auf mindestens 103 Prozent an allen allgemeinbildenden Schulen.
Zudem haben wir mehrere Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht, um Lehrer gezielter für Bedarfsregionen und Mangelfächer zu gewinnen. Dazu gehören neue Zugangswege in den Lehrerberuf, Programme wie Abordnung Plus oder der Anwärtersonderzuschlag.
Ein zweiter Schwerpunkt sind die Basiskompetenzen in der Grundschule. Jeweils eine Stunde mehr Deutsch und Mathematik in den Klassen 1 und 2, das Leseband, Lernstandserhebungen und eine daran anknüpfende, individuelle Förderung folgen einem einfachen Gedanken: Lesen, Schreiben und Rechnen müssen sitzen.
Genau diesem Ziel dient auch EVi. Noch sind wir in der Modellphase 2, aber ab 2028 wird der Sprachstand aller Kinder in Schleswig-Holstein rund eineinhalb Jahre vor der Einschulung verbindlich festgestellt. Kinder mit erheblichem Unterstützungsbedarf werden an einer verpflichtenden Förderung teilnehmen, bevor sie in die Schule kommen. EVi ist besonders wichtig, weil an einem Punkt angesetzt wird, an dem noch viel aufgeholt werden kann. EVi hilft gerade den Kindern, die zu Hause weniger Unterstützung bekommen. Wir wollen Defizite früh erkennen und gezielt bearbeiten: Das ist ein Meilenstein für mehr Chancengerechtigkeit!
Gleiches gilt für den Ganztag. Guter Ganztag bietet gerade für Kinder, die zu Hause weniger Unterstützung erfahren, zusätzliche Zeit zum Lernen und Üben, für Sport, Bewegung und kulturelle Angebote. Mit dem Rechtsanspruch werden diese Angebote jetzt deutlich ausgebaut.
Und genau dafür haben wir mit über 700 Millionen Euro das größte Schulbauprogramm aufgelegt, das es je in Schleswig-Holstein gegeben hat. Und weil die Kinder im schulischen Ganztag nicht nur betreut werden sollen, beteiligt sich das


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Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Land mit 75 Prozent an allen Betriebskosten und damit auch an allen Qualitätssteigerungen, die vor Ort umgesetzt werden.
All diese Maßnahmen, die wir bereits auf den Weg gebracht haben, haben gemeinsam, dass man ihre Wirkung leider nicht sofort messen kann. Bildungspolitik braucht Zeit. Wenn wir heute die Sprachförderung vor der Einschulung verbessern, sehen wir die Wirkung nicht bereits morgen. Wenn wir heute Deutsch und Mathe in Klasse 1 und 2 stärken, wird erst Jahre später messbar, wie nachhaltig das war.
Ich sage aber auch unmissverständlich: Wir können uns nicht zurücklehnen. Im Gegenteil.
Wir müssen Schule noch stärker auf das Wesentliche konzentrieren. Lesen, Schreiben und Rechnen sind keine altmodischen Fähigkeiten von gestern, sondern auch heute das Fundament für alles Weitere. Wer solide Grundkompetenzen hat und gelernt hat, selbstständig zu denken, der kann sich später vieles erschließen.
Leistung gehört in der Schule dazu. Üben gehört dazu. Eine korrekte Rechtschreibung gehört dazu. Auch Hausaufgaben können sinnvoll sein. Wir sollten nicht so tun, als sei jede Anforderung eine Zumutung. Kinder brauchen Förderung und sie brauchen Zutrauen. Und dazu gehört, ihnen auch mal etwas abzuverlangen.
Wir müssen uns anschauen, wie wir Lehrer von unnötiger Bürokratie entlasten können. Denn ihre Zeit ist im Unterricht, in der Vorbereitung und bei den Schülern am besten eingesetzt.
Und wir müssen die Elternhäuser noch stärker in den Blick nehmen. Schule kann viel leisten, aber sie kann nicht jede Aufgabe übernehmen.
Gleichzeitig müssen unsere Kitas und Schulen dort besonders stark sein, wo diese Unterstützung fehlt. Genau deshalb sind unsere Schwerpunktsetzungen richtig:
Verbindliche Sprachförderung mit EVi, ein starker Ganztag, Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent und die gezielte Unterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen durch das Startchancenprogramm.
PISA mahnt uns, nicht nachzulassen, sondern zu handeln. Und genau das tun wir. Anders als 2001 ist der Kurs aber bereits gesetzt. Und diesen Kurs wollen, werden und müssen wir in den nächsten Jahren weitergehen.



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