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28. August 2026 – Plenum

Drohnen-Vorfall im Leipzig: Landtag fordert Schutzkonzept

Die FDP fordert mehr Schutz kritischer Infrastruktur vor Drohnen und anderen hybriden Bedrohungen. Neben einer Drohnenabwehreinheit soll die Zusammenarbeit von Landespolizei, Bundespolizei und Bundeswehr klarer geregelt werden.

Christoph Vogt (FDP)
FDP-Fraktionschef Christopher Vogt: „Wir müssen unsere Freiheit sehr konsequent und sehr geschlossen verteidigen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Nach dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August fordert der Landtag Konsequenzen für Schleswig-Holstein. Die Landesregierung soll ein Schutzkonzept für Flughäfen, Häfen, Unternehmen der kritischen Infrastruktur und Anlagen der Energie- und Wasserversorgung schaffen, heißt es in einem gemeinsamen Antrag von FDP und Schwarz-Grün, der einstimmig beschlossen wurde. Die Drohnenabwehreinheit beim Landeskriminalamt soll so schnell wie möglich die Arbeit aufnehmen. „Unsere Sicherheit ist durch die hybriden Angriffe auf unser Land zunehmend gefährdet“, stellte FDP-Fraktionschef Christopher Vogt fest: „Wir müssen unsere Freiheit sehr konsequent und sehr geschlossen verteidigen.“ In Leipzig/Halle waren mehrere ukrainische Frachtmaschinen mutmaßliches Ziel von teils mit Sprengstoff bestückten Drohnen. Deren Herkunft ist ungeklärt, Berichten zufolge vermuten Ermittler einen russischen Hintergrund.

 

Magdalena Finke (CDU)
Innenministerin Magdalena Finke (CDU) hält „ein bundesweites Lagebild und eine tagesaktuelle Übersicht“ für nötig.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sprach von einem „permanenten Wettlauf gegen die Zeit“ und einer „neuen Dimension der Gefahr“. Im Lande habe es im laufenden Jahr bislang 34 Drohnensichtungen gegeben, dabei handele es sich jedoch „nicht ausschließlich um illegale Überflüge“. Die Ermittlungen zu diesen Vorfällen seien noch nicht abgeschlossen. Nötig sei „ein bundesweites Lagebild und eine tagesaktuelle Übersicht“. Dies werde zurzeit vorbereitet. Schleswig-Holstein habe in den vergangenen Jahren mehr als 50 neue Stellen für die Abwehreinheit geschaffen, die nahezu alle besetzt seien. Sieben Millionen Euro seien in diesem Bereich investiert worden. Finke kündigte an, dass eine Delegation aus dem Land in die ukrainische Partnerregion Cherson reisen werden, um sich dort über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Bei diesem Thema gebe es „kein anderes Land, das über mehr Erfahrung verfügt“.

Bessere Zusammenarbeit von Ländern und Bund angemahnt

 

Birthe Glißmann (CDU)
Birte Glißmann (CDU): „In dieser Zeit kann niemand erst einmal über Zuständigkeiten diskutieren oder ein Amtshilfeersuchen stellen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Abgeordneter alle Fraktionen mahnten eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ländern und dem Bund inklusive Bundespolizei und Bundeswehr an. Im Notfall habe man nur wenige Sekunden Zeit, um zu reagieren, so Birte Glißmann (CDU): „In dieser Zeit kann niemand erst einmal über Zuständigkeiten diskutieren oder ein Amtshilfeersuchen stellen“, deswegen dürfe es keine „starren Zuständigkeitsgrenzen“ geben.

 

Jan Kürschner (Grüne)
Jan Kürschner (Grüne): „Ich nehme bislang kein besondere Tätigkeit von Bundesbehörden in Schleswig-Holstein wahr.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Jan Kürschner (Grüne) erwartete mehr Engagement in Berlin: „Ich nehme bislang kein besondere Tätigkeit von Bundesbehörden in Schleswig-Holstein wahr.“ Das Thema werde im Lande mit dem Fortschreiten der Energiewende immer wichtiger werden, so Kürschner, denn die Energieinfrastruktur werde dezentraler und damit auch anfälliger.

