Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

6. Mai 2026 – Plenum

Situation der Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe

Wie geht es den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe im Land? Damit befasst sich eine Große Anfrage der SPD. Die Antwort der Landesregierung zeigt, wo es Möglichkeiten für Verbesserungen gibt.

Dorit Stenke (CDU)
Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU): „Das System ist stabil und leistungsfähig, auch unter erschwerten Rahmenbedingungen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe ermöglichten wohnortnahes Lernen, trügen zur sozialen Integration bei und leisteten laut SPD-Fraktion einen wichtigen Beitrag zur Bildungslandschaft. Ziel einer Großen Anfrage der Sozialdemokraten war es, die spezifischen Herausforderungen und Bedarfe dieser Gemeinschaftsschulen zu identifizieren. Die Antwort der Landesregierung zeigte Verbesserungen an der Situation der Schulen. Die SPD kritisiert allerdings, wie einige Zahlen interpretiert wurden. Wertschätzung und Dank an die Arbeit der Lehrkräfte an den Schulen gab es von allen Fraktionen.

„Das System ist stabil und leistungsfähig, auch unter erschwerten Rahmenbedingungen“, so begann Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). Stenke betonte die Bedeutung von Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe im ländlichen Raum und ihre Stärke in der Berufsorientierung und den vielfältigen Abschlusswegen. „Die Abschlussleistungen haben sich verbessert. Es gibt eine positive Entwicklung in fast allen Fächern“ so die Ministerin. Verbesserungsbedarf gebe es bei der Datenlage, so müsse die landesweite Erfassung von Unterrichtsstunden lückenloser werden.

Fragen unbeantwortet

 

Martin Habersaat (SPD)
Martin Habersaat (SPD): „Es zeigen sich zwei Realitäten: Die Noten haben sich verbessert, aber die Zahl der Schüler ohne Abschluss oder ohne mittleren Schulabschluss ist gestiegen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Martin Habersaat (SPD) kritisierte die Anzahl der nicht beantworteten Fragen in der Antwort der Regierung. Es sei immer noch offen, wie viele Mathestunden tatsächlich stattgefunden hätten oder wie viele Schülerinnen von einer Schulbegleitung unterstützt würden. „Es zeigen sich zwei Realitäten: Die Noten haben sich verbessert, aber die Zahl der Schüler ohne Abschluss oder ohne mittleren Schulabschluss ist gestiegen“, bemängelte Habersaat. Des weiteren beanstandete er die Kürzung an Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I, dies sei in Statistik „die beste Hilfe gegen den Unterrichtsausfall“.

 

Martin Balasus (CDU)
Martin Balasus (CDU): „Rein rechnerisch stehen mehr Lehrkräfte zur Verfügung als vorgesehen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Der CDU-Abgeordnete Martin Balasus erklärte, der Anteil an ausgefallen Stunden läge an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe bei 12,3% und zusätzlich hätten Gemeinschaftsschulen den geringsten Anteil an ersatzlos gestrichenen Stunden. Die Personalsituation sei gut mit einer Besetzungsquote von aktuell 106 Prozent. „Rein rechnerisch stehen mehr Lehrkräfte zur Verfügung als vorgesehen“, betonte Balasus. „Die Personalgewinnungsmaßnahmen greifen.“

Viele fachfremde Lehrkräfte

 

Malte Krüger (Grüne)
Malte Krüger (Grüne): „Die Arbeitszufriedenheit an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe ist schlechter als an anderen Schularten.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Gemeinschaftsschulen ohne, aber auch mit Oberstufen seien eine zentrale Säule in unserem Schulsystem, betonte Malte Krüger (Grüne). Allerdings: „Die Arbeitszufriedenheit an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe ist schlechter als an anderen Schularten.“ Dies sei laut Krüger ein Warnsignal, denn „gute Schule funktioniert nur mit motivierten Lehrkräften“. Krüger kritisierte die hohe Besetzung mit fachfremden Lehrkräften in sozialwissenschaftlichen Fächern, so hätten 60,7 Prozent der Wirtschaft- und Politik-Lehrkräfte dieses Fach nicht studiert. Studien zeigten aber, dass Lehrkräfte mit einem Sozialwissenschaftlichen Hintergrund besser mit Extremismus und Demokratiefeindlichkeit im Unterricht umgehen könnten.

