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Öffentliche Petition

Nr. 93
Datum / Thema 30.06.2020
Förderangebote an Schulen nach den Sommerferien
Hauptpetent/in Gedenkbuch e.V. (c/o W.Laub) Wolfgang Laub
Wohnort 12047 Berlin
Berlin
Status abgeschlossen
Anzahl der Mitzeichnungen / Ende der Frist 3
11.08.2020
Im Folgenden handelt es sich um den Originalwortlaut der Petition.
Text der Petition Nach Sommerferien mehr Förderangebote an Schulen (wegen Corona bedingten Ausfällen zuvor )

Corona - bedingt gab es bekanntlich vor den Sommerferien lange viele Ausfälle und nur bedingt (richtigen) Unterricht an deutschen Schulen. Das traf Schüler auch unterschiedlich stark, manche besonders... je nach viel oder wenig guten anderen Unterstützungsmöglichkeiten und technischen Möglichkeiten zuhause bzw. auch in der Schule, individuellen Stand usw.

Der deutsche Lehrerverband forderte so zu Recht und nötigerweise kürzlich verpflichtende Wissenstests an Schulen, für alle Schüler bei der geplanten Rückkehr zum regulären Unterricht nach den Sommerferien. Bei jedem Schüler müsse der Leistungsstand erhoben werden, sagte der Verbandspräsident der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagsausgabe vom 26. 6. 2020). Für den Fall gravierender Wissenslücken empfahl er Förderunterricht. Für Schüler mit starken Defiziten müsse es verpflichtende Förderangebote geben, die beispielsweise am Nachmittag stattfinden könnten. Um ein solches Zusatzangebot zu stemmen, bräuchten die Schulen zusätzliches Personal, verlangte der Lehrerverbands-Chef.

Diese Forderung sollten wir im Sinn der Schüler, Eltern, Lehrer und ganzen Gesellschaft unterstützen, da die Politik sonst wie üblich viel zu wenig machen dürfte und die Zukunft der Kinder, Bildung ja auch im Interesse der gesamten Gesellschaft ist.

Und wie so oft eine sonst eigentlich völlig selbstverständliche Sache, Forderung gerade in dem Bereich eher im Sande verlaufen könnte, wie die Erfahrungen der letzten Jahre ja zeigten.

Dies wird mit der Bitte um Unterstützung, auch weiteren Bekanntmachung, auch an viele Organisationen, Personen, Medien gesandt und wo möglich auch als öffentliche Petition in Landtagen veröffentlicht, auch auf Petitionsplattformen dort.
Datum /
Beschluss des Petitionsausschusses
04.05.2021
Der Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages hat die öffentliche Petition, die von 3 Mitzeichnern unterstützt wird, auf der Grundlage der von dem Petenten vorgebrachten Gesichtspunkte unter Beiziehung von Stellungnahmen des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur mehrfach beraten.

Das Bildungsministerium stellt fest, dass den beiden Forderungen des Petenten in Schleswig-Holstein mit dem „Rahmenkonzept Schuljahr 2020/21: Ein Schuljahr im Corona-Regel-Betrieb“ entsprochen worden sei. Das Rahmenkonzept habe für alle Schulen in Schleswig-Holstein vorgesehen, dass der Start des Schuljahres durch Feststellung des Lernstands und Identifizierung gegebenenfalls vorhandener Lücken und Unterstützungsbedarfe durch die Lehrkräfte in ihren jeweiligen Lerngruppen begleitet wird, um die Ausgangsbasis jeder Schülerin und jedes Schülers zu bestimmen. Der weitere Unterricht habe entsprechend am Lernstand der Schülerinnen und Schüler und damit auch besonderer Lerndefizite ausgerichtet werden sollen.

Darüber hinaus habe Schleswig-Holstein weitere, freiwillige Förderangebote geschaffen wie beispielsweise den „Lernsommer.SH“. Durch diese Angebote – insbesondere im Bereich der Kernfächer – habe den Schülerinnen und Schülern ein guter Start in das neue Schuljahr ermöglicht werden sollen. Das Ministerium weist darauf hin, dass für die Schulen zusätzliche Mittel bereitgestellt worden seien, um sie bei personellen Engpässen zu unterstützen.

Im Dezember 2020 hat die Bildungsministerin einen Bericht zum „Lernsommer.SH 2020“ vorgelegt. Diesem ist zu entnehmen, dass das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein im Nachgang zum Lernsommer 2020 Feedback-Interviews mit beteiligten Schulleitungen aller Schularten sowie Schülerinnen und Schülern geführt habe. Alle Befragten hätten den Lernsommer.SH 2020 trotz der kurzen Planungsfrist und der organisatorischen und arbeitstechnischen Mehrbelastung als Bereicherung empfunden. Unter anderem sei im Rahmen der Befragung für das laufende Schuljahr angeregt worden, eine weitere Fokussierung auf bestimmte Schülergruppen vorzunehmen, sowohl in fachlicher Hinsicht als auch im Bereich der überfachlichen Betreuung. Vorgeschlagen worden sei auch eine Intensivierung der Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler vor allem am Nachmittag, beispielsweise im Bereich Beratung, Begleitung oder Hausaufgaben-Betreuung.

