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Sophia Schiebe zu Top 24: Familien brauchen Planungssicherheit
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 16.September 2026Sophia Schiebe Familien brauchen Planungssicherheit TOP 24: Kita-Plätze nicht vorschnell abbauen und Kita-Bedarfsplanung an validen Daten ausrichten (Drs. 20/4773)Verlässlichkeit. Das war das große Versprechen der Landesregierung bei den letzten Kita Reformen. Die Sozialministerin ist dafür sogar auf Verlässlichkeitstour durch Schleswig- Holstein gegangen. Nur: Verlässlichkeit muss am Ende bei den Familien auch ankommen.Seit Monaten, ach eigentlich seit Jahren, berichten uns Landeselternvertretungen und einzelne Eltern von verkürzten Öffnungszeiten, geschlossenen Gruppen und Betreuung, die kurzfristig ausfällt. Wir haben diese Rückmeldungen immer wieder in die politische Debatte eingebracht. Und viel zu oft wurde uns der Eindruck vermittelt, wir würden Einzelfälle beschreiben oder die Situation dramatischer darstellen, als sie tatsächlich ist. Jetzt aber haben wir Zahlen.Allein von Januar bis Juni 2026 wurden 10.081 außerplanmäßige Schließungen und Einschränkungen der Öffnungszeiten auf Gruppenebene gemeldet. 10.081 in einem halben Jahr. Und selbst diese Zahl bildet die Situation nicht vollständig ab, weil die Datengrundlage weiterhin Lücken aufweist.Die Zahlen sprechen damit eine andere Sprache als das Versprechen der Verlässlichkeit. Und folglich müssen wir uns dann gemeinsam anschauen, ob die vergangenen Maßnahmen der Landesregierung die gewünschte Wirkung entfalten. Mit dem neuen Anstellungsschlüssel sollte mehr Flexibilität geschaffen und das System stabilisiert werden. Wenn wir ein halbes Jahr später mehr als 10.000 Einschränkungen sehen, spricht zumindest bislang wenig dafür, dass damit das Problem der Verlässlichkeit gelöst wurde, liebe Kolleg*innen. Und in dieser ohnehin angespannten Situation kommt nun die 93 Prozent Regelung hinzu.Sie sorgt bereits jetzt für Verunsicherung. Denn die Frage, ob eine Gruppe langfristig bestehen bleibt, hat Auswirkungen, lange bevor tatsächlich über ihre Schließung 1 entschieden wird. Kita-Planung braucht Jahre. Träger müssen heute entscheiden, ob sie Personal langfristig binden und ob sie neue Fachkräfte ausbilden. Beschäftigte wiederum müssen entscheiden, ob sie an einem Standort eine sichere berufliche Perspektive sehen.Besonders deutlich wird das bei der PiA-Ausbildung. Sie dauert drei Jahre. Ein Träger, der heute nicht weiß, ob eine Gruppe am Ende dieser drei Jahre noch existiert, wird sich sehr genau überlegen, ob er diesen Ausbildungsplatz überhaupt schafft. So kann Unsicherheit eine Kettenreaktion auslösen: weniger Ausbildung, weniger langfristige Personalbindung und damit am Ende noch größere Schwierigkeiten, eine verlässliche Betreuung sicherzustellen.Und wir wissen, wie schwer es ist, einmal verlorene Strukturen wieder aufzubauen. Eine geschlossene Gruppe lässt sich nicht einfach wieder öffnen, sobald die Kinderzahlen steigen. Dafür braucht es Räume, Personal und einen Träger, der das Vertrauen hat, diese Strukturen erneut dann wieder aufzubauen. Gerade deshalb brauchen solche Entscheidungen eine belastbare Grundlage.Und die haben wir derzeit nicht. Wir wissen, wie unterschiedlich Prognosen ausfallen können und wie viele Faktoren bei der Entwicklung der Kinderzahlen und des tatsächlichen Bedarfs eine Rolle spielen. Natürlich ist die vorgesehene Evaluation sinnvoll. Wenn sich schwerwiegende Folgen zeigen, muss gehandelt werden können. Aber eine Evaluation schaut auf Entwicklungen, die bereits eingetreten sind.Die Verunsicherung entsteht jedoch vorher. Und möglicherweise sind dann bereits Entscheidungen getroffen worden, die sich dann nicht mehr ohne Weiteres zurückdrehen lassen. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei sinkenden Kinderzahlen auch nicht automatisch zuerst über den Abbau von Kapazitäten sprechen sollten. Denn wir können diese Entwicklung auch als Chance begreifen und uns auf den Weg machen, die Gruppen zu verkleinern. Kleinere Gruppen bedeuten mehr Zeit für das einzelne Kind. Aber sie bedeuten auch Entlastung für die Beschäftigten. Weniger Kinder in einer Gruppe heißt weniger Elterngespräche, weniger Dokumentationsaufwand, weniger organisatorische Aufgaben und mehr Zeit für die eigentliche pädagogische Arbeit.Und das ist auch eine Frage der Verlässlichkeit. Wenn wir die Arbeitsbelastung unserer Fachkräfte reduzieren, können wir dazu beitragen, Überlastung und krankheitsbedingte Ausfälle zu verringern. Ein verlässlicheres Kitasystem entsteht eben nicht nur dadurch, dass wir irgendwie genügend Personal für möglichst große Gruppen organisieren. Es entsteht auch dadurch, dass die Menschen, die jeden Tag in unseren Kitas arbeiten, gute Bedingungen vorfinden und ihren Beruf langfristig ausüben können. Nach mehr als 10.000 Einschränkungen innerhalb eines halben Jahres sollte die Konsequenz deshalb nicht sein, unser Kitasystem noch enger auf Kante zu planen. Wir sollten die Spielräume, die sich durch 2 veränderte Kinderzahlen ergeben, dafür nutzen, ein System zu schaffen, das auch dann funktioniert, wenn nicht alles nach Plan läuft.Denn Verlässlichkeit darf nicht nur das Motto einer Tour sein. Sie muss morgens an der Kita-Tür spürbar sein. 3