Der neue Landesweite Nahverkehrsplan (LNVP) für Schleswig-Holstein legt die Leitlinien für den öffentlichen Nahverkehr in den Jahren 2027 bis 2031 fest. Ziel ist es, mehr Kapazitäten zu schaffen, das Angebot zuverlässiger zu machen und die Barrierefreiheit weiter zu verbessern. Vorgesehen sind unter anderem längere und zusätzliche Züge und der Einsatz von Doppelstockzügen. Außerdem sollen wichtige Bahnstrecken ausgebaut werden. Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Zwischen 2019 und 2025 nahm die Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr um fast 20 Prozent zu.
Eine geplante Neuerung ist die Linie RE78 zwischen Kiel und Hamburg über Bad Segeberg. Sie soll eine zusätzliche stündliche Verbindung schaffen. Dafür soll die Strecke zwischen Neumünster, Bad Segeberg und Bad Oldesloe elektrifiziert und teilweise zweigleisig ausgebaut werden. Weitere Projekte betreffen vor allem das Hamburger Umland, die Westküste sowie die Zentren Kiel, Lübeck und Flensburg. Dazu gehören die S-Bahn-Anbindung von Hamburg nach Kaltenkirchen, der Ausbau der S4 Ost und die Elektrifizierung der Marschbahn. Auch die Regio-S-Bahn-Systeme sollen weiterentwickelt werden. Für den Bahnknoten Flensburg ist eine Neugestaltung vorgesehen.
Planungssicherheit für die Bäderbahn gefordert
Auch die Zukunft der Bäderbahn in Ostholstein wird den Landtag beschäftigen. In einem gemeinsamen Antrag setzen sich SPD und FDP für den langfristigen Erhalt der Strecke ein. Die Regionalbahn RB85 verbindet Lübeck mit Neustadt (Holstein) und hält unter anderem in Bad Schwartau, Timmendorfer Strand und Haffkrug. Auch nach Fertigstellung der Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung soll auf der bestehenden Bäderbahnstrecke weiterhin Regionalverkehr angeboten werden. Damit soll insbesondere die Anbindung von Timmendorfer Strand erhalten bleiben. Zudem soll die Landesregierung gegenüber der Deutschen Bahn darauf hinwirken, dass der geplante neue Halt in Ratekau auch bei einer weiteren Nutzung der Bäderbahntrasse umgesetzt werden kann. Einen Doppelbahnhof in Haffkrug wollen die Fraktionen vermeiden.
Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die bestehende Strecke elektrifiziert werden kann. SPD und FDP fordern, dem Landtag bis zum ersten Quartal 2027 eine Kostenschätzung und einen Zeitplan vorzulegen. Die Bedeutung der Strecke hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben der Fraktionen ist die Zahl der Fahrgäste seit 2010 um 85 Prozent gestiegen. Die Bäderbahn ist damit sowohl für Pendlerinnen und Pendler als auch für den Tourismus an der Lübecker Bucht von Bedeutung. Hintergrund des Antrags sind veränderte Einschätzungen zur Zukunft der bestehenden Strecke. Nachdem ein Weiterbetrieb zuletzt nicht ausgeschlossen wurde, wollen SPD und FDP nun vor allem für die Kommunen und die Bevölkerung in Ostholstein eine verlässliche Perspektive schaffen.