 

Anne Riecke (FDP)
Anne Riecke (FDP) hob hervor, dass eine Inklusionsquote keine Information über die Qualität der Inklusion gebe.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Anne Riecke (FDP) kritisierte, dass immer mehr gesellschaftliche und familiäre Aufgaben an die Schulen übertragen würden. Die Liberale hinterfragte, wie es bei einer 106-prozentigen Besetzungsquote zu einem Unterrichtsausfall von 12 Prozent kommen könnte. Riecke hob auch hervor, dass eine Inklusionsquote keine Information über die Qualität der Inklusion gebe.

Kooperationsvereinbarung notwendig

 

Jette Waldinger-Thiering (SSW)
Jette Waldinger-Thiering (SSW): „Theorie und Praxis liegen weit auseinander.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Jette Waldinger-Thiering war von den Antworten der Regierung kaum überrascht, aber „Theorie und Praxis liegen weit auseinander“, so die SSW-Abgeordnete. Auch wenn alle Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe einen Kooperationsvereinbarung mit einem Gymnasium oder einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe haben sollten, sei dies bei 40 Schulen nicht der Fall. Dies erschwere den Schülerinnen und Schülern den nahtlosen Übergang zur Oberstufe. Der Antrag wurde einstimmig zur weiteren Bearbeitung an den Bildungsausschuss überwiesen.

 

Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe leisten laut der SPD-Fraktion einen wichtigen Beitrag zur Bildungslandschaft, da sie ein wohnortnahes Lernen ermöglichen und zur sozialen Integration beitragen. Ziel der Großen Anfrage ist es, die spezifischen Herausforderungen und Bedarfe dieser Schulform zu identifizieren. Im Fokus der Frageliste steht die Situation der Lehrkräfte, die Absicherung des Unterrichts und die Kooperation mit berufsbildenden Schulen.

Die Anfrage bezieht sich auf die 136 Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. 387 Seiten lang ist die Antwort des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur (MBWFK). Unter anderem zeigen die Daten einen aktuellen Fachkräftemangel in Englisch, Informatik, Mathematik, Physik und Technik; zudem wird erwartet, dass dieser Mangel künftig alle genannten Fächer einschließlich Chemie, Kunst und Musik betrifft. An Gemeinschaftsschulen unterrichten teilweise Lehrkräfte in Fächern, die sie nicht studiert haben. Im Schuljahr 2024/25 lag ihr Anteil bei 28,4 Prozent in Physik, 16,8 Prozent in Mathematik und 12,5 Prozent in den Fremdsprachen.

Kritik an der Antwort der Regierung

Im Bereich Digitalisierung gibt es weitere Mängel: 13 Schulen gaben an, kein stabiles Wlan zu haben, welches alle erforderlichen Räume abdecke. Auch bei der Wartung der digitalen Geräte oder der digitalen Infrastruktur gibt es Lücken: In 34,5 Prozent der Schulen sind Lehrkräfte für die Wartung zuständig. 10,8 Prozent der Schulen nutzen externe Firmen und 51,3 Prozent der Schulen lassen die Wartungen von Mitarbeitern des Schulträgers durchführen.

Der „Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.“ kritisiert die Antwort des MBWFK: Die Zahlen in den Antworten des MBWFK würden nur als „Rohdaten“ vorliegen und diese würden die Sachverhalte nicht deutlich zeigen. Zur besseren Verständlichkeit hätten die Daten in Vergleichszahlen oder Prozente umgerechnet werden können.

Top 15:

Große Anfrage der Fraktion der SPD

Antwort der Landesregierung - Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur