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16.09.26 , 10:59 Uhr
FDP

Christopher Vogt zu TOP 1 "Aktuelle Stunde 'PISA - Bildung braucht Priorität'"

16.09.2026 | Bildung
Christopher Vogt zu TOP 1 "Aktuelle Stunde 'PISA - Bildung braucht Priorität'" In seiner Rede zu TOP 1 (Aktuelle Stunde „PISA – Bildung braucht Priorität“) erklärt der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt: 
„Jetzt ist in vielen Medien wieder vom ‚PISA-Schock‘ die Rede. Ich kann das nicht nachvollziehen. Denn ein sprichwörtlicher Schock entsteht ja durch eine unerwartet schlimme Nachricht. Das ist hier aber nicht der Fall!
Die Tatsache, dass die Ergebnisse so schlimm sind wie noch nie, kann doch in Wahrheit niemanden mehr überraschen. Der anhaltende Abwärtstrend beim Bildungsniveau der Kinder und Jugendlichen ist – auch in Schleswig-Holstein – bereits durch verschiedene Studien belegt worden. Und was ich auch nicht mehr nachvollziehen kann, sind die wiederkehrenden Erklärungen und Ausflüchte der Landesregierung angesichts dieser schlimmen Entwicklung. 
Ministerin Stenke erklärte – übrigens ganz ähnlich wie ihre frühere Chefin, Bundesbildungsministerin Prien – recht lapidar die Pandemie, die Zuwanderung und die Haltung der Eltern zur Ursache. Da ist auch jeweils was dran. Aber das ist doch – wenn überhaupt – nur die halbe Wahrheit! Es ist auch nicht die zentrale Aufgabe der Regierung, die Umstände der letzten zehn Jahre nur zu beschreiben. Die spannende und entscheidende Frage ist: Was ist denn die Antwort der Landesregierung darauf und wo sieht die Ministerin – nach bald zehn Jahren im Bildungsministerium – denn ihre eigene Verantwortung für diese katastrophale Entwicklung? 
Eine gute Bildung ist das Beste, was eine Gesellschaft einem jungen Menschen mitgeben kann, damit dieser ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen und aus seinen Talenten das Beste machen kann. Und Bildung ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und deshalb aus guten Gründen eine wichtigsten Kernaufgaben des Staates. Und was macht diese schwarz-grüne Landesregierung? Sie sorgt für immer mehr Unterrichtsausfall an unseren Schulen! Auch in diesem Schuljahr gibt es – trotz gestiegener Schülerzahlen (373.000 statt 370.100) – wieder weniger Lehrkräfte (25.037 statt 25.165). Die Landesregierung spricht aber immer davon, dass sie mehr Lehrerstellen schaffen würde. Aber nur weil man einen Teil der Kürzungen zurücknimmt, werden es noch lange nicht mehr.
Man könnte meinen, die Mathematik-Defizite wären längst in der Regierung angekommen. Hier wird sehr durchschaubare Propaganda betrieben und das ist einfach unredlich! Wer trotz des sinkenden Leistungsniveaus weiter Lehrerstellen kürzt, verschlechtert die Zukunftschancen unserer Kinder. In Schleswig-Holstein fällt ja auf, dass besonders viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen und dass besonders viele Berufsausbildungen abgebrochen werden. Sie versuchen aber leider nicht, den massiven Unterrichtsausfall durch mehr Lehrkräfte zu bekämpfen. Sie haben versucht, den Unterrichtsausfall durch weniger Unterricht zu bekämpfen. Zum Glück konnten wir dazu beitragen, dass die geplanten Kürzungen im Fach WiPo oder Geschichte in der Oberstufe dann doch noch gestoppt wurden.
