
Talkrunde im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums der Grünen-Fraktion. V. l. n .r. : Ehemalige Finanzministerin Monika Heinold, Grünen-Fraktionsvorsitzender Lasse Petersdotter, Sozialministerin Aminata Touré, ehemaliger Vizekanzler und ehemaliger Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck
©
Foto: Sönke Schaack
30 Jahre ist es her, dass Bündnis 90/Die Grünen erstmals in den Schleswig-Holsteinischen Landtag eingezogen sind. Seit der Landtagswahl am 24. März 1996 gehört die Fraktion dem Parlament an und war in 23 Jahren der vergangenen drei Jahrzehnte an der Landesregierung beteiligt. Am Montagabend (27.04.) kamen zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft im Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses zusammen, um das Jubiläum zu feiern. In ihrem Grußwort gratulierte Landtagspräsidentin Kristina Herbst der Fraktion und stellte ihre besondere Entwicklung heraus.
Der Einstieg der Grünen in den Landtag 1996 sei von einem „erstaunlichen Paradoxon“ geprägt gewesen: „Dass man zugleich Spätstarter und Überflieger sein kann“, sagte Herbst. Der erstmalige Einzug ins Parlament habe die Partei unmittelbar in Regierungsverantwortung geführt und sie früh vor die Aufgabe gestellt, sich in Koalitionsverhandlungen zu behaupten. Damit sei die Fraktion „vielen anderen Landesverbänden – und auch der Bundespartei – voraus“ gewesen.
Die Grünen im Landtag Schleswig-Holstein
Seit 1996 sind Bündnis 90/Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag vertreten. Mit 8,1 Prozent gelang damals erstmals der Einzug ins Parlament. Insgesamt gehörten der Fraktion bislang 41 Abgeordnete an. In 23 der 30 Jahre waren die Grünen an der Landesregierung beteiligt – in unterschiedlichen Koalitionen: Rot-Grün (1996–2005), die Küstenkoalition mit SPD und SSW (2012–2017), die Jamaika-Koalition mit CDU und FDP (2017–2022) sowie die schwarz-grüne Koalition (seit 2022).
Herbst: „Ihr habt den Landtag bunter, jünger und weiblicher gemacht“
Besonders in Schleswig-Holstein hätten die Grünen früh lernen müssen, politische Forderungen nicht nur zu formulieren, sondern auszutarieren und in konkrete Regierungsarbeit zu übersetzen. Die Fraktion sei, so Herbst, „von der ersten Stunde an erwachsen“ gewesen und habe sich schnell in der Rolle als Regierungspartei behaupten müssen. Diese Erfahrung habe die politische Arbeit über viele Jahre geprägt – ebenso wie die Fähigkeit, Kompromisse zu gestalten, ohne die eigene Identität aufzugeben. Damit habe man sich im Laufe der Zeit „bei seinen Wählerinnen und Wählern ein Grundvertrauen erarbeitet“, sagte die Landtagspräsidentin.
Mit Blick auf das parlamentarische Miteinander betonte Herbst: „Ihr habt den Landtag bunter, jünger und weiblicher gemacht“. Themen wie Klimaschutz, ökologische Landwirtschaft, Integration und Geschlechtergerechtigkeit seien nachhaltig auf der politischen Agenda verankert worden. Zugleich sei der respektvolle Umgang im politischen Wettbewerb ein prägendes Merkmal gewesen. „Diesen Respekt haben die Grünen in den letzten drei Jahrzehnten stets gewahrt“, so Herbst.
Landtagspräsidentin Kristina Herbst: „Grüne hätten bewiesen, dass man zugleich Spätstarter und Überflieger sein kann.“
Foto: Sönke Schaack
Geburtsstunde der Grünen
Die Wurzeln der Grünen reichen bis in die späten 1970er-Jahre zurück, als sich aus Umwelt-, Friedens- und Bürgerrechtsbewegungen eine neue politische Kraft in der Bundesrepublik formierte. Auch in Schleswig-Holstein spielte dabei die Anti-Atomkraft-Bewegung – etwa rund um den Standort Brokdorf – eine wichtige Rolle. 1980 wurde die Partei gegründet, 1993 folgte der Zusammenschluss mit Bündnis 90. Früh brachten die Grünen Themen wie Umwelt- und Naturschutz sowie gesellschaftliche Teilhabe in die politische Arbeit ein.
Weitere Informationen: