Auf den nordfriesischen Inseln und Halligen breitet sich der Goldafter zunehmend aus, besonders die Inseln Sylt, Föhr und Helgoland sind betroffen. Der Schmetterling gilt als Gesundheitsrisiko, denn die Raupen des Nachtfalters besitzen winzige, giftige Haare, die bei Kontakt mit Haut oder Atemwegen starken Juckreiz, schmerzhaften Ausschlag, Bläschen oder Atemreizungen auslösen können. Nachdem die Insel- und Hallig-Konferenz bereits im Frühjahr Hilfe vom Land gefordert hatte, wurde das Thema heute (23. September) auf Basis zweier Anträge von CDU und Grünen sowie vom SSW im Umwelt- und Agrarausschuss diskutiert.
Der Goldafter sei ein heimischer Schmetterling und keine geschützte Art, zur Regulierung stünden verschiedene Instrumente zur Verfügung, betonte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne). Wirksam könne ein Absammeln der typischen Gespinste im Frühjahr und Winter, eine Reduzierung von Wirtspflanzen wie der invasiven Kartoffelrose sowie eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit im Umgang sein. Eine zukünftige Bekämpfung über ein Biozid wäre hingegen europaweit einmalig und könne auch bei anderen geschützten Arten Kollateralschäden verursachen, „denn Biozide wirken auf alle Schmetterlingsarten genauso“.
Management bislang mäßig erfolgreich
Dr. Martin Schebeck, Professor an der Universität Göttingen, beschäftigt sich in einem auf vier Jahre angelegten Projekt mit dem Goldafter, um herauszufinden, wie der Schmetterling am besten gemanaged werden kann. „Mein Ziel ist es, das Tier und seine Interaktion besser zu verstehen als Basis für ein umweltverträgliches und nachhaltiges Management“, so Schebeck. Zudem müssten die „natürlichen Gegenspieler“ wie Insekten, Vögel und Spinnentiere erkannt und nach Möglichkeit für die Regulierung eingesetzt werden.
„Die Brennhärchen lösen sich vom Körper und werden vom Wind verweht, es braucht gar keinen direkten Kontakt“, erläuterte Veronika Vogel vom Landschaftszweckverband Sylt. Sie berichtete von mehreren konkreten Fällen mit Haut- Atemwegs- und Augenproblemen sowie von insgesamt rund 150 eingegangenen Beschwerden allein seit vergangenem Sommer. Laut Studien würden mehr als 70 Prozent aller Menschen unterschiedlich stark allergisch auf die Haare des Goldafters reagieren. Bisherige Versuche des Managements auf Sylt seien mäßig erfolgreich, so Vogel. Beim Absammeln der Gespinste würden etwa die kleinen Raupen auf den Boden fallen und verbleiben, „es ist nicht praktikabel, die alle abzusaugen“. Auf Sylt gebe es zudem so hohe Bestände, dass eine Entfernung der Gespinste oft nur noch über das Abtragen ganzer Pflanzenbestände möglich sei, was finanziell und logistisch herausfordernd sei. Es brauche ein Maßnahmenpaket und eine Finanzierung sowie eine Anlaufstelle für die Kommunen.
Sterile Männchen über Veränderung des Erbguts
Der Antragsteller und CDU-Abgeordnete Manfred Uekermann betonte die Dringlichkeit der Lage: „Die Vermehrung geht schleichend, aber intensiv voran, es ist notwendig die Kommunen darauf vorzubereiten, was auf sie und die Bürger zukommt.“ Es sei offenbar noch nicht allen bewusst wie ernst die Lage sei. Die FDP-Abgeordnete Anne Riecke fragte, wie man abgesammelte Pflanzen und Gespinste derzeit entsorgen würde. Man müsse den Müll zum Unschädlichmachen entweder in Wasser und Seifenlauge schmeißen oder in einer geschlossenen Verbrennung vernichten, die es für diese Art Müll nur in Magdeburg gebe, was extrem teuer sei, antwortete Veronika Vogel. Auf Sylt werde der Müll im Restmüll entsorgt, was suboptimal sei. Eine Verbrennung im Außenbereich werde deshalb ebenfalls in Betracht gezogen.
Der SSW-Antragssteller Michael Schunck fragte, ob es möglich wäre, über eine Veränderung des Erbguts sterile Männchen zu generieren und somit eine Verbreitung einzudämmen. Dazu gebe es noch keine Forschung, es sei aber ein Punkt auf seiner Frageliste, „das wäre ein weiteres Projekt“, so Professor Schebeck. Auch eine Entwicklung und Ausbringung von synthetischen Pheromonen sei denkbar, wodurch die Männchen von den Sexualpheromonen der Weibchen abgelenkt würden und es folglich zu keiner Vermehrung komme. Dazu sei allerdings noch viel Entwicklungsarbeit notwendig, da stehe man ganz am Anfang. Das Thema soll nun in der Dezembersitzung des Umwelt- und Agrarausschusses erneut beraten werden.