Der neue Landesweite Nahverkehrsplan und die Zukunft der Bäderbahn haben den Landtag in einer lebhaften Diskussion beschäftigt. Während die Koalition auf geplante Investitionen und Fortschritte verwies, warf die Opposition der Landesregierung ungenutzte Zeit und mangelnde Verbindlichkeit vor.

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28. August 2026 – Plenum

Hitzige Debatte um Nahverkehrsplan und Bäderbahn

Der neue Landesweite Nahverkehrsplan und die Zukunft der Bäderbahn haben den Landtag in einer lebhaften Diskussion beschäftigt. Während die Koalition auf geplante Investitionen und Fortschritte verwies, warf die Opposition der Landesregierung ungenutzte Zeit und mangelnde Verbindlichkeit vor.

Claus Ruhe Madsen (CDU)
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU): „Wir werden das Gesamtsystem Bahn auf einen neuen Level heben.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Zusätzliche und längere Züge, neue Verbindungen sowie der weitere Ausbau und die Elektrifizierung von Strecken: Mit dem neuen Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) will die Landesregierung den öffentlichen Nahverkehr bis 2031 zuverlässiger, leistungsfähiger und barrierefreier machen. Während die Koalition darin die Grundlage für weitreichende Verbesserungen sah, zog die Opposition im Plenum eine deutlich kritischere Bilanz und bemängelte unter anderem Verzögerungen bei bisherigen Vorhaben sowie fehlende konkrete Zeitvorgaben. Kritisiert wurde auch die fehlende Berücksichtigung der Zukunft der Bäderbahn im vorgelegten LNVP. Ein gemeinsamer Antrag von SPD und FDP forderte eine verbindliche Zusage für ihren Weiterbetrieb und die Prüfung einer Elektrifizierung.

Madsen: „Bahn soll eine echte Alternative zum Auto sein“

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) wertete die seit Jahren steigende Zahl der Fahrgäste im Bahnverkehr im Land als positives Signal, auf das die Landesregierung mit Investitionen in Angebot und Infrastruktur reagiere. Der dazu vorgelegte LNVP sehe neue Verbindungen, Elektrifizierungen sowie Verbesserungen bei Pünktlichkeit und Barrierefreiheit vor. „Wir werden das Gesamtsystem Bahn auf einen neuen Level heben“, kündigte Madsen an. Noch seien nicht alle Vorhaben finanziert und zusätzliche Mittel des Bundes blieben notwendig. Und auch die Bäderbahn sei noch nicht aufgenommen, weil mit dem Bund zunächst die Finanzierung einer möglichen Elektrifizierung geklärt werde. Das Ziel der Landesregierung sei jedoch klar: „Die Bahn soll eine echte Alternative zum Auto sein.“

 

Niclas Dürbrook (SPD)
Niclas Dürbrook (SPD): „Wenn Sie da überall nur noch hinschreiben: Das wollen wir irgendwann einmal machen – dann ist das kein Plan. Dann ist das eine Wunschliste.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Niclas Dürbrook (SPD) bezweifelte dagegen, dass der neue Plan seinem Anspruch gerecht werde. Nur etwa die Hälfte der Projekte, die bis Ende 2026 verbindlich umgesetzt werden sollten, werde tatsächlich realisiert. Zudem fehlten im neuen LNVP konkrete zeitliche Vorgaben. „Wenn Sie da überall nur noch hinschreiben: Das wollen wir irgendwann einmal machen – dann ist das kein Plan. Dann ist das eine Wunschliste.“ Auch bei der Bäderbahn forderte Dürbrook eine verbindliche Zusage zum Weiterbetrieb – unabhängig davon, ob der Bund die Elektrifizierung finanziere. Die Menschen vor Ort wollten „nicht die nächste jahrelange Hängepartie“, sondern Klarheit.

Koalition verweist auf Fortschritte

 

Rasmus Vöge (CDU)
Rasmus Vöge (CDU) bekannte sich für den Erhalt der Bäderbahn.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Rasmus Vöge (CDU) räumte Probleme bei Infrastruktur und Pünktlichkeit ein, sah insgesamt aber eine positive Entwicklung. „Vieles“ habe sich in den vergangenen Jahren „in die richtige Richtung bewegt“, sagte der verkehrspolitische Sprecher und nannte neue Züge, dichtere Takte, Streckenreaktivierungen und neue Haltepunkte. Er bekannte sich für den Erhalt der Bäderbahn: hier werde sich die CDU „mit aller Kraft“ einsetzen –einschließlich einer Elektrifizierung.

 

Nelly Waldeck (Grüne)
Nelly Waldeck (Grüne) sagte, nach Jahren der Unsicherheit solle der Betrieb der Bäderbahn nun gesichert und als „gesetztes Projekt“ in den LNVP aufgenommen werden.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Nelly Waldeck (Grüne) sah im neuen LNVP die Grundlage, den Bahnverkehr Schritt für Schritt zuverlässiger und leistungsfähiger zu machen und das Netz weiter auszubauen. Statt „riesiger verkehrspolitischer Visionen“ gehe es um konkrete Verbesserungen. Die massive Kritik der Opposition an der neuen Einteilung der Vorhaben wies sie zurück: An die Stelle der bisherigen Priorisierung träten die Kategorien „gesetzte“, „zu planende“ und „zu untersuchende“ Projekte, die Finanzierung und Umsetzungsstand besser abbildeten. Bei der Bäderbahn seien die Gespräche zwischen Bund, Bahn und Land inzwischen auf einem guten Weg. Nach Jahren der Unsicherheit solle der Betrieb nun gesichert und als „gesetztes Projekt“ in den LNVP aufgenommen werden.

