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17. Juni 2026 – Plenum

Northvolt: Opposition verlangt Konsequenzen

Nach der Entscheidung des Landesverfassungsgerichts und dem Bericht des Landesrechnungshofs wird die Informationspolitik der Landesregierung im Zusammenhang mit der Northvolt-Förderung erneut diskutiert. Opposition und Koalition sehen Handlungsbedarf bei der Unterrichtung des Landtags.

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Oppositionsführerin Serpil Midyatli (SPD): „Sie wussten, wie groß die Risiken waren – wir nicht.“
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Keine Missbilligung der Landesregierung, keine personellen Konsequenzen - aber eine Mahnung, das Parlament künftig  besser zu informieren. Das stand am Ende einer izweistündigen Debatte zum Thema Northvolt. Die Opposition aus SPD, FDP und SSW warf der Regierung vor, gegen die Landesverfassung, die Haushaltsordnung und die Aktenordnung verstoßen und den Landtag getäuscht zu haben. Die Landesregierung habe „die Rechte des Parlaments missachtet“ und „einen Millionenschaden für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Schleswig-Holstein mit verursacht“, so Oppositionsführerin Serpil Midyatli (SPD). Sie forderte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf, sich bei den Schleswig-Holsteinern dafür zu entschuldigen. Günther sprach von Fehlern, die sich nicht wiederholen dürften. Aber: „Niemand hat bewusst versucht, das Parlament zu täuschen oder Informationen zurückzuhalten.“

Anlass der Oppositionskritik waren die Entscheidung des Landesverfassungsgerichts zu einer Normenkontrollklage der Fraktionen von FDP und SPD sowie ein Bericht des Landesrechnungshofs (LRH). In beiden Fällen wird der Regierung attestiert, die Risiken des geplanten Baus einer Batteriefabrik bei Heide falsch eingeschätzt und das Parlament nicht ausreichend vor der entscheidenden Ausschusssitzung im Januar 2024 informiert zu haben. Inzwischen ist der schwedische Northvolt-Konzern insolvent, und Fördermittel des Landes in erheblicher Höhe drohen verloren zu gehen.

Andere Fehlerkultur der Landesregierung gefordert

 

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Christopher Vogt (FDP): „Es wurde bewusst ein falscher Eindruck erweckt, um die Zustimmung des Parlaments zu bekommen.“
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„Sie wussten, wie groß die Risiken waren – wir nicht“, hielt Midyatli dem Kabinett vor: „Das Parlament war für seine Entscheidung nicht hinreichend informiert.“ Dies sei ein „Verstoß gegen grundsätzliche Regeln ordentlichen Regierungshandelns“ gewesen. Als Verantwortlichen machte Midyatli den Chef der Staatskanzlei, Minister Dirk Schrödter (CDU), aus. Dieser sei „nicht länger tragbar“, Günther müsse ihn entlassen. Die Bürger, so Christopher Vogt (FDP), dürften erwarten, dass die Landesregierung sich an Recht und Gesetz halte. Die Versäumnisse seien kein Zufall gewesen, denn es fehle „am notwendigen Respekt gegenüber dem Parlament und den Steuerzahlern“. Vogt warf der Regierung eine „Täuschung des Parlaments“ vor. „Es wurde bewusst ein falscher Eindruck erweckt, um die Zustimmung des Parlaments zu bekommen.“ Die Landesregierung brauche „eine andere Fehlerkultur“, heißt es in einem gemeinsamen Antrag der drei Oppositionsfraktionen.

 

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Christian Dirschauer (SSW): „Der Landtag hätte eine der Regierung gleichwertige Informationsgrundlage haben müssen.“
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„Der Landtag hätte eine der Regierung gleichwertige Informationsgrundlage haben müssen“, befand auch Christian Dirschauer (SSW). Die Kritik sei „kein parteipolitisches Manöver und kein Selbstzweck, sondern die notwendige Reaktion eines Parlaments“, so Dirschauer, denn „unsere Rechte sind nicht verhandelbar“. Der SSW mahnte einen „Lessons-Learned“-Bericht an. Darin soll die Regierung bis Ende September darlegen, welche „Versäumnisse und Defizite bei der Weitergabe parlamentarisch relevanter Entscheidungsgrundlagen“ sie gemacht habe. Es geht insbesondere um ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, das Grundlage für das Kieler Ja zu einer Northvolt-Förderung über 300 Millionen Euro aus dem Landeshauhsalt war.  Dieses Papier, das auch mögliche Risiken auflistet, hatte den Abgeordneten bei der entscheidenden Ausschusssitzung nicht vorgelegen. Damals hatte auch die Opposition zugestimmt.  

