
FDP-Fraktionschef Christopher Vogt: „Wenn wir unseren Wohlstand und auch die politische Stabilität in Deutschland erhalten wollen, braucht unser Land eine Wirtschaftswende.“
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Der Mittelstand steht nach Einschätzung aller Fraktionen unter Druck: Hohe Energiepreise, schwache Konjunktur und zunehmende Bürokratie belasteten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Die Liberalen fordern „echte Entlastungen“, die über die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung hinausgehen. Diese würden laut Antrag von vielen Betrieben als unzureichend wahrgenommen oder sorgten sogar für zusätzliche Belastungen. Die Landesregierung solle sich auf Bundesebene unter anderem für niedrigere Unternehmenssteuern, eine Senkung der Stromsteuer, steuerfreie Überstunden und ein Bürokratiemoratorium einsetzen.
„Wenn wir unseren Wohlstand und auch die politische Stabilität in Deutschland erhalten wollen, braucht unser Land eine Wirtschaftswende“, sagte FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. Der Mittelstand sei „das Rückgrat unserer Wirtschaft – in Schleswig-Holstein noch mehr als anderswo“. Deutschland verliere an Wettbewerbsfähigkeit, warnte Vogt. Viele Betriebe hätten längst das Vertrauen verloren, dass sich Leistung und Investitionen hierzulande noch ausreichend lohnten. „Der Staat dürfe Unternehmen nicht immer neue Lasten aufbürden, sondern müsse wieder stärker auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit setzen.“
Kilian: „All das entscheidet der Deutsche Bundestag“

„Die Sorgen, die die FDP in ihrem Antrag beschreibt, sind real“, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker Lukas Kilian.
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CDU-Wirtschaftspolitiker Lukas Kilian zeigte sich dem Antrag gegenüber teilweise aufgeschlossen. „Die Sorgen, die die FDP in ihrem Antrag beschreibt, sind real“, sagte er. Allerdings, so Kilian, habe die Union vieles von dem, was die Liberalen forderten, bereits im Bundestagswahlkampf vertreten. Folgerichtig fielen die meisten Vorschläge gar nicht in die Zuständigkeit des Landtags: „All das entscheidet der Deutsche Bundestag“, betonte der CDU-Abgeordnete. Schleswig-Holstein setze sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bereits heute für schnellere Verfahren und bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ein.

Sebastian Bonau (Grüne) warnte davor, die Lage der Wirtschaft schlechtzureden.
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Für die Grünen warnte Sebastian Bonau davor, die Lage der Wirtschaft schlechtzureden. Die Betriebe in Schleswig-Holstein stünden „nicht problemfrei da, aber robust“. Entlastungen müssten vor allem bei den Energiekosten ansetzen, etwa durch niedrigere Netzentgelte und eine Stromsteuersenkung. Zudem brauche es gezielte Investitionen und einen weiteren Abbau unnötiger Bürokratie.
Faire Löhne statt steuerfreier Überstunden

SPD-Wirtschaftsexperte Kianusch Stender sagte, die Antwort auf den Fachkräftemangel dürfe nicht sein, „dass Menschen immer länger arbeiten“.
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SPD-Wirtschaftsexperte Kianusch Stender lehnte den FDP-Antrag klar ab. „Die Stärke unseres Mittelstands entsteht nicht dadurch, dass Beschäftigte länger arbeiten, weniger Rechte haben oder Unternehmen pauschal weniger Steuern zahlen“, sagte er. Statt steuerfreier Überstunden brauche es faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und mehr Fachkräfte. Die Antwort auf den Fachkräftemangel dürfe nicht sein, „dass Menschen immer länger arbeiten“. Auch das von Vogt als „Bürokratiemonster“ bezeichnete Bundestariftreuegesetz verteidigte Stender ausdrücklich: „Wer mit Steuergeld Aufträge bekommt, der muss auch anständig bezahlen“, sagte der SPD-Abgeordnete.

Christian Dirschauer (SSW) betonte, gerade kleine Betriebe litten unter hohen Energiekosten und wachsender Bürokratie.
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Das Studium des FDP-Antrags löse bei ihm „ambivalente Gefühle“ aus, sagte der SSW-Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer. „Die Diagnose unterschreiben wir.“ Gerade kleine Betriebe litten unter hohen Energiekosten und wachsender Bürokratie. Steuerfreie Überstunden und ein pauschales Bürokratiemoratorium seien jedoch der falsche Weg, so Dirschauer – gute Arbeit und faire Löhne dürften nicht infrage gestellt werden.
Madsen: „nicht immer nur nach dem Staat rufen“

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) warb dafür, die Herausforderungen pragmatisch und gemeinsam anzugehen.
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Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) warb schließlich dafür, die Herausforderungen pragmatisch und gemeinsam anzugehen. Es sei richtig: Viele Betriebe hätten keine großen Rücklagen mehr. Dennoch müsse er davor warnen, jede Krise mit staatlichen Eingriffen beantworten zu wollen. „Unternehmerische Freiheit und Verantwortung gehören zusammen“, so Madsen. „Es wäre gut, wenn wir in Deutschland stärker für unsere Leistungen belohnt werden, und nicht immer nur nach dem Staat rufen.“ Die aktuelle Entwicklung sei vor allem krisenbedingt und könne sich mittelfristig wieder entspannen. Deshalb seien staatliche Schnellschüsse der falsche Weg – eingegriffen werden müsse dort, wo tatsächlich ein „Marktversagen vorliegt“.
Der Antrag der FDP wurde im Plenum mehrheitlich abgelehnt. Auch ein Vorschlag des SSW, das Thema zur weiteren Beratung in den Wirtschafts- und Digitalisierungsausschuss zu überweisen, fand keine Mehrheit.