Buchholz: „Plan ist ein Dokument des Stillstands“

 

Christoph Vogt (FDP)
Christopher Vogt (FDP) vermisste gegenüber dem Vorgängerplan entscheidende Fortschritte.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Christopher Vogt (FDP) nannte viele Vorhaben des neuen LNVP sinnvoll, vermisste gegenüber dem Vorgängerplan jedoch entscheidende Fortschritte. Die Landesregierung habe „ganz viel versprochen“ und „ganz wenig geliefert“. Bei der Bäderbahn forderte er, dem gemeinsamen Antrag folgend, ein verbindliches Konzept mit Zeitplan und Kostenschätzung sowie mehr Verantwortung des Landes. Sein Fraktionskollege und früherer Verkehrsminister Bernd Buchholz zog eine noch schärfere Bilanz: „Dieser neue Plan ist ein Dokument des Stillstands.“ Kein Projekt sei neu oder signifikant vorangekommen. „Die letzten fünf Jahre waren verlorene Jahre.“

 

Sybilla Nitsch (SSW)
Sybilla Nitsch (SSW) begrüßte Fortschritte beim Flensburger Bahnknoten und die geplante Verlängerung des RE7 nach Tinglev, forderte aber, Mobilität stärker deutsch-dänisch zu denken.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Für Sybilla Nitsch (SSW) lag ein Schwerpunkt auf dem Norden und den grenzüberschreitenden Verbindungen. Sie begrüßte Fortschritte beim Flensburger Bahnknoten und die geplante Verlängerung des RE7 nach Tinglev, forderte aber, Mobilität stärker deutsch-dänisch zu denken. „Die Grenze ist auf der Landkarte, sie darf aber keine Grenze für Mobilität sein.“ Entscheidend sei zugleich die Umsetzung der angekündigten Projekte.

LNVP an den Wirtschaftsausschuss überwiesen

Nach zahlreichen zusätzlichen Wortmeldungen lehnte der Landtag den gemeinsamen Antrag von SPD und FDP mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen ab. Der Alternativantrag von CDU und Grünen wurde mit deren Mehrheit angenommen. Der Bericht der Landesregierung zum LNVP wurde einstimmig zur weiteren Beratung an den Wirtschaftsausschuss überwiesen.

Der neue Landesweite Nahverkehrsplan (LNVP) für Schleswig-Holstein legt die Leitlinien für den öffentlichen Nahverkehr in den Jahren 2027 bis 2031 fest. Ziel ist es, mehr Kapazitäten zu schaffen, das Angebot zuverlässiger zu machen und die Barrierefreiheit weiter zu verbessern. Vorgesehen sind unter anderem längere und zusätzliche Züge und der Einsatz von Doppelstockzügen. Außerdem sollen wichtige Bahnstrecken ausgebaut werden. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Zwischen 2019 und 2025 nahm die Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr um fast 20 Prozent zu.

Eine geplante Neuerung ist die Linie RE78 zwischen Kiel und Hamburg über Bad Segeberg. Sie soll eine zusätzliche stündliche Verbindung schaffen. Dafür soll die Strecke zwischen Neumünster, Bad Segeberg und Bad Oldesloe elektrifiziert und teilweise zweigleisig ausgebaut werden. Weitere Projekte betreffen vor allem das Hamburger Umland, die Westküste sowie die Zentren Kiel, Lübeck und Flensburg. Dazu gehören die S-Bahn-Anbindung von Hamburg nach Kaltenkirchen, der Ausbau der S4 Ost und die Elektrifizierung der Marschbahn. Auch die Regio-S-Bahn-Systeme sollen weiterentwickelt werden. Für den Bahnknoten Flensburg ist eine Neugestaltung vorgesehen.

Planungssicherheit für die Bäderbahn gefordert

Auch die Zukunft der Bäderbahn in Ostholstein wird den Landtag beschäftigen. In einem gemeinsamen Antrag setzen sich SPD und FDP für den langfristigen Erhalt der Strecke ein. Die Regionalbahn RB85 verbindet Lübeck mit Neustadt (Holstein) und hält unter anderem in Bad Schwartau, Timmendorfer Strand und Haffkrug. Auch nach Fertigstellung der Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung soll auf der bestehenden Bäderbahnstrecke weiterhin Regionalverkehr angeboten werden. Damit soll insbesondere die Anbindung von Timmendorfer Strand erhalten bleiben. Zudem soll die Landesregierung gegenüber der Deutschen Bahn darauf hinwirken, dass der geplante neue Halt in Ratekau auch bei einer weiteren Nutzung der Bäderbahntrasse umgesetzt werden kann. Einen Doppelbahnhof in Haffkrug wollen die Fraktionen vermeiden.

Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die bestehende Strecke elektrifiziert werden kann. SPD und FDP fordern, dem Landtag bis zum ersten Quartal 2027 eine Kostenschätzung und einen Zeitplan vorzulegen. Die Bedeutung der Strecke hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben der Fraktionen ist die Zahl der Fahrgäste seit 2010 um 85 Prozent gestiegen. Die Bäderbahn ist damit sowohl für Pendlerinnen und Pendler als auch für den Tourismus an der Lübecker Bucht von Bedeutung. Hintergrund des Antrags sind veränderte Einschätzungen zur Zukunft der bestehenden Strecke. Nachdem ein Weiterbetrieb zuletzt nicht ausgeschlossen wurde, wollen SPD und FDP nun vor allem für die Kommunen und die Bevölkerung in Ostholstein eine verlässliche Perspektive schaffen.

Top 38+63:

Antrag der Fraktionen von SPD und FDP

– Drucksache 20/4712 


Bericht der Landesregierung - Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus

– Drucksache 20/4607