Bedrohungen ernst nehmen und kühlen Kopf bewahren

 

Niclas Dürbrook (SPD)
Niclas Dürbrook (SPD): „Eine Drohne muss nicht explodieren, um ihre Wirkung zu entfalten.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

„Eine Drohne muss nicht explodieren, um ihre Wirkung zu entfalten“, betonte Niclas Dürbrook (SPD). Denn „wenn es jemand schafft, uns mit jedem unbekannten Fluggerät in Aufregung zu versetzen, Unsicherheit zu schaffen und unsere Abläufe zu stören, dann hat er das eigentliche Ziel wahrscheinlich schon erreicht.“ Die Verantwortlichen müssten die Bedrohung ernst nehmen und zugleich einen kühlen Kopf bewahren.

 

Sybilla Nitsch (SSW)
Sybilla Nitsch (SSW) betonte, die Menschen dürften nicht mit „Schweigen, Worthülsen und lauwarmen Erklärungen“ abgespeist werden.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Sybilla Nitsch (SSW) rief die Landesregierung auf, offen und ehrlich zu kommunizieren. Die Bevölkerung könne „viel mehr tragen, als viele glauben wollen“. Die Menschen müssten über die Hintergründe von Drohnenvorfällen informiert werden und dürften nicht mit „Schweigen, Worthülsen und lauwarmen Erklärungen“ abgespeist werden.

Die FDP-Fraktion will die Drohnenabwehr in Schleswig-Holstein weiter ausbauen. Für Flughäfen, Häfen, Unternehmen der kritischen Infrastruktur sowie Anlagen der Energie- und Wasserversorgung soll ein Schutzkonzept entwickelt werden, das auch besondere Gefahren im maritimen Raum berücksichtigt. Zudem soll die Drohnenabwehreinheit beim Landeskriminalamt zügig ihre volle Einsatzbereitschaft erreichen und technisch entsprechend ausgestattet werden. Bis zum ersten Quartal 2027 fordert die FDP außerdem ein gemeinsames Konzept von Landespolizei, Bundespolizei und Bundeswehr zur Klärung von Zuständigkeiten. Auf Bundesebene soll sich das Land für ein Seesicherheitsgesetz einsetzen.

Zur Begründung verweist die Fraktion auf eine aus ihrer Sicht neue Qualität der Bedrohung durch Drohnen und andere hybride Angriffe. Die bisherigen Anstrengungen der Landesregierung – darunter zusätzliche Stellen bei Polizei und Verfassungsschutz, der Aufbau einer Drohnenabwehreinheit und die Beschaffung neuer Technik – erkennt die FDP ausdrücklich an. Angesichts der dynamischen Gefahrenlage seien jedoch weitere und schnellere Maßnahmen erforderlich.

Land baut Drohnenabwehr bereits aus

Das Land hat seine Abwehr in den vergangenen Jahren bereits ausgebaut: Die Landespolizei schaffte 2024 und 2025 entsprechende Technik an, weitere Mittel für Erkennung und Abwehr stehen in diesem Jahr bereit. Innenministerin Magdalena Finke (CDU) will zudem die rechtlichen Befugnisse erweitern und Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach sich Anfang August dafür aus, angesichts der neuen Bedrohungslage auch Einsätze der Bundeswehr zur Drohnenabwehr im Inland zu ermöglichen. Dafür müsse gegebenenfalls auch über eine Änderung des Grundgesetzes gesprochen werden.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sich der Landtag fraktionsübergreifend für eine stärkere Drohnenabwehr ausgesprochen. Gefordert wurden unter anderem eine Drohnenabwehreinheit bei der Landespolizei, klarere Zuständigkeiten zwischen den Sicherheitsbehörden und der Bundeswehr sowie ein Seesicherheitsgesetz. Im Januar stand dann der Schutz kritischer Infrastruktur erneut auf der Tagesordnung. Ein FDP-Antrag für eine umfassende Landesstrategie fand damals keine Mehrheit – einstimmig beschlossen wurde ein Alternativantrag von CDU und Grünen zur Weiterentwicklung bestehender Strukturen.

Top 45:

Antrag der Fraktion der FDP

– Drucksache 20/4722