Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

18. September 2026 – Plenum

Streit um mehr Spielraum bei der Landesplanung

Die FDP fordert weniger Vorgaben in der Landes- und Regionalplanung und mehr Spielraum für Kommunen bei Wohnen und Gewerbe. Über Reformbedarf herrscht im Plenum Einigkeit – umstritten ist, wie weit die Lockerungen gehen sollen.

26_09_16_SES21320_buchholz_web © Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Bernd Buchholz (FDP): „Wir brauchen viel mehr Flexibilität, statt alles im Detail planen und steuern zu wollen.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die FDP drängt erneut auf eine grundlegende Neuausrichtung der Landes- und Regionalplanung. Kommunen sollen leichter Flächen für Wohnen und Gewerbe ausweisen können, Vorgaben reduziert und das Flächenverbrauchsziel von 1,3 Hektar pro Tag gelockert werden. Zudem wollen die Liberalen die Landesplanung vom Innen- ins Wirtschaftsministerium verlagern. CDU und Grüne gehen die Forderungen insgesamt zu weit, zeigen sich aber offen für Reformen – nach Abschluss der laufenden Regionalplanung.

Ökologische Belange müssten weiterhin berücksichtigt werden, seien in den vergangenen Jahren aber häufig zu stark gewichtet worden, eröffnete Bernd Buchholz (FDP) die Debatte. „Die Frage des Maßes ist entscheidend“, betonte er: „Wir brauchen viel mehr Flexibilität, statt alles im Detail planen und steuern zu wollen.“ Die laufenden Regionalpläne lösten das Kernproblem aus seiner Sicht nicht, viele Kommunen könnten sich weiterhin nicht ausreichend entwickeln. Statt komplizierter Zielabweichungsverfahren müsse künftig stärker „vor Ort direkt entschieden“ werden können.

Koalition sieht ebenfalls Reformbedarf

Thomas Jepsen (CDU) teilte einen Teil der Kritik. „Im Grundsatz stimme ich zu: Es braucht weniger Planungstiefe, mehr Flexibilität und mehr Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte er. Die nahezu abgeschlossene Neuaufstellung der Regionalpläne jetzt noch zu stoppen, sei jedoch der falsche Weg. Anschließend müsse der Landesentwicklungsplan modernisiert und auf wesentliche Leitlinien konzentriert werden.

Bina Braun (Grüne) wies insbesondere die Kritik zurück, ökologische Aspekte würden in der Landesplanung bevorzugt: Diese würden „keineswegs vorrangig“ behandelt, vielmehr würden unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen. Auch eine Verlagerung ins Wirtschaftsministerium lehnte sie ab und verwies auf das „hochqualifizierte Team“ im Innenministerium. Der Forderung nach zusätzlichen Flächen hielt sie entgegen: „Mehr Fläche allein schafft noch kein Wirtschaftswachstum.“

Mehr Flexibilität – aber wie weit?

 

26_09_17_SES22598_finke_web © Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Räumte ein, dass die Planungsverfahren teilweise zu komplex seien und zu lange dauerten: Innenministerin Magdalena Finke (CDU).
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

In Sachen Flexibilität und kommunalen Spielraum teile man „grundsätzlich“ das Anliegen der FDP, sagte Kai Dolgner (SPD). Gerade langwierige Verfahren und zusätzliche Planungsschleifen seien ein Problem. Entwicklungsrahmen und andere Instrumente seien jedoch nicht bloß willkürliche Wachstumsbremsen, sondern dienten auch dazu, unterschiedliche Interessen auszugleichen. Der Antrag lege „durchaus den Finger in eine reale Wunde“, über die richtige Lösung müsse aber weiter gesprochen werden.

Sybilla Nitsch (SSW) schlug eine ähnliche Richtung ein. Mehr Flexibilität für Kommunen, weniger Bürokratie und zusätzliche Möglichkeiten für Wohnraum und heimische Unternehmen seien richtig. Beim Flächenverbrauch und dem Schutz von Freiräumen gingen die Liberalen jedoch zu weit: „Der SSW will eine Landesplanung, die Entwicklungen ermöglicht, aber nicht um jeden Preis“, fasste Nitsch zusammen.

