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16.09.26 , 16:09 Uhr
SPD

Sophia Schiebe zu Top 17: Alleinerziehende durch flexiblere Betreuung besser unterstützen

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 16. September 2026
Sophia Schiebe Alleinerziehende durch flexiblere Betreuung besser unterstützen TOP 17: Modellprojekt zur flexiblen Kinderbetreuung im Haushalt Alleinerzie-hender initiieren (Drs. 20/4713)
Stellen Sie sich bitte einmal folgendes vor: Die Kita schließt um 17 Uhr. Ihre Spätschicht endet um 20 Uhr. Und dazwischen liegen drei Stunden, für die Sie schlicht keine Betreuung haben. Für viele Familien ist das ein organisatorisches Problem. Für Alleinerziehende kann es allerdings darüber entscheiden, ob sie einen Job annehmen können, ihre Arbeitszeit reduzieren müssen oder generell erwerbstätig sein können. Zunächst möchte ich deshalb dem SSW ausdrücklich für diesen Antrag danken. Denn er richtet den Blick auf eine Betreuungslücke, über die wir viel zu selten sprechen. Wir haben in den vergangenen Jahren zu Recht viel über den Ausbau der Kindertagesbetreuung und über den Ganztag gesprochen. Aber die Lebensrealität von Familien hält sich nicht immer an die Öffnungszeiten unserer Betreuungseinrichtungen. Menschen arbeiten im Krankenhaus, in der Pflege, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Allgemein Schichtdienst. Andere wiederum haben wechselnde Arbeitszeiten. Und manchmal fällt Betreuung eben auch ganz kurzfristig aus. Wer dann zu zweit Verantwortung trägt, kann solche Situationen vielleicht irgendwie auffangen. Wer alleinerziehend ist, steht da schon vor einer viel größeren Herausforderung. Und genau deshalb brauchen wir ergänzende und flexible Angebote. Dass solche Modelle funktionieren können, zeigen Erfahrungen aus anderen Bundesländern. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter hat Modellprojekte unteranderem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wissenschaftlich begleiten lassen. Dort wurde ergänzende Betreuung im Haushalt außerhalb regulärer Kita- und Hortzeiten angeboten. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Mehr als drei Viertel der Teilnehmenden berichteten von einer positiven Veränderung ihrer Erwerbs- oder Ausbildungssituation. Mehr als die Hälfte konnte während des Projektes eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Und gleichzeitig



1 zeigte sich, dass oftmals schon wenige zusätzliche Betreuungsstunden pro Woche einen erheblichen Unterschied machen können. Es geht also nicht darum, neben unserem bestehenden Betreuungssystem ein zweites System aufzubauen. Es geht lediglich darum, gezielt die Lücken zu schließen, die für einzelne Familien enorme Folgen haben. Auch Berlin zeigt, wie das funktionieren kann. Dort gibt es ergänzende Kindertagespflege, wenn Arbeits- und Wegezeiten über die regulären Betreuungszeiten hinausgehen. Zusätzlich existieren flexible Angebote für Alleinerziehende, beispielsweise eine Betreuung im eigenen Haushalt sowie Hol- und Bringdienste. Und wir müssen dafür nicht einmal nur nach Berlin schauen. Auch bei uns in Schleswig-Holstein gibt es bereits Erfahrungen. Die Christian-Albrechts- Universität zu Kiel erprobt in diesem Jahr gemeinsam mit dem Notmütterdienst flexible Kinderbetreuung für ihre Beschäftigten. Bei kurzfristigen, dienstlich bedingten Engpässen kann Betreuung im eigenen Haushalt organisiert werden. Das zeigt: Wir würden nicht bei null anfangen. Deshalb greifen wir den Vorschlag des SSW gerne auf, wollen ihn mit unserem Alternativantrag aber breiter aufstellen. Wir wollen uns nicht heute schon auf ein einziges Modell festlegen. Wir wollen in ausgewählten Modellregionen unterschiedliche Ansätze erproben: für kurzfristige Betreuung, für Abendstunden, für Wochenenden oder für Akutsituationen. Denn Schleswig-Holstein ist vielfältig. Was in Kiel oder Lübeck funktioniert, muss noch lange nicht die richtige Lösung für Dithmarschen, Nordfriesland oder Pinneberg sein. Wir sollten die unterschiedlichen regionalen Voraussetzungen berücksichtigen. Zudem müssen wir genau hinschauen und erorieren, was denen Familien tatsächlich hilft: Welche Angebote werden gebraucht? Was funktioniert für die Eltern? Aber was brauchen auch unsere Kinder? Welche Strukturen sind dafür notwendig? Wie hoch sind die Kosten dafür? Und welche Ansätze eignen sich dafür schließlich, dauerhaft und landesweit umgesetzt zu werden? Ich bin der Meinung, dass wir auch grundsätzlich umdenken müssen: Nicht jede Familie hat Großeltern um die Ecke, ein großes Netzwerk oder jemanden, der spontan einspringen kann. Und staatliche Strukturen dürfen nicht voraussetzen, dass es dieses private Auffangnetz schon irgendwie geben wird. Gerade Alleinerziehende brauchen Angebote, auf die sie sich verlassen können. Auch dann, wenn kein Netz da ist, was auffangen kann. „Du musst halt eben schauen, wie du das privat hinbekommst.“, kann nicht die dauerhafte Antwort auf eine Betreuungslücke sein. Und daher können wir an dieser Stelle besser werden. Und daher bitte ich um Zustimmung zu unserem Alternativantrag.



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