
Martin Habersaat (SPD): „Wer schwächere Elternhäuser beklagt, muss stärkere Schulen schaffen.“
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Die Leistungen deutscher Schüler sind in den vergangenen Jahren eingebrochen – laut der jüngsten PISA-Studie verfügt ein Drittel der 15-Jährigen nicht über die grundlegenden Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Auch Schleswig-Holstein ist von dem Niedergang betroffen. In einer Aktuellen Stunde suchten die Abgeordneten nach Ursachen. Die Opposition machte Versäumnisse bei der Landesregierung aus, Koalitionsvertreter verwiesen auf negative gesellschaftliche Trends wie eine ausufernde Nutzung digitaler Medien.
Martin Habersaat, dessen SPD-Fraktion die Debatte angestoßen hatte, sprach von einem „Alarmzeichen“. Die Klage über Handys und Social Media dürfe keine „bequeme Ersatzdebatte dafür sein, dass man sich scheut, die notwendigen Investitionen in das Bildungssystem vorzunehmen“. Er forderte, mehr Lehrer, Schulsozialarbeiter, Förderkräfte und Schulpsychologen einzustellen. „Wenn Schule mehr leisten muss, dann dürfen Sie ihr nicht weniger Ressourcen zur Verfügung stellen“, hielt er der Landesregierung vor: „Wer schwächere Elternhäuser beklagt, muss stärkere Schulen schaffen.“
Gesellschaften unter Druck

Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) betonte, es gebe „multiple Krisen, die den Schulalltag prägen“.
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Die PISA-Ergebnisse seien Ausdruck von „Gesellschaften, die unter Druck stehen“, entgegnete Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). Es gebe „multiple Krisen, die den Schulalltag prägen“, etwa die Folgen der Corona-Pandemie, psychische Belastungen, eine zunehmend heterogene Schülerschaft, eine komplett veränderte Mediennutzung, Künstliche Intelligenz und „ungleiche Lernunterstützung in den Familien“. Die Landesregierung steuere mit einem Bündel von Maßnahmen dagegen, etwa dem EVI-Test der Sprachstandsentwicklung bei Viereinhalbjährigen, der Lernstandserhebung „Lea SH“, der Leseförderung mit dem „Leseband“, mehr Deutsch- und Matheunterricht in den Klassen 1 und 2 und einer Kampagne zur Lehrkräftegewinnung.

Stellte die „stark veränderte Zusammensetzung unserer Schülerschaft“ heraus: CDU-Fraktionschef Tobias Koch.
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CDU-Fraktionschef Tobias Koch stellte die „stark veränderte Zusammensetzung unserer Schülerschaft“ heraus. So habe sich die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, auf knapp 20 Prozent. Hinzu kämen „sehr unterschiedliche Voraussetzungen in den Elternhäusern“ und die „Gefahren des modernen Medienkonsums“. Die Schule müsse diese Unterschiede so gut wie möglich ausgleichen. Zudem machte sich Koch dafür stark, an den Schulen Leistung zu fordern: „Wir sollten nicht so tun, als ob jede Anstrengung eine Zumutung wäre.“
3000 Schüler mehr und 130 Lehrer weniger

Lasse Petersdotter Munstermann (Grüne) sagte, das „Vertrauen in Aufstieg durch Bildung“ gehe beständig zurück, und dadurch werde „die Relevanz von Bildung deutlich geschwächt“.
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Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Lasse Petersdotter Munstermann merkte an, dass die aktuellen PISA-Ergebnisse nicht auf kurzfristige Entscheidungen zurückführen seien. In Schleswig-Holstein seien alle derzeit im Landtag vertretenen Parteien seit 2009 an der Regierung beteiligt gewesen und trügen somit ihren Teil der Verantwortung. Auch er machte einen negativen Trend in der Gesellschaft aus: Das „Vertrauen in Aufstieg durch Bildung“ gehe beständig zurück, und dadurch werde „die Relevanz von Bildung deutlich geschwächt“. Die Politik müsse „Schule so unabhängig von Eltern machen wie möglich“ – das schaffe Bildungsgerechtigkeit,

Christopher Vogt (FDP): „Man könnte meinen, die von PISA festgestellten Mathematikdefizite reichen bis in die Regierung hinein.“
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„Die Tatsache, dass die Ergebnisse so schlecht sind wie noch nie, kann niemanden überraschen“, befand Christopher Vogt (FDP). Er beklagte die „Ausflüchte der Landesregierung“ und warf Schwarz-Grün vor, für „immer mehr Unterrichtsausfall“ verantwortlich sein. Im laufenden Schuljahr gebe es 3.000 Schüler mehr als im Jahr zuvor, und zugleich 130 Lehrkräfte weniger, aber die Landesregierung nehme das nicht wahr:„Man könnte meinen, die von PISA festgestellten Mathematikdefizite reichen bis in die Regierung hinein.“ Vogts Folgerung: „Eine Landeregierung, die den Fehler immer nur bei anderen sucht, braucht kein Mensch.“
Schulen aus dem Norden im Mittelfeld

Jette Waldinger-Thiering (SSW): „Wir müssen die Eltern in der frühkindlichen Entwicklung bedarfsgerecht begleiten.“
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Jette Waldinger-Thiering (SSW) forderte einen „gesunden Umgang“ mit digitalen Medien. Natürlich hätten die Eltern bei diesem Thema eine Vorbildfunktion, aber dieser Bereich müsse auch Teil der Schulbildung sein. Sie forderte „eine neue Haltung zur Bildung“, beginnend mit der „Lernentwicklung ab der Geburt“. Dabei spiele die Kita eine wichtige Rolle: „Wir müssen die Eltern in der frühkindlichen Entwicklung bedarfsgerecht begleiten.“ Weitere Punkte seien kleinere Klassen, eine konsequente „Doppelbesetzung“ von Schulklassen mit zwei Lehrkräften, weniger Verwaltungsaufgaben für die Pädagogen und kostenlose Lernmittel.
Das 2001 gestartete PISA-Programm steht für das „Programme for International Student Assessment“. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) testet dabei weltweit 15-Jährige auf Lese- und Rechenfähigkeiten sowie ihr Wissen in den Naturwissenschaften. 2025 haben die teilnehmenden Jugendlichen in Deutschland „die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen erzielt“. Aus Schleswig-Holstein hatten neun Schulen teilgenommen, sie landeten im bundesweiten Vergleich im Mittelfeld. Die besten Ergebnisse erzielten China, Singapur, Japan und Taiwan. In Europa lagen Estland, die Schweiz, Irland und Polen vorne.