
Heiner Garg (FDP) will die 93-Prozent-Regelung zunächst aussetzen.
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Seit August können Kommunen ihre Kita-Planung schneller anpassen, wenn Einrichtungen zu weniger als 93 Prozent ausgelastet sind: Dies kann zu Schließungen einzelner Gruppen oder ganzer Einrichtungen führen. Hintergrund sind sinkende Kinderzahlen und zunehmende Leerstände in einigen Regionen. FDP, SPD und SSW halten die bislang erhobenen Daten jedoch für nicht belastbar genug, um daraus solche Entscheidungen abzuleiten, und fordern, die sogenannte 93-Prozent-Regelung bis zum Ende der Wahlperiode auszusetzen. CDU und Grüne halten in einem Alternativantrag dagegen: Sie wollen an der neuen Bedarfsplanung festhalten, die Datengrundlage weiter verbessern und die Regelung Ende 2027 überprüfen.

Tobias Koch (CDU) verwies auf die sinkenden Geburtenzahlen.
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Heiner Garg (FDP), dessen Fraktion den Antrag gemeinsam mit SPD und SSW eingebracht hatte, stellte einen Widerspruch in den Mittelpunkt seiner Rede: Einerseits werde über freie Plätze und mögliche Überkapazitäten gesprochen, andererseits habe es allein im ersten Halbjahr mehr als 10.000 gemeldete außerplanmäßige Schließungen und Einschränkungen gegeben. Zudem fehlten durchschnittlich rund 63 Prozent der erwarteten Meldungen. Einmal geschlossene Gruppen und verlorene Fachkräfte ließen sich nicht kurzfristig zurückholen. Deshalb müsse die 93-Prozent-Regelung zunächst ausgesetzt werden: „Erst die Daten und dann die Entscheidung.“
Koalition will Kommunen Flexibilität erhalten

Betonte, dass mehrere Forderungen der Opposition bereits angegangen würden: Nelly Waldeck (Grüne).
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CDU und Grüne widersprachen der Forderung. Tobias Koch (CDU) verwies darauf, dass inzwischen landesweit Tausende Kita-Plätze frei seien und die sinkenden Geburtenzahlen eine flexiblere Bedarfsplanung notwendig machten. Leerstände verursachten Kosten und bänden Personal, das andernorts gebraucht werde. Nelly Waldeck (Grüne) ergänzte, dass mehrere Forderungen der Opposition bereits angegangen würden: Betreuungsausfälle würden seit der Kita-Reform systematisch erfasst und die kommunale Bedarfsplanung solle landesweit einheitlicher und passgenauer werden. Zugleich blieben freiwerdende Mittel im System und flössen über das 35-Millionen-Euro-Paket „KiTa für Alle“ unter anderem in zusätzliche Ausfalltage beim Personal, inklusive Kitas, PerspektivKitas und Familienzentren.

Sophia Schiebe (SPD): „Verlässlichkeit darf nicht nur das Motto einer Tour sein. Sie muss morgens an der Kita-Tür spürbar sein.“
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Für die SPD warnte Sophia Schiebe vor den Folgen der neuen Regelung für die Planungssicherheit. Schon die Unsicherheit über den Fortbestand einer Gruppe wirke sich darauf aus, ob Träger Personal langfristig anstellten oder neue Fachkräfte ausbildeten. Sinkende Kinderzahlen könnten stattdessen genutzt werden, Gruppen zu verkleinern, Beschäftigte zu entlasten und die Betreuung verlässlicher zu machen. „Verlässlichkeit darf nicht nur das Motto einer Tour sein. Sie muss morgens an der Kita-Tür spürbar sein“, sagte Schiebe.
Passgenaue Planung entscheidend

Christian Dirschauer (SSW): „Bevor gehandelt und Kapazitäten zurückgebaut werden, brauchen wir genauere Zahlen und eine gründliche Bewertung.“
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Christian Dirschauer (SSW) erkannte an, dass es regional Überkapazitäten gebe und Kommunen flexibler planen müssten. Reine Belegungs- und Auslastungszahlen reichten für weitreichende Entscheidungen jedoch nicht aus: „Bevor gehandelt und Kapazitäten zurückgebaut werden, brauchen wir genauere Zahlen und eine gründliche Bewertung.“

Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne): „Jede einzelne ungeplante Schließung ist eine zu viel.“
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Für die Landesregierung verteidigte der in Vertretung von Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) sprechende Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) den eingeschlagenen Kurs. Rund 840 Millionen Euro gebe das Land jährlich für die Kindertagesbetreuung aus und mit „KiTa für Alle“ würden freiwerdende Mittel genutzt, um das System weiter zu stärken. Zugleich werde erstmals landesweit genauer erhoben, wo Betreuung ausfalle und welche Bedarfe tatsächlich bestünden. „Jede einzelne ungeplante Schließung ist eine zu viel“, räumte Goldschmidt ein. Entscheidend sei bei allen Überlegungen aber eine passgenaue Planung: „Kitas müssen zu den Familien passen, die sie brauchen.“
Den gemeinsamen Antrag von FDP, SPD und SSW lehnte der Landtag mit den Stimmen von CDU und Grünen ab. Der Alternativantrag der Koalitionsfraktionen wurde mit deren Mehrheit angenommen.