Schülerinnen und Schüler hätten die Rückmeldung gegeben, dass sie sich auch dank der Teilnahme am Lernsommer.SH gut auf das neue Schuljahr vorbereitet gefühlt hätten. Neben den fachlichen Vorbereitungen seien das Miteinander mit anderen Schülerinnen und Schülern, die (Wieder-)Begegnung mit einem Teil des Lehrpersonals und das Gemeinschaftsgefühl am Lernort Schule als sozialförderliche Komponente hervorgehoben worden.

Anfang September 2020 habe ein Austausch mit Schulleiterinnen und Schulleitern aller Schularten stattgefunden. Wahrnehmbare, durch die Pandemie bedingte Lernrückstände seien eher gering erschienen und sollten nach Ansicht der Schulleitungen im Unterricht aufgefangen werden können. Herausforderungen seien eher in überfachlichen Bereichen gesehen worden. Hierzu würden die technische Ausstattung der Beteiligten ebenso gehören wie ernst zu nehmende Defizite in der angemessenen Bedienung beziehungsweise im kompetenten Umgang mit digitalen Medien auf Schülerseite. Dazu habe auch der mit der Schulschließung verbundene Wegfall einer geregelten Tages- und Arbeitsstruktur bei einzelnen Schülerinnen und Schülern Probleme sichtbar werden lassen, das eigene Arbeiten zu organisieren und zu strukturieren und sich nicht von den schulischen Tätigkeiten ablenken zu lassen. Darüber hinaus sei bei vielen ein erhöhter Bedarf an persönlicher Nähe, an enger Kommunikation und an intensivem Austausch feststellbar gewesen.

Vor diesem Hintergrund hätten die Schulleitungen die vom Land bereitgestellten zusätzlichen Mittel in Höhe von 4,5 Millionen Euro bis Ende 2020 für individuelle Förderung, weiteres Aufsichtspersonal oder zusätzliche Vertretungslehrkräfte begrüßt. Es seien darüber hinaus weitere Anregungen gemacht worden, beispielsweise im Hinblick auf sozialpädagogische Unterstützung der Schulen oder die digitale Ausstattung beziehungsweise Kompetenz aufseiten der Schülerinnen und Schüler.

Weiterhin habe das Ministerium eine repräsentative Abfrage bei allen Schularten mit einer hohen freiwilligen Beteiligung der Schulen durchgeführt. Aus den erhaltenen Antworten lasse sich ablesen, dass Lernrückstände bis dahin vor allem bei einzelnen Schülerinnen und Schüler zu sehen seien. Die Schulen würden ein umfangreiches, „buntes“ Repertoire an Fördermaßnahmen für Einzelne sowie Notfallpläne für eventuelle Quarantänefälle vorhalten.

Das Bildungsministerium habe eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen. Unter anderem könnten die Schulen auf einen Pool des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein von Studierenden und externen Anbietern zurückgreifen. Hier könnten Schülerinnen und Schüler insbesondere der Abschluss- und Übergangsklassen zusätzliche Unterstützung in verschiedenen Bereichen erhalten, unter anderem auch im Bereich des Aufholens und Vertiefens von Fachinhalten. Seit dem 1. Februar 2021 könnten Schulen entsprechende Angebote in ihrer Region über eine Internetseite des Instituts abrufen. Der Petitionsausschuss ist darüber informiert worden, dass die Finanzierung bis zum Ende des Schuljahres aus Landesmitteln erfolge.

Zur sozialpädagogischen Unterstützung von Lehrkräften in Grundschulen und Förderzentren werde es Sozialpädagogischen Assistentinnen und Assistenten im Rahmen ihrer Ausbildung ermöglicht, ihre Praktika in einer Schule abzuleisten. Da die Ausbildung derzeit in Berufsfachschulen an 18 Standorten in Schleswig-Holstein stattfinde, könnten die Auszubildenden von dort aus in der Umgebung tätig werden.

Der Ausschuss weist darauf hin, dass weitere Einzelheiten dem im Internet abrufbaren Bericht zum „Lernsommer.SH 2020“ entnommen werden können http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/umdrucke/04900/umdruck-19-04996.pdf.

Das Bildungsministerium hat aktuell mitgeteilt, dass für die Sommerferien 2021 ein Lernangebot geplant sei, in das auch die Erfahrungen aus dem Lernsommer 2020 einfließen würden. Der Schwerpunkt solle erneut auf den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch liegen, aber auch für die Stärkung der personalen und sozialen Kompetenzen und auf den Bereichen musikalischer und kultureller Bildung werde gesorgt.

Außerschulische Bildungsangebote würden hier explizit mit einbezogen. Nach den guten Erfahrungen im letzten Sommer sollten wieder viele unterschiedliche Akteurinnen und Akteure wie Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler, Sportvereine, Volkshochschulen, der Landesjugendring und private Nachhilfeanbieter eingebunden werden. Dazu würden derzeit Gespräche mit allen Beteiligten geführt. Auch Angebote, die Schulen bereits in eigener Regie entwickelt haben, könnten in diesem Zusammenhang unterstützt werden.

Der Petitionsausschuss stellt im Ergebnis seiner Beratung fest, dass die nunmehr seit mehr als einem Jahr andauernde Pandemie auch im Bereich der Schulen für alle Beteiligten eine große Herausforderung darstellt. Vor diesem Hintergrund befürwortet er die vom Bildungsministerium erfolgten beziehungsweise angebotenen und geplanten Maßnahmen, die zur Unterstützung der Schulen und vor allem der Schülerinnen und Schüler beitragen und somit die negativen Auswirkungen der Pandemie so gering wie möglich halten.

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