Finke für mehr Vertrauen in Kommunen

Innenministerin Magdalena Finke (CDU) räumte ein, dass die Planungsverfahren teilweise zu komplex seien und zu lange dauerten. Die laufenden Regionalpläne sollten dennoch abgeschlossen werden – sie eröffneten zusätzliche Möglichkeiten für Wohnen und Gewerbe und sicherten zugleich Freiräume. Für die weitere Landesplanung müsse der Leitgedanke aber lauten: „noch mehr Vertrauen in die Kommunen“. Nicht jede Entwicklung müsse vom Land bis ins Detail vorgegeben werden, zugleich müsse die Raumordnung schneller und flexibler auf veränderte Bedingungen reagieren können.

Sowohl eine von der SPD-Fraktion vorgeschlagene Überweisung des FDP-Antrags in den Ausschuss als auch der Antrag selbst wurden mit den Stimmen der Koalition abgelehnt.

Die FDP fordert erneut, die Landes- und Regionalplanung stärker auf wirtschaftliche Entwicklung, Wohnungsbau und kommunale Entscheidungsfreiheit auszurichten. So soll der Landesentwicklungsplan vereinfacht und von detaillierten Vorgaben befreit sowie die Planungstiefe der Regionalpläne reduziert werden, heißt es im Antrag. Zudem fordert die Fraktion, das Flächenverbrauchsziel von maximal 1,3 Hektar pro Tag zu lockern, den wohnbaulichen Entwicklungsrahmen abzuschaffen und die bisherige Kategorisierung der Kommunen zu überarbeiten. Auch neue Industrie- und Gewerbeflächen sollen leichter ausgewiesen werden können.

Zur Begründung verweist die FDP auf Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung sowie dem Schutz natürlicher Flächen. Aus ihrer Sicht habe das Land bislang ökologische Aspekte zu stark in den Blick genommen und damit Entwicklungsmöglichkeiten vertan. Künftig müsse der „Grundsatz des Möglichmachens“ gelten: Kommunen sollen innerhalb flexibler Entwicklungsräume stärker selbst über Wohn-, Gewerbe- oder Grünflächen entscheiden können. Zielabweichungsverfahren sollen vereinfacht und regionale Grünzüge als landesplanerische Kategorie abgeschafft werden. Die Landesplanung selbst will die FDP vom Innen- ins Wirtschaftsministerium verlagern und dort enger mit Energie- und Industriepolitik verbinden.

Buchholz: Gewerbeflächen werden vernachlässigt

Mehr Spielraum in der Landes- und Regionalplanung gehört für die Liberalen seit langem zu den Schwerpunktthemen. Zuletzt brachte die FDP-Fraktion das Thema im September 2025 mit einem eigenen Antrag in den Landtag und forderte mehr Flexibilität insbesondere bei den regionalen Grünzügen. Bei den Haushaltsberatungen im Dezember letzten Jahres kritisierte Bernd Buchholz, die Regionalplanung treffe nicht ausreichend Vorsorge für zusätzliche Gewerbeflächen. Und erst vor einigen Tagen erneuerte er die Kritik gegenüber der Presse anlässlich steigender Unternehmensinsolvenzen: „Vorgezogene Klimaziele und eine Reduzierung des Flächenangebots durch restriktive Regionalplanung schaffen eher Standortnachteile.“

Der aktuelle Antrag fällt zeitlich passend in die laufende Neuaufstellung der Regionalpläne für das Land: Hier verlangt die FDP ausdrücklich, ihre Vorschläge noch in dieses Verfahren einfließen zu lassen. Landesentwicklungs- und Regionalpläne geben den Rahmen dafür vor, wo und in welchem Umfang etwa neue Wohn-, Gewerbe- oder Verkehrsflächen entstehen können. Die Regionalpläne konkretisieren dabei die landesweiten Vorgaben für die einzelnen Landesteile.

Top 27:

– Drucksache 20/4782 (Antrag der Fraktion der FDP)