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Öffentliche Petition

Nr. 44
Datum / Thema 10.07.2017
Lehrplanänderungen
Hauptpetent/in Markus Ettinger
Wohnort 24941 Flensburg
Schleswig-Holstein
Status abgeschlossen
Anzahl der Mitzeichnungen / Ende der Frist 1
21.08.2017
Im Folgenden handelt es sich um den Originalwortlaut der Petition.
Text der Petition Anpassung des Lehrplans

Ich beantrage den Lehrplan für Schulen wie folgt anzupassen:
1. Mehr Sportunterricht
2. Einführung Fach "Grundlagen Betriebswirtschaftlehre"
3. Einführung Fach "Algorithmen"
4. Einführung Fach "Wahrnehmung und Selbsterfahrung" ( o.ä. )

Heutzutage weniger relevante Inhalte sollten dafür gekürzt werden...

Zu 1.
Schüler von ( spätestens ) der 7. - 12./13. Klasse sollten 2x die Woche eine Doppelstunde Sport haben, damit die Motorik und Gesundheit gefördert und dem Bewegungsdrang nachgekommen wird.
In dem Alter ist davon auszugehen, dass dies nicht mehr durch Toben in den Pausen erreicht wird.

Zu 2.
Schüler im letzten gymnasialen Schuljahr ( 12. oder 13. ) sollten betriebswirtschaftliche Grundlagen ( als eigenes Fach ) vermittelt bekommen, da jede dem Schulabschluss folgende Betätigung / Arbeit davon profitieren würde.

Zu 3.
Aufgrund des technischen Fortschritts und der ständig wachsenden Automatisierung ist es notwendig ein Grundverständnis für Algorithmen, evtl. auch einer Programmiersprache, zu vermitteln ( "Wie denken Computer/Maschinen?" )

Zu 4.
Ab spätestens der fünften Klasse sollte es ein Fach geben, in dem struktiert Wissen und Fähigkeiten über das eigene Selbst vermittelt werden.
Inhalte wären je nach Alter der Schüler z.B. ( alphabetisch gelistet ): Achtsamkeit, Atemübungen / "richtiges" Atmen, Datenschutz und Privatsphäre im Internet, Eristik und der Umgang damit, "kostenlose" Dienste und deren Preis, Kreativitätstechniken, Medien(konsum), Meditation, Mobbing, Nottelefone und andere Anlaufstellen ( finden, evtl. besuchen usw. ), Prüfungsängste und der Umgang damit, Resilienz, Smalltalk, Süchte und der Umgang damit ( Prävention, Auswege, Verhalten als Angehöriger oder FreundIn ), Werbung ( Wirkung, "Manipulation", Tricks )
Das wäre auch ein gutes Signal, dass -unabhängig von fachlichem Wissen und (Schul-)stress- das eigene Selbst und das "bewusste" Leben einen hohen Stellenwert hat.
Datum /
Beschluss des Petitionsausschusses
13.02.2018
Der Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages hat die Petition auf der Grundlage der von dem Petenten vorgetragenen Gesichtspunkte unter Beiziehung einer Stellungnahme des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur geprüft und beraten.

Das Bildungsministerium führt aus, dass für die Gestaltung eines sinnvollen Unterrichts die Zahl der Unterrichtsfächer und der Gesamtstundenumfang der bestehenden Fächer begrenzt sein müsse. Hierdurch solle eine Überforderung der Schülerrinnen und Schüler vermieden und die Übersichtlichkeit der Schulfächer erhalten werden. Die durch die Einführung eines neuen Fachs möglicherweise bewirkten Auswirkungen auf bereits vorhandene Fächer und auf die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden müssen berücksichtigt werden. Um den Bedarf für ein neues Schulfach einschätzen zu können, werde deshalb zunächst geprüft, ob bereits vorhandene Schulfächer die angesprochenen Themen nicht bereits ausreichend abbilden oder ob sie nicht fachübergreifend abgebildet werden sollten. Auch werde betrachtet, ob bestimmte Themen fächerübergreifend abgebildet werden sollen, um Blickwinkel verschiedener Disziplinen zur Geltung kommen zu lassen.

