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9. Juli 2026 – Wissenschaft trifft Praxis

Weniger Zugluft und mehr Bürgernähe

Drei Studierende der Technischen Hochschule Lübeck haben den Plenarsaal des Landtages untersucht und in ihren Bachelorarbeiten konkrete Vorschläge für ein besseres Raumklima, mehr Energieeffizienz und eine stärkere Bürgernähe entwickelt.

TH Lübeck Bachelorarbeiten Plenarsaal
Hannes Marks, Lisa Schöller und Edona Haziri (v.l.n.r.) stellten die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeiten im Landeshaus vor.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Kalte Füße und ein starker Zug – im Sommer ist es an vielen Plätzen im Plenarsaal zu kühl. Was die Abgeordneten dort schon länger wahrnehmen, wurde nun wissenschaftlich bestätigt. Drei Studierende der Technischen Hochschule Lübeck haben kürzlich die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeiten im Landeshaus vorgestellt. Hannes Marks und Lisa Schöller aus dem Studiengang Nachhaltige Gebäudetechnik sowie die Architekturstudentin Edona Haziri hatten sich mit dem Plenarsaal des Landtages auseinandergesetzt. Landtagspräsidentin Kristina Herbst lobte den Einsatz der Studierenden und bedankte sich für die spannenden Impulse.

„Herr Marks und Frau Schöller hatten sich bereits für andere Themen für ihre Bachelorarbeiten entschieden, aber ich konnte sie für dieses Projekt gewinnen“, erzählte Prof. Christian Blatter, Studiengangsleiter für Nachhaltige Gebäudetechnik. Der Themenwechsel störte die Studierenden nicht. „Die Arbeit an einem konkreten Gebäude, der Praxisbezug macht das Projekt spannend“, sagte Marks. Auch Schöller ließ sich schnell für die Idee begeistern: „Eine praxisorientierte Arbeit gefällt mir besser als ein theoretisches Projekt.“ Dass Haziri sich ebenfalls dafür begeistern konnte und daraus ein interdisziplinäres Vorhaben entstand, freute Blatter besonders.

TH Lübeck Bachelorarbeiten Plenarsaal
Lisa Schöller untersuchte, wie das vorhandene geothermische System effizienter genutzt werden könnte.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Behaglichkeit und Energieeffizienz

„Im Sommer gibt es grundsätzlich Zugerscheinungen im Saal, und die Behaglichkeit wird an Tagen mit Besucherbetrieb schlechter bewertet als an Tagen mit Plenarbetrieb“, fasste Hannes Marks die Ergebnisse seiner Untersuchung zusammen. Mithilfe von Messungen, einer Simulation und der Befragung der Abgeordneten konnte Marks ein Behaglichkeitsdefizit im Plenarsaal feststellen. Seine Lösung: „Kühlsegel an der Decke unterstützen die Klimaanlage, sodass die Zugluft reduziert wird.“ An Tagen mit Besucherbetrieb könnte die Anlage außerdem bereits um 6.30 Uhr statt erst um 9 Uhr gestartet werden.

Lisa Schöller untersuchte die Energieversorgung des Gebäudes. „Der Plenarsaal hat aufgrund seiner großen Verglasungsflächen und seiner Raumgröße einen erhöhten Energiebedarf“, erklärte Schöller. Mit ihrer Bachelorarbeit wollte die Studentin herausfinden, wie die Effizienz der bestehenden geothermischen Anlage durch die Nachrüstung einer Wärmepumpe gesteigert werden könnte. Nach einer Analyse der verschiedenen Anlagenkonzepte kam Schöller zu dem Ergebnis, dass eine Reduzierung des Endenergiebedarfs um 62 Prozent möglich wäre. Der Clou: „Bislang wird die geothermische Anlage nur zur passiven Kühlung genutzt. Nach dem Einbau einer Sole-/Wasser-Wärmepumpe könnte der Plenarsaal ohne Fernwärme beheizt werden.“

TH Lübeck Bachelorarbeiten Plenarsaal
Edona Haziri entwarf einen unterirdischen, von der Kiellinie zugänglichen Plenarsaal.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Unterirdischer Plenarsaal für mehr Bürgernähe

Einen völlig anderen Ansatz verfolgte Edona Haziri mit ihrem architektonischen Entwurf: Bei ihr steht die Bürgernähe im Vordergrund. Haziri befasste sich mit dem Design des Plenarsaals. Sie sieht in der gläsernen Fassade und der Treppe zum Glaskubus ein Symbol für Transparenz und Offenheit. Aber: „Der Plenarsaal schwebt über den Köpfen der Spaziergänger auf der Kiellinie“, erklärte Haziri. Der unterirdische Plenarsaal in ihrem Entwurf würde mehr Nähe zu den Bürgern schaffen: Ein ebenerdiger Zugang von der Promenade zu den Blickgalerien würde Bürgerinnen und Bürgern einen direkten Blick in den Plenarsaal ermöglichen. „Der jetzige Plenarsaal würde zur Cafeteria umfunktioniert und in den neu geschaffenen Bereichen könnte ein Besucherforum eingerichtet werden.“

Ob einzelne Vorschläge künftig umgesetzt werden, ist offen. Aber die drei Bachelorarbeiten liefern dem Landtag konkrete Ansätze, um den Plenarsaal komfortabler und energieeffizienter zu gestalten.

TH Lübeck Bachelorarbeiten Plenarsaal
Landtagspräsidentin Kristina Herbst (Mitte) bedankte sich bei den Studierenden für die spannenden Impulse.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers