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19. Juni 2026 – Jubiläum

80 Jahre Landtag – 80 Jahre Schleswig-Holstein

Mit einem Festakt im Kieler Schloss wurde an die Anfänge der parlamentarischen Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Reden, historische Rückblicke und bewegende persönliche Geschichten machten deutlich, wie wichtig es ist, demokratische Errungenschaften zu bewahren und mit Leben zu füllen.

Landtagspräsidentin Kristina Herbst Festrede 80 Jahre Landtag
Landtagspräsidentin Kristina Herbst hob die Bedeutung des Landtages in der Gründung des Landes hervor.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

„Ich habe diese Demokratie nicht erkämpft. Ich habe sie geschenkt bekommen, ohne eigenes Zutun, ohne Verdienst.“ Mit diesen Worten unterstrich die Autorin und Publizistin Carolin Emcke beim Festakt zum 80-jährigen Bestehen des Schleswig-Holsteinischen Landtages am Mittwoch (17. Juni) die Verantwortung, demokratische Errungenschaften zu bewahren. Historische Filmaufnahmen, Musik und Redebeiträge erinnerten die Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft im Kieler Schloss an die Anfänge des Landes und die ersten Schritte der parlamentarischen Demokratie in Schleswig-Holstein.

Für den musikalischen Rahmen sorgte das LandesJugendJazzOrchester unter der Leitung von Fynn Großmann. Anschließend führte ein Ausschnitt aus der Wochenschau die Gäste zurück ins Frühjahr 1946 und zu den Anfängen der damaligen „Volksvertretung für Schleswig-Holstein“. In einer szenischen Lesung ließen die Schauspielerinnen und Schauspieler Mignon Remé, Frank Jordan und Erik Schäffler Auszüge aus den Protokollen der ersten Landtagsdebatten lebendig werden. Dabei wurden sowohl die Unsicherheit der Nachkriegszeit als auch der Wille deutlich, auf demokratischer Grundlage einen Neuanfang zu wagen. So wird Theodor Steltzer, Oberpräsident des Landes, in der ersten Sitzung des ernannten Landtages mit den Worten zitiert: „Wir stehen vor der Aufgabe eines gänzlichen Neuaufbaus unseres politischen Lebens auf sicherer demokratischer Grundlage.“

Gäste beim Festakt 80 Jahre Landtag
Im Kieler Schloss kamen Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft zusammen.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Parlament als Ausgangspunkt der Landesgeschichte

Landtagspräsidentin Kristina Herbst erinnerte in ihrer Festrede daran, dass der parlamentarische Neubeginn in Schleswig-Holstein sogar vor der Gründung des Landes begann. „Am Anfang des demokratischen Neuanfangs in Schleswig-Holstein nach 1945 stand nicht das Land selbst, am Anfang stand der Landtag“, sagte Herbst. Mit einem Augenzwinkern ergänzte sie, Parlamentarierinnen und Parlamentarier würden diesen Umstand gern hervorheben: „Wer kann schon von sich behaupten, dass man gewissermaßen schon da war, bevor das Land richtig geboren wurde?“

Der Landtag habe damit den Grundstein für die Entwicklung Schleswig-Holsteins gelegt und sei bis heute der zentrale Ort demokratischer Debatten und Entscheidungen. Mit Blick auf aktuelle politische und gesellschaftliche Herausforderungen warb die Landtagspräsidentin für Vertrauen in die parlamentarische Demokratie und einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. Demokratie müsse die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nehmen und zugleich den Mut haben, komplexe Fragen differenziert zu beantworten. Als besondere Stärke Schleswig-Holsteins hob Herbst den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor: „Wenn Schleswig-Holstein eine Superkraft besitzt, dann ist es die Bereitschaft seiner Bürgerinnen und Bürger, füreinander einzustehen.“

Carolin Emcke hält die Hauptrede beim Festakt
Philosophin Carolin Emcke setzte sich mit den Herausforderungen der Demokratie auseinander.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Demokratie braucht Erinnerung und Engagement

In ihrer Festrede richtete Carolin Emcke den Blick auf die Nachkriegszeit und die Menschen, die den demokratischen Neubeginn mitgestalteten. Kiel im Frühjahr 1945 sei nach den Luftangriffen eine „Landschaft aus Schutt und Asche“ gewesen, erinnerte sie. Der erste kommissarische Oberbürgermeister habe damals erklärt: „Ich kenne keinen persönlichen Hass, aber aus der Tiefe meiner Seele hasse ich den Geist des Nationalsozialismus.“

Für einen besonderen Moment sorgte Emcke, als sie dem Publikum verriet: „Jener erste kommissarische Oberbürgermeister nach dem Krieg hieß Dr. Max Emcke – und er war mein Großvater.“ Max Emcke gehörte später auch dem Schleswig-Holsteinischen Landtag der ersten Wahlperiode an. Die Philosophin mahnte, die Erfahrungen von Krieg und Gewalt nicht zu vergessen. „Erinnerung ist Arbeit“, sagte sie und appellierte: „Wenn wir heute die Demokratie feiern, dann müssen wir das verteidigen, was sie braucht, um zu überleben.“

Das LandesJugendJazzOrchester beim Festakt
Das LandesJugendJazzOrchester begleitete den Abend musikalisch und sorgte für gute Stimmung.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Demokratie lebt von Menschen

In ihrem Schlusswort betonte Landtagspräsidentin Herbst, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei. Der Blick auf 80 Jahre Schleswig-Holsteinischer Landtag zeige vor allem eines: „Demokratie lebt von den Menschen, die sie tragen.“ Demokratie brauche Engagement, Verantwortung und die Bereitschaft, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Der Festakt sei deshalb nicht nur ein Rückblick auf die Geschichte des Landes gewesen, sondern zugleich eine Erinnerung daran, dass jede und jeder Einzelne gefragt sei, Demokratie mit Leben zu füllen und für sie einzustehen. Zum Abschluss sang das Publikum gemeinsam die erste Strophe des Schleswig-Holstein-Liedes. Beim anschließenden Empfang im Foyer klang der Abend bei Gesprächen und Erbsensuppe aus – ganz wie vor 80 Jahren.