Grundsätzlich sei der Gedanke, dass Schülerinnen und Schüler mehr Sport treiben, begrüßenswert. Der Anspruch des Schulfaches Sport gehe noch über die Förderung der Motorik und Gesundheit sowie den Ausgleich des Bewegungsdrangs hinaus. Zu den von der Kultusministerkonferenz und dem Deutschen Olympischen Sportbund formulierten Zielen des Sportunterrichts gehöre insbesondere die Motivation zu einem lebenslangen Sporttreiben. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Handlungsfeld von Bewegung, Spiel und Sport zunehmend sensibler, fachlich kompetenter, urteils- und gestaltungsfähiger werden, was einen altersgemäß reflektierten Umgang mit der eigenen Körperlichkeit beinhalte.

In den Sekundarstufen allgemein bildender Schulformen sollten drei Unterrichtswochenstunden die Regel sein. Diese seien so auszurichten, dass die Schülerinnen und Schüler individuell gefördert und zu außerschulischem Sporttreiben motiviert werden. Das Ministerium weist darauf hin, dass Sport ein stark interessengebundener Bereich sei. Dieser solle über die Schule hinaus genutzt werden. Schule solle die Möglichkeiten für Breiten- und Leistungssport anregen und fördern, könne jedoch nicht die ganze Bandbreite der Sportarten abbilden.

Das Bildungsministerium stimmt dem Petenten zu, dass es wichtig sei, Schülerinnen und Schüler durch ökonomische Bildung zum eigenverantwortlichen wirtschaftlichen Handeln zu befähigen. Die Einführung eines weiteren Schulfaches, das sich ausschließlich diesem Ziel widmet, sei dagegen nicht zielführend.

In Schleswig-Holstein würden an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen bereits ökonomische Themen behandelt. An Gymnasien werde ab Klassenstufe 8 das Fach Wirtschaft/Politik, an Gemeinschaftsschulen darüber hinaus die Fächer Wirtschaftslehre und Verbraucherbildung unterrichtet. Die Fachanforderungen für das Fach Wirtschaft/Politik würden sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II betriebswirtschaftliche Inhalte vorsehen, die durch obligatorische Betriebs- und Wirtschaftspraktika ergänzt werden würden.

Hinsichtlich der von dem Petenten angestrebten Medienkompetenzen verweist das Ministerium auf das Strategiepapier der Kultusministerkonferenz, das im Internet einsehbar ist (https://www.kmk.org/aktuelles/thema-2016-bildung-in-der-digitalen-welt.html). Die hierin genannten Kompetenzen sollten in allen Fächern Berücksichtigung finden und würden unter anderem den Standard „Algorithmen kennen und formulieren“ beinhalten. Eine Ergänzung zu den Fachanforderungen für Schleswig-Holstein sei hierzu geplant. Insbesondere in den Fächern Technik, angewandte Informatik sowie Mathematik werde ein Grundverständnis für Algorithmen und Kenntnisse im Bereich „Programmiersprache“ vermittelt.

Das Bildungsministerium unterstreicht, dass bereits jetzt die überfachlichen Kompetenzbereiche Selbstkompetenz, Sozialkompetenz und Methodenkompetenz im Unterricht aller Fächer zu fördern seien. Fähigkeiten wie die Wahrnehmung der eigenen Situation, selbstständiges Handeln und die Übernahme von Verantwortung sollen ebenso gefördert werden wie die Fähigkeit, die Bedürfnisse und Interessen der Mitlernenden empathisch wahrzunehmen oder das Erlernen grundlegender Arbeitstechniken und Methoden wie beispielsweise die sichere Nutzung der Informationstechnologie.

Im Ergebnis stellt das Bildungsministerium fest, dass die angesprochenen Inhalte von den vorhandenen Unterrichtsfächern beziehungsweise in der vorgesehenen Unterrichtszeit abgebildet werden können. Der Ausschuss schließt sich der Auffassung des Ministeriums an. Er hält es für nicht zielführend, die von dem Petenten angestrebten Inhalte in weiteren Schulfächern abzubilden und hierfür vorhandene Fächer wegfallen zu lassen. Er geht davon aus, dass die vorhandenen Lehrplaninhalte regelmäßig auf Relevanz überprüft werden.

Die Beratung der Petition wird damit abgeschlossen.

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