Wie die Inklusion in Schleswig-Holstein umgesetzt wird, ist in meinen Augen ein weiteres ganz zentrales Problem. Bei Kindern mit körperlichen Einschränkungen ist in den letzten 20 Jahren unglaublich viel Gutes geleistet worden. Dafür gilt allen Beteiligten unser ausdrücklicher Dank! Das ist ein gesellschaftlicher Fortschritt zum Wohle dieser Kinder! Die Umsetzung der Inklusion ist aber ansonsten weitgehend gescheitert! Während die zweite Lehrkraft zur Differenzierung und Förderung in der Regel fehlt, sitzen mittlerweile bis zu fünf Schulbegleiter mit in der Klasse. Diese Schulbegleiter haben in der Regel keine pädagogische Ausbildung und sie dürfen sich jeweils nur um ein einzelnes Kind kümmern. Die Kreise und kreisfreien Städte müssen dafür sehr viel Geld bezahlen, aber so funktioniert das nicht – und deshalb kann man das so nicht immer weiter laufenlassen! Es braucht richtige multiprofessionelle Teams mit ausgebildeten Fachkräften und schlichtweg mehr Lehrkräfte! Mir ist vollkommen klar, dass man hier ein ganz dickes Brett bohren muss, aber wo bleiben die Reformvorschläge und die Initiativen der Landesregierung zu diesem zentralen Thema?
Der Bildungserfolg hängt auch in Schleswig-Holstein noch immer sehr stark vom Elternhaus ab. Von echter Chancengerechtigkeit sind wir leider ziemlich weit entfernt. Das hat aber auch Gründe: Es ist auch in diesem Zusammenhang besonders bitter, dass der Ganztagsausbau vom Bildungsministerium erst verschlafen und dann völlig verstolpert wurde. Viele Kommunen sind angesichts der chaotischen Förderpolitik der Landesregierung auf der Zinne. Über die inhaltliche Ausgestaltung des Ganztages wird dadurch leider kaum noch gesprochen. Hier wurde eine große bildungspolitische Chance vorerst vertan! Das muss sich dringend ändern!
Eines der wenigen Bundesländer, das in den letzten Jahren bildungspolitisch gegen den allgemeinen Trend Erfolge erzielen konnte, ist interessanterweise Hamburg! Dort wurde viel investiert und auf Maßnahmen gesetzt, die die Wissenschaftler empfehlen, wie z.B. Sprachtests für Viereinhalbjährige und entsprechende Fördermaßnahmen. In Schleswig-Holstein soll dies nach jahrelangem Ringen zwischen Bildungs- und Sozialministerium erst 2028 flächendeckend der Fall sein. Das ist meines Erachtens viel zu spät! Das sollten Sie dringend beschleunigen!
Eine Regierung, die die Schuld immer nur bei anderen sucht und weiterhin krampfhaft so tut, als würde man alles richtig machen, braucht kein Mensch! Wer die eigene Verantwortung für das Desaster so vehement verneint, betreibt Realitätsverweigerung! Bildung muss in diesem Bundesland wieder oberste Priorität werden und das muss sich auch entsprechend im Haushalt abbilden. Mit Schwarz-Grün wird das aber erkennbar nichts mehr werden! Die nächste Landesregierung wird nicht nur den Haushalt sanieren müssen, sondern auch die bildungspolitischen Großbaustellen anpacken müssen: Der Unterrichtsausfall muss aktiv bekämpft werden. Bei der Inklusion braucht es dringend Reformen. Verbindliche Sprachtest und Fördermaßnahmen müssen schneller kommen. Der Ganztag muss als große bildungspolitische Chance genutzt werden. Die Grundschulen müssen gestärkt werden. Der Unterricht muss – gerade auch mit Blick auf die KI – modernisiert werden. Die Berufsorientierung muss besser werden.
Auch die Eltern müssen in die Pflicht genommen werden, aber es hilft doch nicht, nur mit dem Finger auf sie zu zeigen! Viele Familien sind in diesen Zeiten sehr unter Druck geraten! Es braucht deshalb Zusammenarbeit und keine Schuldzuweisungen – gerade wenn man selbst der eigenen Verantwortung nicht gerecht wird!“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Christopher Vogt Vorsitzender


Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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