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27. Januar 2020 – Holocaust-Gedenkstunde

Schlie: Wir brauchen die Erinnerung von Zeitzeugen

Der Landtag hält die Erinnerung an die Opfer des National­sozialismus wach. „Auschwitz nicht zu vergessen, das sind wir alle den Opfern schuldig“, sagt Landtagspräsident Schlie.

Holocaust Gedenkenveranstaltung Theater Schüler
Schüler und Mitglieder des Kinder- und Jugendtheaters der Jüdischen Gemeinde Kiel präsentieren Theaterszenen zu vorgelesenen Erinnerungen von Zeitzeugen aus jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein. Foto: Landtag, Regina Baltschun

Auf der zentralen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag hat Parlamentspräsident Klaus Schlie an die zahllosen Opfer erinnert, für die Befreiung und Kriegsende im Jahr 1945 zu spät kamen. Der heutige Tag, 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch Soldaten der Sowjetarmee, „gehört allen Opfern der NS-Schreckensherrschaft“, sagte Schlie im vollbesetzten Plenarsaal. „Wir schließen heute diese Millionen von Menschen in unsere Gedanken und Gebete mit ein: als Mahnung, als Warnung und als Zeichen des Miteinanders aller Menschen in unserer Gesellschaft.“

Schlie rief dazu auf, die Erinnerung wachzuhalten. Jeder einzelne in der Welt brauche die persönlichen Erfahrungsberichte der Überlebenden der nationalistischen Gewaltherrschaft – insbesondere aber brauche die junge Generation diese authentischen, von Zeitzeugen vorgetragenen Erinnerungen. „Auschwitz nicht zu vergessen, das sind wir alle den Opfern schuldig“, sagte der Landtagspräsident. Und: Jeden Tag müsse sich für uns die Frage stellen, „ob wir Antisemitismus, Rassismus und Hass in unserer Gesellschaft schweigend hinnehmen oder dem aktiv entgegentreten wollen“.

Musik, Lesung, Theater, Ausstellung

Die künstlerische Gestaltung des Abends übernahmen Kieler Schulen. Schüler des Kieler Regionalen Bildungszentrums (RBZ) Wirtschaft trugen Biografien von Holocaust-Überlebenden vor. Die Schulband des RBZ setzte den musikalischen Rahmen. Sie brachten Wut und Verzweiflung, etwa mit dem Gefangenenlied „Die Moorsoldaten“, ebenso zum Ausdruck wie Hoffnung – in John Lennons Friedensappell „Imagine“. Ein Religionskurs der Hebbelschule führte gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendtheater der jüdischen Gemeinde Kiel selbst erarbeitete Theaterszenen vor, die Momente aus dem Leben von KZ-Opfern darstellten.

Zugleich startete im Landtag auch die Ausstellung mit Bildern des Regensburger Fotografen Stefan Hanke. Er hat zwischen 2004 und 2014 sieben europäische Länder bereist und rund 150 KZ-Überlebende portraitiert. Entstanden sind Schwarzweiß-Fotografien, die die Opfer des NS-Terrorregimes an Orten ihrer Wahl zeigen – teilweise an historischen Stätten wie dem Nürnberger Justizpalast, ab 1945 Schauplatz der Kriegsverbrecherprozesse, oder dem Bahnhof Milbertshofen, von dem aus viele Münchener Juden deportiert wurden. Ein großer Teil der Bilder zeigt Menschen jüdischer Herkunft, aber er porträtiert auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, sowjetische und polnische Kriegsgefangene, politische Häftlinge und Menschen, die mit dem „schwarzen Winkel“ als „gemeinschaftsunfähig“ stigmatisiert wurden.

Gedenkmonat mit vielen Veranstaltungen

Der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist zugleich der Auftakt einer mehrwöchigen Veranstaltungsreihe, die sich unter anderem in der Ausstellung, mit Lesungen oder einem Kinoabend der Geschichte und dem Erbe Überlebender widmet. Kooperationspartner des Landtages sind der Landesbeauftragte für politische Bildung sowie Schüler des Kieler Regionalen Bildungszentrums Wirtschaft.

Weitere Informationen:
Pressemitteilung zur Gedenkveranstaltung