Kein Hinweis auf mutwillige Täuschung

 

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Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): „Sollte der Landtag erneut Entscheidungen treffen müssen, werden wir alle Dokumente frühzeitig und vollständig vorlegen.“
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„Wir werden sicherstellen, dass der Landtag künftig eine gleichwertige Entscheidungsgrundlage hat“, kündigte Ministerpräsident Günther an. Es werde ein „standardisiertes Informationsformat“ und eine bessere Einbindung der Ausschüsse geben. Northvolt sei für Schleswig-Holstein die Chance gewesen, im internationalen Wettbewerb „nicht nur Zuschauer zu sein“. Es sei richtig gewesen, „dass wir versucht haben diese Chance zu nutzen“. Nun gebe es mit dem US-Konzern Lyten einen ernsthaften Interessenten an dem Northvolt-Gelände. „Sollte der Landtag erneut Entscheidungen treffen müssen, werden wir alle Dokumente frühzeitig und vollständig vorlegen“, so Günther. Die Lehre dürfe nicht sein, „keine Risiken mehr einzugehen“. Günther wiederholte seine Aussage, er würde die Entscheidung pro Northvolt heute erneut so treffen. Damit stieß er auf Protest bei der Opposition. Kianusch Stender (SPD) sprach von der „Arroganz der Macht“.

 

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Tobias Koch (CDU): „Wir haben alle gemeinsam die Northvolt-Ansiedlung als riesige Chance für unser Bundesland gesehen.“
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Auch CDU und Grüne erwarteten in einem eigenen Antrag eine bessere Informationspolitik der Landesregierung. Er gehe fest davon aus, so CDU-Fraktionschef Tobias Koch (CDU), dass die Regierung das Urteil des Verfassungsgerichts „mit aller Demut entgegennehmen wird, es beherzigen wird und zukünftig so verfahren wird“. Zugleich gebe es „nicht den geringsten Anhaltspunkt“ dafür, „dass die Landesregierung das Parlament vorsätzlich getäuscht“ habe. Vielmehr sei es so gewesen, „dass wir alle gemeinsam die Northvolt-Ansiedlung als riesige Chance für unser Bundesland gesehen haben“. Diesen Punkt unterstrich Lasse Petersdotter (Grüne): „Es gab gute Gründe für Northvolt.“ Schleswig-Holstein habe sich in Konkurrenz mit anderen möglichen Standorten in den USA, in Kanada und Deutschland befunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fördergelder zurückgezahlt werden, habe bei 86 Prozent gelegen – die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls hingegen bei lediglich einem Prozent. Schleswig-Holstein hätte es sich nicht erlauben können, da rauszugehen“, so Petersdotter. 

 

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Lasse Petersdotter (Grüne): „Es gab gute Gründe für Northvolt.“
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Die Opposition macht der Landesregierung schwere Vorwürfe beim Thema Northvolt. SPD, FDP und SSW halten der Regierung in einem gemeinsamen Antrag vor, gegen die Landesverfassung, die Landeshaushaltsordnung sowie die Aktenordnung verstoßen zu haben. Ein solches Agieren sei inakzeptabel: „Der Landtag missbilligt dieses Handeln der Landesregierung.“ Weiter heißt es: „Der Landtag erwartet vom Ministerpräsidenten im Namen der Landesregierung eine öffentliche Entschuldigung sowohl gegenüber dem Landtag als auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihren Steuergeldern für den von der Landesregierung verursachten finanziellen Schaden des Landes einstehen müssen.“ Die Landesregierung brauche „eine andere Fehlerkultur“, denn sie habe einen „erheblichen Mangel an Respekt“ vor der verfassungsrechtlich gebotenen Kontrollfunktion des Parlaments an den Tag gelegt. Auch „personelle Konsequenzen“ werden ins Spiel gebracht.

CDU und Grüne erwarten ebenfalls eine bessere Informationspolitik der Landesregierung. Die Regierung solle rechtzeitig diejenigen Informationen übermitteln, „die dem Landtag eine gleichwertige Entscheidungsgrundlage hinsichtlich der zuvor erfolgten Beschlussfassung der Landesregierung ermöglichen“, heißt es im Antrag der Koalitionsfraktionen. Dazu zählen auch „Gutachten oder andere Bewertungen“. Zudem soll die Regierung sich strikt an die Landeshaushaltsordnung halten und ihre Entscheidungsprozesse genau protokollieren.

Landeserfassungsgericht rügt unzureichende Information des Parlaments

Anlass der Kritik sind die Entscheidung des Landesverfassungsgerichts zu einer Normenkontrollklage der Fraktionen von FDP und SSW sowie ein Bericht des Landesrechnungshofs (LRH). In beiden Fällen wird der Regierung attestiert, die Risiken des geplanten Baus einer Batteriefabrik bei Heide falsch eingeschätzt und das Parlament nicht ausreichend informiert zu haben. Inzwischen ist der schwedische Northvolt-Konzern insolvent, und Fördermittel des Landes in erheblicher Höhe drohen verloren zu gehen.

Nach Auffassung des Verfassungsgerichts hat die Landesregierung den Landtag nicht ausreichend über die Risiken der Northvolt-Förderung informiert. Zu diesem einstimmigen Beschluss kam das Gericht in Schleswig Ende Mai (Az. LVerfG 1/25). Die Landesregierung habe ihre Informationspflichten verletzt, sagte Gerichtspräsident Christoph Brüning bei der Verkündung des Urteils. Nach Überzeugung des Gerichts hat die Regierung das Parlament nicht vollständig und rechtzeitig vor der gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Digitalisierungsausschusses sowie des Finanzausschusses im Januar 2024 „über Bedenken am Gelingen der Gesamtfinanzierung des Ansiedlungsvorhabens einer Batteriezellfabrik und an der Rückzahlung der hierfür ausgegebenen Wandelanleihe unterrichtet“.

Landesrechnungshof sieht Verstöße bei Förderentscheidung

Damals machten die Abgeordneten einstimmig den Weg frei für eine Anleihe der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Das LVerfG verwies auf Artikel 28 der Landesverfassung. Er verpflichtet die Regierung, den Landtag über die Vorbereitung von Gesetzen und Staatsverträgen, aber auch über Grundsatzfragen der Landesplanung, Großvorhaben und die Vorbereitung von Verwaltungsabkommen zu unterrichten.

Der LRH wirft der Landesregierung vor, bei der Northvolt-Förderung gegen die Landeshaushaltsordnung verstoßen zu haben. Die Regierung habe „darauf verzichtet, gegenüber dem Unternehmen auf belastbaren Finanzierungsunterlagen zu bestehen und so die Risiken für das Land zumindest zu reduzieren“, heißt es in dem Prüfbericht, den der Landtag im Juli 2025 angefordert hatte. Der LRH erkennt in seinem Bericht an, dass sowohl das Unternehmen als auch das Bundeswirtschaftsministerium eine zügige Entscheidung aus Kiel erwarteten. „Das Handeln war daher geprägt von dem Bemühen, eine für Schleswig-Holstein einzigartige Industrieansiedlung nicht zu gefährden.“

SSW fordert „Lessons-Learned“-Bericht

Die SPD fordert, „sich mit den Ergebnissen sowie den daraus abgeleiteten Handlungsbedarfen weiter zu befassen“. Der SSW mahnt darüber hinaus einen „Lessons-Learned“-Bericht an. Darin soll die Regierung bis Ende September darlegen, welche „Versäumnisse und Defizite bei der Weitergabe parlamentarisch relevanter Entscheidungsgrundlagen“ sie gemacht habe. Es geht insbesondere um ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, das Grundlage für die Kieler Zustimmung zu den Northvolt-Millionen war. Dieses Papier, das auch mögliche Risiken auflistet, hatte den Abgeordneten bei der entscheidenden Ausschusssitzung nicht vorgelegen.

TOP 36 + 37 + 53:

Antrag der Fraktion der SPD

– Drucksache 20/4461

Antrag der Fraktion des SSW

– Drucksache 20/4465 

Alternativantrag der Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen

– Drucksache 20/4550 

Antrag der Fraktionen von FDP, SPD und SSW

– Drucksache 20/4527